Es ist okay, wenn das mit dem Stillen nicht klappt

Blog Gastartikel: Familianistas

21.Sep 2018
Deutsch

Gastbloggerin Andrea von den Familianistas hat in punkto Stillen wirklich alles gegeben. Leider erfolglos – bis sie eine Eingebung hatte.

Es ist okay, wenn das mit dem Stillen nicht klappt

Foto: Shutterstock

Habt ihr es mitgekriegt? Anfang August war "Breast Feeding Week" der WHO (World Health Organization). Eine gute Sache, denn mit dieser Woche möchte die Organisation das Augenmerk auf das Stillen lenken, weil Muttermilch erwiesenermaßen immer noch das Beste (gesund und praktisch!) für Neugeborene und Babys ist. Eigentlich. 

Nichtsdestotrotz gibt es ebenso erwiesenermaßen ganz viele Mamas (ich kenne einige!), die ihrem Kind sehr gerne die Brust geben würden, aber aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht können. Ich selbst zum Beispiel. Der Tiefpunkt meiner Still-Karriere erreichte mich in einer heißen Sommernacht vor wenigen Jahren. Ich saß verzweifelt, verschwitzt und mit entblößten Brüsten mit meinem knapp dreimonatigen Baby auf dem Sofa – und war dem Heulen nah. Der Kleine hatte Hunger, aber die Milch wollte einfach nicht richtig fließen. Es kam zu wenig, also wurde er nicht satt. Während ich bei meinem Erstgeborenen quasi die geborene Milchkuh zu sein schien und ihn sieben Monate problemlos durchstillen konnte, schien bei meinem zweiten Sohn irgendetwas nicht im Fluss zu sein. Zumindest nicht meine Milch.

Deshalb habe ich früh angefangen, zwischendurch Milch abzupumpen, um mein Kleines damit zu füttern, sobald meine Brust leer war. Das einzig Gute war, dass das Abpumpen meine Milchproduktion ankurbelte, zumindest scheinbar. Das Problem war, dass ich so zwischen den Fütterungszeiten des Babys zusätzlich auch noch etwas in Pumpenform an meinen Brüsten hatte, das zog. Und genug Milch kam bei mir selbst mit der Milchpumpe leider nicht. Deshalb habe ich angefangen zusätzlich auch noch Ersatzmilch-Fläschchen zuzubereiten.

Der Wendepunkt

Ich war also mehr oder weniger rund um die Uhr mit der Beschaffung und Zubereitung von Milch für mein Baby beschäftigt. Und daneben trug ich das weinende Kind durch die Gegend, beruhigte es, ging mit ihm spazieren, bespaßte es. Ich selbst war nur noch ein Schatten meiner selbst, mit strähnigen Haaren und Augenringen. Ein desolater Zustand.

Nach einem Monat in diesem Modus kam er dann eben, der Tiefpunkt, auf dem Sofa. Ich nickte mit schmerzenden Brustwarzen und meinem wimmernden Baby im Arm ein. Als ich wieder aufwachte, wurde mir schlagartig klar: So kann es nicht weitergehen! Ich machte niemandem einen Gefallen, wenn ich so erschöpft war. Mein Baby bekam zwar Muttermilch, aber zugleich eine Mama, die die Krise bekam.

Mama, es ist okay!

Am nächsten Morgen packte ich mein Baby und ging mir einen Vorrat an feinstem Milchpulver (Muttermilchersatz) kaufen. Zum Glück schien es meinen Kleinen nicht zu stören, dass er fortan das Fläschchen bekam. Hauptsache, er wurde satt. Und ich konnte endlich meine Brüste entlasten und abstillen. Fortan fiel der ganze Still- und Abpumpstress weg und ich habe mich innert kurzen Zeit vom „Mombie“ wieder in eine normale Mama verwandelt. Eine, die nachts besser und länger schlafen konnte und sich tagsüber an den Fortschritten ihres Jüngsten aufrichtig erfreuen konnte.

Darum mein Rat, an alle Mamas da draußen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden: Wenn ihr alles im Still-Business probiert und gegeben habt und es euch letzten Ende nur wertvolle Kräfte raubt, die ihr eindeutig anderweitig brauchen könnt, dann lasst es sein mit dem Stillen. Es ist okay, Mama! Und kein schlechtes Gewissen, bitte! Eure Kinder werden Euch das nicht übelnehmen – eine dauergereizte und ausgelaugte Mama zu haben hingegen schon.

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