Hilfe, ich mutt-iere zur Angsthäsin!

Blog Gastartikel: Einer schreit immer

08.Jun 2018
Deutsch

Einst todesmutig, jetzt Mutter und Angsthäsin. Gastbloggerin Christina vom Blog Einer schreit immer bekam zusätzlich zu ihren Zwillingsbabies noch eine gehörige Portion Nervenkitzel geliefert.

Hilfe, ich mutt-iere zur Angsthäsin!

Hormone sind schon phantastische kleine Wesen… Fast jede Mami weiß wovon ich rede. Vor der Schwangerschaft, da war so vieles im Leben einfach „einfacher“ und entspannter, aber schon wenige Sekunden nach dem erfolgreichen Bestehen des Schwangerschaftstests lernt man plötzlich, dass hinter jeder Ecke böse Gefahren lauern können. Schon in der Schwangerschaft fing es an: ich muttierte zur Angsthäsin

Juhu, endlich schwanger! Was jetzt kommt, stellt sich jede frisch-schwangere Frau vor wie in einem romantischen Kitschroman. Das Leben geht etwas langsamer von Statten, man verbringt viel Zeit mit Brüten, Bauch cremen und dem Nachgeben der wildesten Gelüste.

Falsch gedacht! Was nun folgt, ist das Werk brutaler kleiner Hor-Monster, die das Empfinden für Sicherheit auf eine stecknadelgroße Spitze treiben. Schon die eigene Wohnung wird zum Krisengebiet. Steckdosen entstehen wo vorher (gefühlt) keine waren und müssen instinktiv von der werdenden Mutter mit Sicherungen versehen und mit stabilen Brettern vernagelt werden. Tischkanten werden plötzlich spitz und stehen in Angriffsposition, Türschwellen könnten das eigene Jungtier zum Sturz verleiten und von gefährlichen Treppen möchte ich gar nicht erst anfangen! Zum Glück sinkt der Hormonspiegel nach der Entbindung rapide ab, aber wird Frau dann auch wieder mutiger? Leider nein…

Geht man ohne ausgebrüteten Nachkömmling noch verhältnismäßig beschwingt durchs Leben, so benötigt eine Mutter schon bei einem einfachen Spaziergang ein paar zusätzliche Accessoires, die das Leben des kostbaren Sprösslings schützen sollen. Einen NATO-Gefechtshelm zum Beispiel. Oder eine Telefonliste der umliegenden Krankenhäuser, diensthabenden Homöopathen und des Giftnotrufs. Ganz ehrlich, wusstet ihr vom Giftnotruf, bevor ihr Mütter wurdet? Ich oute mich und gestehe, ich habe ihn schon genutzt…

Auch Spielplätze sind nur solange idyllische Quellen des familiären Beisammenseins bis die eigenen Kinder darauf spielen und die Gefahr besteht, dass die Familie um ein oder mehrere Mitglieder reduziert wird, da diese vom Klettergerüst stürzen, falsch herum die Rutsche herunterrutschen oder im dichten Dorngeflecht der Brombeerbüsche für immer verloren gehen. Und Nein, ich bin keine Helikoptermutter, ich bin eine Helikopter-FRAU, den ich helikoptere auch rund um meinen Mann, meine Eltern, Nachbarn, den Briefträger…

Seid ihr schon einmal mit einer frisch gebackenen Mama Auto gefahren? Oder gar im Ski-Urlaub gewesen? Ihr werdet sehen, aus einer todesmutigen Pistensau wurde durch den simplen Akt der Geburt ein Schnee-Angst-Häschen, dessen Durchschnittsgeschwindigkeit um ca. 60% reduziert ist, die dafür aber einen feschen Helm trägt und ihre Umwelt unermüdlich von den Vorteilen eines eben solchen zu überzeugen versucht. Und Protektoren, davon kann man ohnehin nie genug haben. Diese eignen sich übrigens auch für die Anwendung außerhalb der Skipiste, denn man weiß ja nie… 

Aber egal ob Angsthäsin oder Muttertier – die Natur hat sich etwas dabei gedacht, die Beschützerin der nachfolgenden Generationen möglichst aufmerksam und auf die Sicherheit aller Hilfsbedürftigen in ihrem näheren (und weiteren) Umfeld bedacht zu gestalten und vielleicht können wir unsere neu gewonnene Bangigkeit einfach positiver sehen – als eine vorsichtige Version von Mut.

Sende diese Seite an einen Freund