Gefühlschaos im ersten Schwangerschaftsdrittel

Blog Gastartikel: Tina von Titantina

02.Jul 2019
Deutsch

Die Hormonumstellung kann eine Schwangere sowohl physisch als auch psychisch stark belasten. Welche Erfahrungen Gastautorin Tina vom Blog Titantina mit dem Gefühlschaos gemacht hat, erzählt sie uns heute.

Frau mit Babybauch

Foto: Titantina 

Die ersten Monate einer Schwangerschaft sind in jeder Hinsicht besonders. Nicht immer wird der Beginn in diesem prägenden und außergewöhnlichen Lebensabschnitt von einem Gefühl von Leichtigkeit begleitet, und aufgrund von hormonellen Umstellungen und etwaigen physischen Beeinträchtigungen lassen die euphorischen Glücksgefühle auch mal auf sich warten. Das erste Drittel ist für viele Schwangere eine Herausforderung. Welche Erfahrungen ich dazu gemacht habe, und was ich unternommen habe, um meine mentale und physische Gesundheit wiederzuerlangen, erzähle ich dir in meinem heutigen Erfahrungsbericht.
 

Erschöpft und ausgelaugt

Es war inmitten der Hochsaison auf der Insel Elba. Hitze, lange Anfahrt mit dem Campingbus, ein überfüllter Campingplatz und eine Horde Mosquitos in der Nacht. Hier sollten wir, 2 Erwachsene und 2 Kinder, unseren lang ersehnten Urlaub verbringen. Willkommen Horrortrip, adé Unbefangenheit! Ich fühlte mich derart von bleierner Müdigkeit erschlagen, dass ich, anstatt die Nachmittage gemeinsam mit der Familie am Strand zu verbringen, im Bus schlief, ja ich schaffte es abends einige Male nicht, mich in das Restaurant zu begeben. Mein Körper sehnte sich nur nach Schlaf und Ruhe, was sich zweifelsohne im Juli inmitten eines überfüllten Campingplatzes, als eine utopische Wunschvorstellung herausstellte. Woher kam nur diese extreme Abgeschlagenheit? Mir wurde bewusst, dass mein Körper sich ganz klar nach einer Ruhepause sehnte, jedoch war mir nicht bewusst, woher dieser lähmende Zustand rührte. Der Sommerurlaub am Meer gestaltete sich als einer der herausforderndsten Urlaube, der mich sowohl psychisch als auch physisch an eine Grenze trieb. (Erst zu einem viel späteren Zeitpunkt sollte sich herausstellen, was diesen Erschöpfungszustand zusätzlich nährte: ich war schwanger mit dem 3.Kind und hatte enorm mit der Hormonumstellung zu kämpfen.)
 

3 Monate später…

Es lief rein gar nichts wie am Schnürchen, auch zu Hause angekommen nicht. Die erwartete Erholungsphase nach den Sommermonaten blieb aus. Ich konsultierte aufgrund von Unterleibsschmerzen, die mich von der Stärke her sehr an PMS (Prämenstruelles Syndrom) erinnerten, mein Netzwerk von Fachkundigen. Als sich zu meinen Beschwerden, die mit massiven Stimmungsschwankungen einhergingen, Antriebslosigkeit und Appetitlosigkeit gesellten, läuteten für mich im wahrsten Sinne des Wortes die Alarmglocken. Denn meine These, dass sich aufgrund von Stress und Überforderung die Menstruation verschoben hatte, sollte sich als Trugschluss herausstellen. Mein Gynäkologe stellte in der 9. Schwangerschaftswoche fest, dass bereits das Herz eines kleinen Wunders in mir pochte.
 

Slow life und das tun, was Freude bereitet

Für mich stand ab diesem Zeitpunkt ganz klar fest: mein Körper hatte mir unverkennbare sehr drastische anmutende Signale ausgesendet, einen Schritt langsamer zu schalten. Es musste ein Umdenken stattfinden, das mich wieder zu Kräften kommen ließ und meine Lebensfreude entfachte. Ich gestaltete meine Tage bewusst so, dass ich Phasen der Ruhe einhalten konnte, und der Fokus lag auf Erholung und auf meinem Wohlbefinden. All das, was mir im Moment Freude bereitete, war willkommen. Ein Buch zu lesen, das Handy beiseite zu legen, ein Spaziergang in der Natur, ein Treffen mit Freunden oder einfach nur ein kurzer Moment des Nichtstuns. Und das hieß auch: auch mal alle 5 gerade sein zu lassen, und ein sehr wichtiger Schritt: Hilfe annehmen zu können.

Mit welchen entspannungsfördernden Maßnahmen du dein Wohlbefinden in deiner Schwangerschaft noch steigern kannst, erfährst du in meinem Artikel Achtsamkeit in der Schwangerschaft.

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