Hat mein Baby Dreimonatskoliken?

Wie man sie erkennt und was man dagegen tun kann

03.Mai 2020
Deutsch

Den Begriff „Dreimonatskoliken“ kennen viele – und dennoch sind sie ein großes Mysterium. Gibt es sie denn wirklich? Und wenn ja, was sind Dreimonatskoliken überhaupt, woher kommen sie und am wichtigsten: wie kann ich meinem Baby helfen?


Foto: Shutterstock
 

Was sind Dreimonatskoliken?

Es handelt sich dabei um keine konkrete Erkrankung mit einem eindeutigen Krankheitsbild. Gemeint ist damit ein Zustand, bei dem eigentlich gesunde Babys heftig, manchmal stundenlang schreien und anscheinend auch unter Blähungen leiden. Deswegen dachte man früher, es handle sich um Koliken, also krampfartige Bauchschmerzen.

Heute ist man eher der Meinung, dass der geblähte, schmerzende Bauch erst vom Schreien verursacht wird – er ist nicht der Grund für das Schreien, sondern eine Folge davon. In erster Linie wegen der dabei verschluckten Luft.

 

Gründe für Dreimonatskoliken bzw. Schreiattacken

Auffällig ist, dass übermäßiges Schreien mit ca. 2 Wochen beginnt. Besonders spannend: bei Frühchen startet diese Phase entsprechend später. Es dürfte sich dabei also um eine besondere Entwicklungsphase handeln. Man spricht darum nun auch eher von einer „Regulationsstörung“ als von Koliken. Auffällig ist außerdem, dass Schreibabys auf äußere Reize generell sensibler reagieren als andere Altersgenossen. Sie finden oft schwieriger in den Schlaf, wachen öfter auf oder weinen bei starken äußeren Reizen (z.B. Lärm).

Heute geht man davon aus, dass es sich nicht um Bauchweh, sondern um eine „Regulationsstörung“ handelt.

 

Hilfe bei Dreimonatskoliken bzw. für Schreibabys

Alle Babys schreien mal. Meistens ca. eine halbe Stunde am Tag. Die Definition eines Schreibabys findest du auch in diesem Artikel. Folgendes kann gegen das Schreien helfen:

  • ein gut strukturierter Tag mit festen Schlaf- und Esszeiten
  • viel Tragen am Körper (optimaler Weise Tragetuch oder eine ergonomische Tragehilfe)
  • Ein Einschlafritual pflegen
  • Beruhigendes Singen oder Babymassage: diese kann aber der 4. Woche täglich durchgeführt werden. Mit etwas Öl werden „ausstreichende“ Bewegungen gemacht – z.B. kreisend um den Nabel oder mit den Daumen vom Nabel weg. Am besten 1 Stunde vor oder nach dem Essen bzw. nach dem Baden. Lass dir die korrekten Handgriffe z.B. von einer Hebamme zeigen (auch per Videochat).
  • jedenfalls beim Baby bleiben, wenn es schreit
  • Wenn du merkst, dass es dir zu viel wird: hole dir Hilfe und professionellen Rat
  • Falls du nicht stillst: es gibt spezielle Anti-Kolik-Flaschen, die verhindern, dass zu viel Luft verschluckt wird. Fast 80% der Mütter, die an einer eigenen Studie mit diesen Flaschen teilnahmen, bestätigten eine Verbesserung bzw. Verringerung beim Weinen und Bauchkrämpfen.*
     

Viele Eltern verzweifeln, wenn das Baby anhaltend brüllt, schließlich ist es nicht nur herzzerreißend, sondern strapaziert die Nerven. Auch Aggressionen können aufkommen. In Schreiambulanzen, bei Hebammen, Kinderärzten und -ärztinnen findest du Unterstützung in dieser schwierigen Situation! Wichtig ist, das Kind niemals zu schütteln, da der Hals-/Nackenbereich eines Säuglings noch sehr empfindlich ist und es zu Hirnschäden kommen kann.

Das Schreien ist kein Vorwurf und auch kein Zeichen für ein Versagen des Elternteils – dein Baby ist einfach sehr sensibel und braucht Zeit, sich an die Umstände, Körpervorgänge und Umwelt außerhalb des sicheren, dunklen, leisen Bauches zu gewöhnen. Gib ihm die Zeit und ertrage die schwierige Phase mit Geduld: du wirst spätestens nach einigen Wochen mit einem glücklichen, lieben Lächeln beschenkt!

 

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Quellen:

https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/krankheitszeichen/dreimonatskoliken/

https://www.netdoktor.de/baby-kind/dreimonatskoliken-bei-babys-86.html

*REDUCTION OF ABDOMINAL COLIC IN INFANTS BY USING BOTTOM VENTILATED BOTTLES

B. Lehner, A. Woppmann, R. Kerbl

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