Ich gestehe: Ich habe ein Lieblingskind

Blog Gastartikel: Einer schreit immer

15.Mai 2018
Deutsch

 

Gastbloggerin Christina vom Blog Einer schreit immer erzählt heute davon, wie es ist, wenn man zwei Kinder hat und eines davon zum Lieblingskind wird.  

Ich gestehe: Ich habe ein Lieblingskind

Zwilling 1 zerlegt gerade die Couch. Und Zwilling 2 schlummert zufrieden und schmatzend in meinen Armen. Hast du auch manchmal ein Lieblingskind? Ein artiges und ein trotziges? Ein kuscheliges und ein gereiztes? Eines, das nett mit Teddys oder Autos spielt und eines, das mit Handys wirft?
 

Ich sehe schon: Ich habe dich erwischt!

Du hast also auch ein Lieblingskind. Manchmal zumindest, in stillen Momenten, da hat man eben einen Favoriten. Und das kann man sich auch einfach eingestehen. Manchmal ist man vom Nachwuchs eben genervt, vom einen mehr und vom anderen weniger… Bei Zwillingen ist das vielleicht noch extremer als bei Geschwisterkindern. Hier sind ja die Phasen auch alle stereo. Und dabei meine ich Trotzen im Doppelpack, Kinderkrankheiten im Doppelpack und schlaflose Nächte im Doppelpack.

Kürzlich habe ich mich an einem dieser besonders mühsamen Tage bei dem Gedanken erwischt, dass eines der Kinder pflegeleichter als das andere ist. Es war an dem Tag, als Zwilling 1 die Küchenschublade öffnete, einen halboffenen Sack Nudeln am Boden verteilte, während Zwilling 2 selig mit seinem Traktor spielte.
 

Sofort traf mich natürlich mein schlechtes Gewissen.

Ich befragte Doktor Google und sah meine Kinder schon als Erwachsener beim Psychologen auf der Couch liegen und über ihre Mutter schimpfen. Da war nämlich von „weitreichenden Folgen für die Psyche des Kindes“ zu lesen. Von „ernstzunehmender Rivalität bis ins hohe Alter“. Solche Sätze sind natürlich Gift für ein unsicheres und liebendes Mutterherz. Und so begann ich mein eigenes Handeln noch mehr zu hinterfragen und zu beobachten.

Bald hatte ich die Erkenntnis. Es war an jenem Tag, als ich von Zwilling 2 von oben bis unten angekotzt wurde, während Zwilling 1 mich anstrahlte und glucksend eine Kusshand schickte, als mir die Erleuchtung kam und es mir wie Schuppen von den Augen fiel: 
 

Wer gerade das Lieblingskind ist, wechselt.

Es hängt davon ab, wer das Essen gegen die Wand klatscht und wer die Windel bis zum Rücken voll hat… Und in Wirklichkeit sind natürlich beide meiner Kinder absolute Lieblingskinder! Nur meistens eben nicht gleichzeitig...

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