Frühchen-Mama, Frühchen-Papa

Was ist für Eltern von Frühgeborenen anders?

05.Mai 2020
Deutsch

Eigentlich hatte man sich das so vorgestellt: das rosige Kind im Arm, die Familie glücklich, spätestens nach ein paar Tagen nach Hause. Wie bei den anderen eben auch. Doch dann kommt plötzlich alles anders. Wie geht man damit um, wenn das Kind viel zu früh kommt? Und welche Herausforderungen gibt es zu meistern?


Foto: Shutterstock

 

Was ist ein Frühchen?

Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen, zählen als Frühgeburt. Dank der heutigen medizinischen Möglichkeiten haben Kinder sogar schon ab der 24. Schwangerschaftswoche Chancen, außerhalb der Gebärmutter zu überleben.

Das Risiko für bleibende Schäden an Gehirn und/oder Organen ist aber größer, je früher das Kind kommt und je geringer das Geburtsgewicht ist. Vor der 31. Schwangerschaftswoche werden Frühchen zur Schonung der Kinder meistens per Kaiserschnitt entbunden.

 

Mit welchen Problemen haben Frühchen zu kämpfen?

Frühchen brauchen in fast allen Fällen Hilfe beim Atmen, da die Lunge noch nicht reif ist. Eine häufige Komplikation ist darum das „Atemnotsyndrom“. Wenn möglich, wird der Mutter vor der Geburt noch Kortison gespritzt, um die Reifung der Lunge zu beschleunigen. Außerdem sind die Kleinen sehr anfällig für Infektionen, da das Immunsystem noch nicht komplett ausgebildet ist. Eigentlich harmlose Keime können lebensbedrohlich sein.

Je nach „Reife“ des Frühchens sind bestimmte Organe oder Organsysteme nicht gänzlich funktionsfähig. Zum Schutz liegen die meisten Kinder in Inkubatoren, wo die Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant gehalten wird, sowie Keime abgeschirmt werden. Manchmal sind auch Sonden zur Ernährung und künstliche Beatmung nötig.

 

Was ist die Herausforderung für Eltern?

Die meisten Frühchen-Eltern leben in ständiger Angst um das Baby. Je nachdem, wie sehr medizinisch eingegriffen werden muss, kann schon der Anblick des Kindes für die Eltern hart sein. Die Möglichkeiten zum Bonding können dadurch stark eingeschränkt sein – auch wenn Körperkontakt grundsätzlich wann immer möglich gefördert wird, da er auch den Kindern bei der Entwicklung helfen kann. Manche Eltern müssen wochenlang zwischen Krankenhaus und Zuhause pendeln oder zeitweise im Krankenhaus leben. Ein geregelter Alltag und Berufstätigkeit ist kaum oder schwer möglich. Noch mehr als bei allen anderen frischgebackenen Eltern dreht sich alles um das Baby und seine Gesundheit.

Besser als gutgemeinte Ratschläge: einfach mal zuhören.

Eine Erholungsphase nach der Geburt im Wochenbett mit Kuscheln, Stillen und einander Kennenlernen fällt weg. Man lebt in einer ständigen Ausnahmesituation, die psychisch und physisch sehr belastend sein kann. Auch die häufige Trennung vom Baby ist oft schwer zu verkraften.

Man kann keine Besuche empfangen, das Baby nicht einfach der Familie und Freunden vorstellen, keine Spaziergänge machen – nichts, was sonst nach einer Geburt üblich ist.

Statt Freunde und Familie zu treffen, sieht man überwiegend Ärzte, Ärztinnen, Krankenschwestern und Pfleger. Statt Babymobiles hängen Monitore über dem Bett.

Mütter von Frühchen müssen mit künstlicher Hilfe den Milchfluss zum Laufen bringen, denn wie immer gilt: Muttermilch ist das Beste für das Kind. Viele Frühchen-Mamas verbringen anfangs also nicht nur Zeit beim Kind, sondern auch mit einer Milchpumpe. Das ist zwar anstrengend, lohnt sich aber sehr, schließlich enthält die Milch wertvolle Abwehrstoffe, die dem Immunsystem des Winzlings helfen.

 

Wie kann man Frühchen-Eltern unterstützen?

In dem man zum einen bei der eigenen Sprache achtsam ist. Aussagen wie „Ich kenne jemanden, der kam auch früh und ist heute ganz normal“, helfen nicht. Niemand weiß, was passieren wird. Die Eltern erwarten vielleicht Monate mit langwierigen Therapien. Und was heißt eigentlich „normal“?

Statt gut gemeinter Ratschläge oder neugieriger Fragen zum Gesundheitszustand des Kindes reicht vielleicht erst einmal die Frage, wie es den Eltern geht. Selbst wenn es schwerfällt, sich in die Situation hinein zu fühlen – zuhören kann man immer.

Menschen sind verschieden, manche brauchen Ruhe und Rückzug, andere Ablenkung. Wenn du dir unsicher bist, wie du helfen kannst, frage vorsichtig nach. Womöglich kannst du im Alltag für Erleichterung sorgen und Erledigungen für die Eltern übernehmen oder einfach auf eine Tasse Kaffee vorbeischauen und über etwas ganz Anderes reden. Manche Frühchen-Eltern wollen lieber Zeit für sich haben, um mit der neuen Situation erst einmal alleine klarzukommen und haben im schweren Krankenhausalltag gar keinen Platz für mehr.

 

Ist das Leben zu Hause wie bei anderen Eltern?

Wie das Leben nach dem Krankenhaus weitergeht, hängt sehr vom Gesundheitszustand und eventuellen Beeinträchtigungen des Kindes ab. Frühchen-Kinder werden in vielen Fällen öfter und langfristig kontrolliert, da sich z.B. Lernschwierigkeiten erst später zeigen. Die Sorge von Frühchen-Eltern um ihre kostbaren Schätze hört also oft auch zu Hause nicht auf. Vielleicht sind regelmäßige Therapien nötig.

Ein Licht am Ende des Tunnels gibt es aber: Dank heutiger medizinischer Möglichkeiten entwickeln sich viele Frühchen zu quietschfidelen, gesunden Kindern, denen man den schweren Start nicht anmerkt. Und auch die Sorgenfalten der Eltern weichen mit der Zeit oft zunehmend den Lachfalten.

 

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Quellen:

https://www.netdoktor.at/krankheit/fruehgeburt-8193

https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/fruehgeburt/versorgung-fruehchen/

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