Gegen Übergriffe in der Geburtshilfe

#RosesRevolution

18.Feb 2019
Deutsch

Beim Thema Gewalt im Kreißsaal regnet es von allen Seiten Trigger Warnungen. Kein Wunder. Immerhin ist in manchen Fällen die Rede von „Birth Rape“ was soviel bedeutet wie Vergewaltigung bei der Geburt. Klingt im ersten Moment krass, schockierend und nach maßloser Übertreibung. Es klingt nach Schuldzuweisung und wird deshalb leider häufig mit Spott begleitet - damit das Thema möglichst rasch vom Tisch gefegt wird. Dabei handelt es sich aber um mehr als nur bedauerliche Einzelfälle. Immerhin sind es in Europa sage und schreibe 40 bis 50% aller Frauen, die ihr Kind in einer Klinik zur Welt gebracht haben, und dabei abschätzend bis missbräuchlich bei der Geburtshilfe behandelt wurden. So das Ergebnis der mittlerweile prominenten Autorin, Speakerin und Beraterin Christina Mundlos („Gewalt unter der Geburt – Der alltägliche Skandal“).

Gegen Übergriffe in der Geburtshilfe

Foto: Shutterstock

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO kritisiert, dass Missstände aufgrund der Machtposition der Krankenhäuser und Kliniken einfach ignoriert werden. Neben einer Erklärung, die das gravierende Problem aufzeigt, wurde dafür am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, am 25. November die Initiative „Roses Revolution Day“ ins Leben gerufen. Betroffene Mütter legen an diesem Tag rosa Rosen und ihre Geburtsberichte vor jene Kreißsaaltüren, hinter denen ihre Menschenrechte verletzt worden sind.
 

#metoo – Frauen verlassen ihre Opferrolle

Wichtig ist eine generelle Sensibilisierung was ruppige Umgangsformen vonseiten des Krankenhaus-Personals betrifft. Selbst angehende Hebammen sind schockiert über die psychische und physische Gewalt, der Frauen bei der Geburt ihres Kindes ausgesetzt sind. Von Augenrollen und Sätzen wie „Stell dich nicht so an!“ bis zu schmerzhaften Muttermund-Untersuchungen mussten Frauen bisher Dinge erdulden, die jenseits einer respektvollen Versorgung liegen. Und ganz einfach übergriffig sind.

Du als Mama-to-be wirst wie ein lebloser Container für das Baby behandelt. Dein Bedürfnis nach Feingefühl wird in diesen verletzlichen Stunden aufgrund der alltäglichen Abläufe und/oder des Personalmangels einfach übergangen. Fatalerweise ist in so einer Situation auch oftmals der Papa in spe total überfordert. Denn was die medizinische Notwendigkeit für diverse Eingriffe betrifft, kann er deren Sinn oder Unsinn als Laie kaum einschätzen. In Situationen, die sich für dich als Gebärende wie Bahnhofstrubel anfühlen, soll er wissen, ob das Dauer-CTG, das zu eng an deinem Bauch anliegt, überhaupt Sinn macht.

Ob der angedrohte Kaiserschnitt nicht doch besser wäre, damit die Dauer der Geburt verkürzt wird? (In manchen Regionen Deutschlands kommt derzeit jedes 3. Baby durch eine Kaiserschnittgeburt zur Welt.)

Tatsache ist, dass im Lauf der vergangenen beiden Jahrzehnte der Gebärenden zunehmend die Selbstbestimmung über ihren Körper abgesprochen wurde. Das Wohl des Kindes wird dabei gegen das Wohl der Mutter ausgespielt. Angeblich zur Sicherheit.

Fakt ist leider auch, dass es zu aufgezwungenen oder ohne ausdrückliche Einwilligung vorgenommenen medizinischen Eingriffen kommt. Es wird zum Beispiel über die Möglichkeiten einer Schmerzbehandlung oft nicht richtig aufgeklärt.

Und täglich schwappen neue Horrormeldungen an die Oberfläche. Wo bleibt da die Vorfreude auf das Baby? Wichtig ist, dass du dich richtig gut über deine Rechte informierst. Nur so hast du das Gefühl der Kontrolle und bist nicht völlig ausgeliefert. Denn für die Geburt deines Kindes und die Zeit danach benötigst du alle Kraft der Welt. Lass´ dich keinesfalls auf Grenzüberschreitungen ein denn sogar im Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit heißt es:

„Gebärende haben ein grundlegendes Menschenrecht, die Umstände, in denen sie ihr Kind zur Welt bringen, frei zu wählen.

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