Fluchen bitte - aber mit Bedacht!

Blog Gastartikel: Familianistas

16.März 2017
Deutsch

Nicole vom Schweizer Blog Familianistas erzählt uns in ihrer amüsanten Kolumne, wie sie mit dem Thema Fluchen vor dem Kind umgeht. Schmunzeln garantiert! 

Fluchen bitte - aber mit Bedacht!

Foto: Shutterstock 

„Arschloch“, sagt mein Jüngster kürzlich zu mir. Es kam ziemlich kaltschnäuzig und vehement über seine Lippen und es war nebenbei gesagt das erste Mal, dass sich der kleine Mann mir gegenüber derart im Ton vergriffen hat. Ob zu recht oder unrecht - natürlich rein objektiv betrachtet - ist schwierig zu beurteilen. Er wollte unbedingt die Batterien seiner elektrischen Eisenbahn ausgetauscht bekommen. Und zwar gleich! Also jetzt sofort! Da ich gerade mit dem Belegen einer Pizza beschäftigt war, verwies ich ihn auf später, was der Kleine so gar nicht goutieren konnte. Daraufhin knallte er mir besagtes Arschloch vor den Latz und zog von dannen. 

Na warte Bürschchen, so billig kommst du mir nicht davon! Ich liess den Mozzarella, Mozzarella sein und jagte ihm hinterher. Ganz die Ruhe selbst - innerlich natürlich eine glühende Dampflock - und mit erhobenen Finger, versuchte ich in seinen dreieinhalbjährigen Kopf einzutrichtern, dass solche Wörter die Grenzen der Respektlosigkeit klar überschreiten würden. Was er reumütig und mit gesenktem Kopf zur Kenntnis nahm. Ein paar Minuten später kam er jedoch abermals in die Küche gewackelt und fragte: „Du, Mami, was ist ein Arschloch?“ Ich entgegnete ihm in Sendung-mit-der-Maus Manier: „Das ist ein Füdliloch.“ - Seine Antwort: „Das ist doch aber nichts Schlimmes.“

Tja, was soll man darauf sagen? Was das Verwenden von Kraftausdrücken betrifft, muss man ja auch ehrlicherweise zugeben, dass sie zwar nicht zum guten Ton gehören, manchmal aber durchaus guttun. Oder etwa nicht? Schimpfen als therapeutische Möglichkeit. Oder als Maßnahme höchste Erregung abzubauen. Nicht umsonst vertreten ja zahlreiche Psychologen die Ansicht, dass Fluchen für die Gesundheit genauso wichtig sei, wie etwa Lachen oder Weinen. Aber klar, dass mich mein Dreijähriger ein Arschloch nennt, liegt natürlich nicht drin! Auch wenn der kleine Mann damit seinem Ärger hat Luft verschaffen können. No way, schlicht unzulässig. Aber was tun?

Vor allem, wenn man wie ich grundsätzlich die Ansicht vertritt, dass mit plumpen Verboten und Tabus in der Regel wenig geregelt wird was Kindererziehung betrifft. Punkto Fluchen habe ich schon die eine oder andere Variante an unseren drei Kindern testen können. Und mit kleinen Kids kann ich das Modell „Fluchen auf der Toilette“ äußerst weiterempfehlen. Diese Methode ist simpel und effektiv: Entfährt einem Familienmitglied also mal ein spontanes „Scheiße“ - was durchaus vorkommt - wird das Schimpfwort auf der Toilette so lange und so laut wiederholt, wie man eben gerade möchte und sich abgeregt hat. Das „schlimme“ Wort findet damit ein passendes zu Hause. Meinen Teeniesohn allerdings beeindruckt diese Methode null. Bei ihm versuche ich es mit Sensibilität. Mit der naiven Hoffnung vielleicht, dass er versteht, in welcher Gesprächssituation, welche Ausdrucksweise gerade gefragt ist. Ich sage zu ihm also Sachen, wie: „Wenn du deine Freunde unbedingt mit schwule Sau beschimpfen willst, bitteschön. Deine Entscheidung. Bei uns Daheim sind Schwule aber vor allem eines: Freunde. Sie heißen Onkel Stefan. Und Philipp.

Übrigens: Meine eigene Methode, um mal richtig Dampf abzulassen ist die „Verklausulierung“. Ich sage also nicht: „Verdammte Scheiße!“. Sondern eher Sachen wie: „Schöner Kack!“. Der poetische Weg, um mit Sprache umzugehen. 

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