Freundschaften und Babys

Blog Gastartikel: Jérôme von Mama Rocks

09.Jun 2019
Deutsch

Gastblogger Jérôme von Mamarocks fragt sich, wo denn all seine Freunde plötzlich hin sind, und wann er sie wohl endlich wiedersieht.

Papa und Kleinkind

Foto: Mamarocks 

„Wir sehen uns ja dann am Freitag zum Bier.“ „Am Mittwoch wieder Jogging-Gruppe?“ „Wanderweekend im September?“ Zuerst kamen die Anfragen noch regelmäßig. Mittlerweile leider fast nicht mehr. Was ist passiert?

Gehen wir etwa vier Jahre zurück. Ich sitze mit meinen Freunden beim Feierabendbier. Einer aus der gewohnten Runde fehlt. Schon wieder. Der mit dem Baby. Schon komisch, dass der sich nie mehr blicken lässt. So ein Baby kann ja nicht so viel Zeit verschlingen. Ist wohl die böse Ehefrau, die ihn einsperrt. Wir machen noch einige dumme Sprüche, nehmen einen Schluck Bier und lachen.

Wir würden das dann alle gaaaaanz anders machen. Schließlich sind wir ja alle jung, dynamisch und es gewohnt auf vielen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Was würde denn da ein Baby schon groß ändern?

Falsch gedacht. Es änderte sich alles. Das Baby war von einem Tag auf den anderen uneingeschränkt die Nummer eins in meinem Leben.

Die Illusion, dass man sich mit Freunden treffen könne, wenn das Baby schläft, war schnell zerstört. Schlaf?! Was ist das? Und wenn es dann doch mal schlief, wollte auch ich schlafen. Oder duschen. Oder essen. Das gemütliche Feierabendbier und die Jogging-Gruppe waren plötzlich ganz weit weg.

Und das war auch ok so. Ich wollte für meine kleine Familie da sein und die Zeit mit dem Baby genießen. Nach dem (in der Schweiz sehr kurzen) Vaterschaftsurlaub erst recht.
 

Auch der Freundeskreis ändert sich

Doch auch mehrere Monate später sah ich meine Freunde deutlich weniger als früher. Selbst wenn es zeitlich wieder möglich gewesen wäre, fehlte mir aufgrund der permanenten Müdigkeit doch meist die Motivation am Abend noch wegzugehen. Dafür sah ich Freunde, die selber Kinder haben plötzlich in einem ganz anderen Umfeld. Anstatt in der Bar trifft man sich nun halt auf dem Kinderbauernhof oder einer Geburtstagsparty. Andere, meist die kinderlosen Kumpels, verliert man immer mehr aus den Augen. Aber so ist das Leben. Wieder andere Freunde sieht man zwar nicht mehr so oft wie früher, die Zeit, die man gemeinsam verbringt, ist dafür umso schöner und wertvoller.

Aber es gibt auch Freundschaften, für die man aktiv etwas tun muss. Sprich mit deinen Freunden und erklär ihnen, warum du weniger Zeit hast als vorher. Viele kinderlose Personen können sich gar nicht vorstellen, wie stark sich das Leben wirklich ändert. Ich wusste es damals ja selber auch nicht. Also nehmt euch die Zeit und sprecht miteinander. Es lohnt sich!

Übrigens: für deine Partnerin werden die ersten Monate mit dem Baby wohl noch viel anstrengender sein als für dich als Mann. Wie du sie unterstützen kannst, liest du hier.

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