Gewichtszunahme in der Schwangerschaft: Was ist schon „normal“?

Blog Gastartikel: Mini and Me

31.Jul 2018
Deutsch

Während der Schwangerschaft leistet der weibliche Körper Unglaubliches. Allgemeine Empfehlungen passen da nicht immer. Jeannine von Mini and Me mit einem Plädoyer dafür, auf den eigenen Körper zu vertrauen. Vor allem, was die eigene Gewichtszunahme anbelangt.
 

Gewichtszunahme in der Schwangerschaft: Was ist schon „normal“?
Foto: Mini and Me
 

Blättere ich durch die Seiten meines Mami Buchs, das ich während meiner Schwangerschaft vor vier Jahren ausgefüllt habe, muss ich jedes Mal wieder grinsen, wenn ich lese, wie gerne ich damals Tomaten mit Mozzarella gegessen habe. Täglich. Und niemals wieder hat es so gut geschmeckt, wie damals.

Ich denke daran zurück, wie hungrig ich jeden Morgen war. Und auch daran, wie schwindelig mir wurde, wenn ich nicht sofort etwas aß. Ich erinnere mich an den prall gefüllten Kühlschrank vor dem ich stand und weinen musste, weil ich angeblich nichts zu essen finden konnte.

Zunächst verlief die Gewichtszunahme „normal“, aber ab dem zweiten Trimester ging die Kurve steil nach oben. Bei einem meiner Termine beim Frauenarzt – ich hatte um die 18 Kilo zugelegt – empfahl er mir vorsichtig einen Fruchttag. „Unmöglich“, dachte ich mir damals, „der hat ja keine Ahnung, wie hungrig ich immer bin!“ Und Lust dazu hatte ich freilich auch nicht.

So kam es, dass die Anzeige unserer Waage bis zum Ende der Schwangerschaft von einstmals etwa 50 Kilogramm auf 75 angestiegen war. Ich nahm also 50 % des Ausgangsgewichts zu und damit so viel, wie in keinem Schwangerschaftsratgeber empfohlen wird.

Mein Körper zeigte mir in dieser besonderen Zeit aber so genau wie nie zuvor, was er gerade brauchte. Und ich nahm mir den vermeintlichen Luxus heraus, genau darauf zu vertrauen. Diese Entscheidung war für mich persönlich absolut richtig. Da es meinem ungeborenen Kind gut ging, dachte ich also auch nicht daran, etwas zu verändern, das sich für mich doch richtig anfühlte.

Dennoch hatte ich Tage, an denen ich mich beinahe gegen den Hunger, meine Übelkeit und das Schwindelgefühl entschied. Denn natürlich war ich unsicher. „Das musst du dann halt auch alles wieder abnehmen“, hörte ich mehr als einmal.

Nach der Geburt meiner Tochter fühlte ich mich nach wie vor mit den verbliebenen zusätzlichen 16 Kilo wohl in meiner Haut. Ich hatte ein Kind bekommen, mein Körper hat großartiges geleistet. Und als ich soweit war und ich selbst den Wunsch nach Veränderung hatte, schaffte ich es mit viel Sport, mich wiederum wohl zu fühlen. Mit all den Veränderungen, die so eine Schwangerschaft verursacht. Gegessen habe ich immer noch nach Herzenslust, denn auch in der Stillzeit wollte ich das Beste für mein Kind und mich tun, und meine Antwort darauf finden, was das wohl ist.

Ich möchte nicht grundlegend bezweifeln, dass die ärztlichen Empfehlungen für diese Zeit berechtigt sind. Natürlich nicht! Aber dennoch glaube ich, dass Allgemeines niemals ganz aufs Individuum passen kann. Deshalb will ich eine Lanze dafür brechen, sich nicht zu sehr verunsichern zu lassen. Ich glaube, wir dürfen auf unseren Körper hören und darauf vertrauen, dass unser Gefühl richtig ist. Denn niemand kann dieses so spüren, wie wir selbst.

Mehr lesen: Jeannine über ihren Weg „zurück“ zu sich und ihre persönliche Antwort auf den veränderten Körper nach der Schwangerschaft. 

 

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