Großeltern

Blog-Gastartikel Stadt, Land, Mama

03.Jul 2016
Deutsch

In ihrer heutigen Kolumne schreibt Gastbloggerin Katharina von Stadt, Land, Mama rührend über das Glück, Großeltern zu haben. 

GroßelternFoto: Shutterstock 

Neulich, als meine Mutter uns besuchte, sah ich ihr und meinen Kindern beim Spielen zu. Großeltern sind einfach etwas Wunderbares. Sie haben die Geduld für eine zweite oder dritte Gute-Nacht-Geschichte, spendieren immer ein Eis, können tolle Flechtfrisuren und zeigen Kindern noch einmal ganz andere Blickwinkel auf das Leben.

Als Kind übernachtete ich selbst oft bei meiner Oma, abends kuschelte ich mich an sie und lauschte fasziniert ihren Geschichten von früher. Das Beste war, wenn meine Oma alte Fotoalben herausholte und mir meine Ur- und Ururgroßeltern zeigte. Ich sah Frauen, die sich für den Sonntagsspaziergang herausgeputzt hatten und Männer, die stolz ihre gezwirbelten Bärte in die Kamera hielten. Pure Eleganz, schicke Autos, niemals Jogging-Hosen. Für mich war meine Oma der Schlüssel zu einer geheimnisvollen, fast vergessenen Welt.

Ich habe das große Glück, dass meine Omas noch leben und meine Kinder somit sogar noch Uromas haben. Die beiden Damen sind 90 bzw 94 Jahre alt. Als sie geboren wurden, gab es keine Handys, keine Antibaby-Pille, kein Mensch war je zum Mond geflogen. Sie haben einen Krieg erlebt, geliebte Menschen durch ihn verloren. Als mein Vater gerade einmal zwei Tage alt war, packte meine Großmutter das Nötigste zusammen, verließ ihr zu Hause und lief mit ihrem Baby durch den eisigen Februar 1945 bis Dresden, wo sie die Bombennacht miterlebte. Meine andere Großmutter versteckte sich tagelang vor den russischen Soldaten, die ihren Vater mitnahmen und den sie nie wiedersehen sollte.

Manchmal, wenn ich über ihr Leben nachdenke, erscheint mir alles, worüber ich mir Gedanken mache, so nichtig. Und gleichzeitig macht es mich jedes Mal dankbar. Wir haben das große Glück, an einem sicheren, sauberen, schönen Ort zu leben. Wir müssen nicht hungern, nicht frieren. Meine Großmütter haben das ganz anders erlebt. Es hat sie geprägt, diese schweren Zeiten haben sich eingebrannt. Ich finde es wichtig, dass wir sie nie vergessen.

Ja, ich wünschte, meine Omas würden meinen Kindern eines Tages von ihrem Leben erzählen.

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