Good Cop, Bad Cop

Blog Gastartikel: Familianistas

18.Aug 2016
Deutsch

Unsere Schweizer Gastautorin Nicole von Familianistas hat sich in der heutigen Kolumne einem Thema in Sachen Kindererziehung angenommen, das viele Paare nur zu gut kennen. Na, Good Cop  oder Bad Cop - wer bist du? 

Good Cop, Bad Cop

Foto: Shutterstock 

Ich bin bei uns daheim der Bad-Cop, so viel steht fest. Um diese Rolle gebeten habe ich allerdings nie. Sie ist mir zugefallen. Hat sich langsam eingeschlichen und klebt nun an mir wie ein super zäher Kaugummi. Ich sollte an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass ich im Leben vor den Kindern eine komplett andere Identität hatte: Ich war risikofreudig, easy-going und total unkompliziert. Auf der Skipiste geriet ich regelmäßig in einen Geschwindigkeitsrausch, den Sprung von einer Brücke in den Fluss wagte ich ohne mit den Wimpern zu zucken und kalte Winter überstand ich stets ohne wollige Kopfbedeckung – wenn mich dennoch eine fiese Erkältung ereilte, war ich halt selber schuld.

Wo wir auch schon beim Punkt angelangt wären: Selber schuld ist mit Kindern nicht drin! Zumindest nicht mit kleinen Kids. Und so mutierte ich als Mutter langsam aber stetig zum Bad-Cop. Zur doofen Nörgel-Mama, die morgens an der Haustüre ihre Kinder mit Sätzen, wie: „Hast du deine Turnsachen eingepackt?“ oder „Mach bitte die Jacke zu, es ist kalt draußen“ verabschiedet. Als Antwort kriege ich dann jeweils ein mürrisches Gemurmel zu hören oder ein gehässiges „Ja-a-a!!!“ Durchaus verständlich, schließlich konnte ich solche Mama-Sätze auch nie ausstehen. Sie hallen heute noch unangenehm in meinem Ohr, als wäre es gestern gewesen.

Was aber vor allem nervt, ist der Good-Cop in diesem Spiel. Mein Mann um genau zu sein. Im Wissen, dass ich die Vernünftige bin, die schon an alles Nötige gedacht hat, das innerfamiliäre Frühwarnsystem, das mit einem „Achtung, pass auf!“ Löcher in Köpfen und gebrochene Knochen zu verhindern versucht, konzentriert sich mein Mann auf die unverfänglichen, die coolen Dinge. Mit dem Skateboard führt er waghalsige Tricks vor, bastelt Papierflieger, die durch die Wohnung sausen und springt heldenhaft vom Zehnmeter-Sprungturm. Nicht selten entfährt mir dann ein boshaftes „Super-Papa “, „Club-Med-Animator“ oder „Event-Dad“. Denn zugegeben: Ich bin neidisch.

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