Hilfe, das Kind berlinert!

Blog Gastartikel: Stadt Land Mama

16.Feb 2018
Deutsch

Gastbloggerin Katharina vom Blog Stadt Land Mama merkt: Das Leben in der Hauptstadt färbt auf die Kinder ab!

Hilfe, das Kind berlinert!

Vor ein paar Wochen hatten wir Besuch von den Cousinen aus der bayerischen Provinz. Und so saß ich mit vier Kindern in der U-Bahn, fuhr kreuz und quer durch Berlin, um den Gästen einige Touristen-Attraktionen zu zeigen. Eigentlich hätte ich mir das sparen können, denn meine Teenie-Nichten fanden die U-Bahn-Fahrt am spannendsten. 

Und tatsächlich ist so eine Fahrt durch die Hauptstadt eine echte Horizonterweiterung. Man trifft dort auf Menschen jeder Hautfarbe und Nationalität, auf Leute mit verrückten Haarfarben und extravagantem Modegeschmack - langweilig wird es definitiv nicht. Doch während unsere Gäste nicht mehr aus dem Staunen herauskamen, überraschte selbst ein Punker mit grün-pinken Haaren und riesigem Nasenring meine Kids nicht mehr besonders - sie sind diese bunten Menschen eben gewöhnt. 

Und so fiel mir mal wieder auf, wie sehr der Wohnort auf die Kinder abfärbt. In jeder Hinsicht. Als ich zum Beispiel meine Große neulich von der Schule abholte, fragte ich: „Und, was gibt´s Neues?“. Sie zuckte mit den Schultern und sagte: „Nüschte“. Mein bayerisches Herz setzte für eine Sekunde aus. Hatte sie wirklich „Nüschte“ gesagt – urberlinerisch für „Nichts“ also? Ich bilde mir ein, hochdeutsch zu sprechen, auch wenn ich seit vielen Jahren in der Hauptstadt lebe. Von mir hat sie den Dialekt also nicht. 

Doch meine Tochter, geboren in Berlin, sagt tatsächlich Stulle statt Brot, Schlüppi statt Unterhose, Pullern statt Pipi machen, Eierkuchen statt Pfannkuchen, Kienappel statt Tannenzapfen. Ich gebe zu, dass ich die Berliner Schnauze durchaus charmant finde – im Gegensatz zu den meisten Deutschen. 

Laut einer Umfrage ist bayerisch nämlich mit Abstand der beliebteste Dialekt, gefolgt von österreichisch und norddeutsch. Berlinerisch liegt auf Platz 6 im Mittelfeld, am wenigsten beliebt sind sächsisch und pfälzisch. Wie auch immer – ich gewöhne mich also nun daran, waschechte Berliner Gören großzuziehen. Als ich meiner Tochter nämlich sagte, dass das „Nichts“ und nicht „Nütsche“ heißt, sagte sie verständnisvoll: „Is jut, Mama!“ 

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