Ich glaub, mich juckt `ne Laus

Blog Gastartikel: Familianistas

29.Nov 2017
Deutsch

Wenns auf Kinderköpfen juckt: Die Schweizer Gastbloggerinnen Andrea und Nicole von Familianistas über familiäre Laus-Befälle, die sie anfangs so gar nicht wahrhaben wollten.

Ich glaub, mich juckt `ne Laus

Foto: Shutterstock

Ich dachte immer, dass wir verschont bleiben. Dass die fiesen kleinen Dinger um unsere Familie einen weiten Bogen machen würden, dass wir immun wären. Gegen Läuse. Die haben nur die anderen. Ha! Ich habe falsch gedacht.

Irgendwann kam nämlich ein Zettel von der Schule, mit der Info, dass einige Kinder von Läusen befallen seien. Das war nicht das erste Mal, nur hat es uns bis dahin wie gesagt nie betroffen. Darum habe ich den Zettel auch mit einer gewissen Nonchalance beiseitegelegt. Als sich dann die Woche darauf unser 9-jähriger Sohn auffallend viel am Kopf kratzte, habe ich mir im Alltagskarussell von Schule, KiTa und Job ehrlichgesagt auch nicht viel gedacht und ihn zum Haare waschen geschickt. Sogar als sein Kratzen immer auffälliger wurde, haben sich mein Mann und ich irgendwelche abgefahrenen Stories über Baustaub von der Betondecke, die jucken könnte (wir wohnen in einem Neubau) zurechtgelegt.

 

Der Aha! -Moment

Bis dann unsere Nachbarin, bei der unser Sohn jeweils zu Mittag isst, uns das entlarvende Foto schickte: Unser Großer, mit einem Turban aus einem Frottiertuch um den Kopf gewickelt, daneben eine Flasche mit einer Läuse-Kur. Dazu die Nachricht: „Hallo Mama, auf meinem Kopf haben sich ziemlich fette Läuse-Exemplare getummelt. Jetzt sind sie weg. Lieber Gruß, Dein Sohn“.
Natürlich war das ein sehr unangenehmer Moment, vor allem, weil ich selber einen Tag zuvor mit einem Kamm nachgeschaut – und nichts entdeckt habe. Oder nichts entdecken wollte. Weil ich mir unbewusst wohl schon überlegt habe, was es denn heißen würde, wenn ich Läuse gesehen hätte. Nämlich eine sofortige Läusekur für die ganze Familie.
Ich glaube, es gibt bei Eltern sowas wie ein bewusstes Verdrängen einer sich aufdrängenden Tatsache, wenn es um Läuse geht. Kann das sein? Also ich habe den Verdacht, dass mein Mann und ich genau das eine Woche lang praktizierten. Bis unsere liebe Nachbarin schließlich das Zepter in die Hand nahm – und ihre zwei Kinder auch gerade behandelte.
Denn das ist ja das Doofe bei Läusen und Kindern. Der Ping-Pong-Effekt!

 

Busse tun – und Läuse bekämpfen

Wahrscheinlich musste ich für meine Haltung, dass ausgerechnet meine Familie immun sei, büßen. Das dachte ich zumindest, als ich ein paar Tage nach der entblößenden Bild-Nachricht und zunehmendem Jucken auf meinem Kopf ebenfalls zur Läusetinktur griff. Als ich meine Haare nach dem Einwirken über der Badewanne auskämmte und tote, dunkle Läuse sah, wurde mir augenblicklich schlecht. Ich musste gleichzeitig hysterisch lachen und schluchzen, so schlimm fand ich den Anblick. Aber irgendeinmal erwischt es wohl jeden, der Kinder hat. Das habe ich jetzt gelernt.

Noch ein Nachtrag: Es ist übrigens eine Mär, dass bei Lausbefall die ganze Bettstatt, inklusive Stofftiere, Mützen und Kleider gewaschen werden müssen. Läuse überleben auf anderen Oberflächen als die warme Kopfhaut nur wenige Stunden. Immerhin eine beruhigende Nachricht in dem ganzen Schlamassel, oder?

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