Im Gespräch mit einer Hebamme – Teil 2

„Wichtig ist, die Ängste vor dem Geburtsschmerz zu mindern“

16.Okt 2017
Deutsch

Rund um die Geburt - Im Gespräch mit einer Hebamme: In Teil 1 unseres Interviews hat uns Hebamme Jasmin Fotouri (Wiener Hebammenzentrum) bereits einen ersten Einblick in ihren Berufsalltag gegeben und von ihren schönsten Erlebnissen im Kreissaal berichtet. In diesem Teil wird sie uns Rede und Antwort stehen rund um die Themen Kaiserschnitt. Und hat außerdem tolle Tipps parat, wie Frauen ihre Angst vor dem Geburtsschmerz mindern können und was den Papas in Spe hilft, sich auf ihre neue Rolle vorzubereiten.

Im Gespräch mit einer Hebamme – Teil 2

Foto: Shutterstock 

1. Es scheint so, als würde - neben Kaiserschnitten - der Trend bei Geburten zurück zur „Natur“ gehen. Immer öfter liest man von Hausgeburten, Wassergeburt usw. Täuscht dieser Eindruck? Und was halten Sie von dieser Entwicklung?

Jasmin Fotouri: Ich finde, dass dieser Eindruck täuscht. Die Zahl der Hausgeburten ist in Österreich leider leicht rückläufig. Der Einsatz von Wasser während der Geburt ist nicht ganz klar auszumachen, da es in Krankenhäusern zwar Wannen gibt, diese aber nicht immer zur Verfügung stehen. Außerdem werden sie vielmehr während der Wehen als in der Austreibungsphase genutzt.

Bei vielen Schwangeren herrscht aktuell das Bedürfnis nach einem sicheren und geplanten Verlauf der Entbindung, weshalb viele Kaiserschnitte durchgeführt werden. Dabei geht es aber auch verstärkt um eine rechtliche Absicherung für die Krankenhäuserum einen kritischen Verlauf der Geburt zu vermeiden. Und leider mangelt es zunehmend an Personal. Aber selbstverständlich wünsche ich mir als Hebamme, dass der Trend tatsächlich zurück zur „Natur“ geht.

2. Wie nehmen Sie Müttern die Angst vor dem Geburtsschmerz? Gibt es hier spezielle Methoden?

JF: Der Körper der Frau stellt eigentlich alles bereit, was für die Geburt notwendig ist. Hormone wie die Ausschüttung von Endorphinen, sorgen exakt zum Zeitpunkt des Gebärens dafür, dass die Wahrnehmung des Schmerzes zu ertragen ist. Wichtig ist, dass schon während der Schwangerschaft daran gearbeitet wird, Ängste zu mindern. Denn Angst und Unsicherheit führen zu Anspannung. Das ist nie gut. Helfen kann zum Beispiel die Stärkung der Lebenslust durch Tanzen, Singen usw. Entspannungsübungen sind auf jeden Fall super. Dinge die Freude machen, lassen die Frau dabei vertrauensvoller werden.

3. Nun zu den Vätern – wie kann sich ein werdender Papa im Vorfeld optimal auf die Geburt vorbereiten?

JF: In unserem Hebammenzentrum wird ein Vortrag speziell für werdende Väter angeboten. Er ist bewusst auf den Mann zugeschnitten und sehr gut besucht. Mein Tipp ist: „Redet mit anderen Vätern über die neue Rolle des Vater werdens und Vater seins. Auch darüber, was die Partnerin in der intensiven Zeit der Schwangerschaft, während und nach der Geburt braucht. Interessiert euch für eure Partnerin und das Kind. Nehmt euch nicht zurück in euren Wünschen für das Kind. Sei es nun, ob es um die Geburt geht, oder das Stillen.“ Es ist wichtig, dass Väter eine Haltung zu diesen Themen haben.                                                                                                                                                                                                 

4. Was zählen Sie zu ihren Aufgaben unmittelbar nach der Geburt?

JF: Ich möchte der Familie so schnell wie möglich eine Selbstkompetenz vermitteln. Das finde ich, ist das Allerwichtigste. Dazu gehört: Wie geht das mit dem Stillen, oder wie gehe ich mit dem Kind um. Dass man das Weinen des Babys richtig deuten kann. Ich begleite die Familie, damit sie mit den neuen Umständen rasch klarkommt. Das neue kleine Familienleben soll von Anfang an so gut wie möglich funktionieren. Es wäre toll, wenn möglichst wenig Sorgen bleiben. Das funktioniert natürlich in der Nachbetreuung zu Hause am besten. 

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