Im Interview mit den Gründerinnen der Running Clinic

Franziska Malle und Franziska Severino über das Training nach der Geburt

04.Okt 2018

Nach der Geburt ihres ersten Kindes hat sich die Physiotherapeutin Franziska Severino 2016 top motiviert dazu entschlossen wieder Vollgas zu geben und sich ihrem liebsten Hobby, dem Laufen hinzugeben. Und das voll und ganz, auch mit Baby im Arm.Gesagt, getan hatte sie sich auch schon mit der Physiotherapeutin Franziska Malle auf einen Pack gehauen und die Running Clinic in Wien gegründet.Eine Gruppe für sport- und laufinteressierte Schwangere und Mütter zur Inspiration, Information und Motivation. Trainiert wird in der Gruppe im Park und gerne auch mit Kind. Dabei legen die beiden besonders viel Acht drauf, die Intensität nach der Durchführung von Belastungstests des Beckenbodens und der Bauchmuskulatur auf ihre Teilnehmerinnen  abzustimmen. Begonnen wird dann erstmal mit Rückbildungsübungen aus der Physiotherapie, um den Körper für die zu einem späteren Zeitpunkt stattfindenden Läufe vorzubereiten.

Wir haben uns mit den beiden Sportskanonen und ihren Sprösslingen im Schlosspark Schönbrunn bei strahlendem Sonnenschein getroffen und bei einem netten Plausch mehr über das tolle Projekt, an dem wir am liebsten sofort selbst teilnehmen wollen, erfahren.
 

Im Interview mit den Gründerinnen der Running Clinic Foto: Little Big Heart by MAM 

1. Wow! Gratulation zu eurem Projekt Running Clinic! Wir sind begeistert! Wie seid ihr ausgerechnet kurz nach der eigenen Schwangerschaft auf die Idee gekommen, ein Programm wie dieses in Tat umzusetzen?

Franziska Severino: Ich habe schon viele Jahre vor dem Projekt Running Clinic als Physiotherapeutin in meiner Ordination am liebsten mit Frauen in der Schwangerschaft und nach der Geburt gearbeitet. Aus Angst, den Bezug zu meinen Patientinnen zu verlieren und der Einsicht mit Neugeborenem nicht stundenlang in der Ordination stehen zu können, dachte ich also: „Wie praktisch, da kann ich arbeiten, mein Baby bei mir haben und sogar selbst für die eigene Rückbildung nach der Geburt trainieren“.

Franziska Malle: Mein beruflicher Alltag als Physiotherapeutin im Spital rief bereits nach Veränderung als sich Franziskas und meine Wege kreuzten. Plötzlich hatte sie die Idee und ich, zu diesem Zeitpunkt noch ohne Kind, die Zeit! Gesagt, getan, standen wir auch schon im Burggarten.

 

2. Lassen sich regelmäßige Trainingseinheiten in den Alltag mit Baby überhaupt integrieren? Und vor allem, wie lässt sich ein zeitaufwendiges Projekt wie dieses zusätzlich bewältigen?

Franziska Malle: Alles geht, wenn man will! Kraft- und Ausdauerübungen sind wunderbar ins Spiel mit dem Baby, dem Haushalt oder Spaziergängen zu vereinbaren. Genauso wie sich Brainstormings und Meetings in den Park verlegen lassen.

Franziska Severino: Gerade mit Baby muss man ohnehin regelmäßig an die frische Luft. Entweder damit einem die Decke selbst nicht auf den Kopf fällt oder, um dem Baby dabei zu helfen einzuschlafen.
Das Projekt zusätzlich zu bewältigen ist gar nicht so schwer, denn unsere Trainingseinheiten lassen sich immerhin mit dem eigenen Baby durchführen und für die organisatorische Arbeit im Hintergrund müssen dann einfach ab und an die Nächte herhalten, wenn die Kinder schlafen.

 

Im Interview mit den Gründerinnen der Running Clinic

3. In wieweit hat die Schwangerschaft und der darauffolgende Projektstart euer Leben verändert?

Franziska Malle: Für mich hat sich, anfangs auch schon ohne Kind, eine neue Welt erschaffen. Viel Social Media- und Schreibtischarbeit aber auch der Aufbau einer tollen, dynamischen Community, die unser medizinisches Wissen schätzt und uns an ihrer sehr intimen und besonderen Zeit teilhaben lässt.

Franziska Severino: Ich habe gelernt, dass ein Problem nicht Stillstand bedeutet, sondern die Möglichkeit zur Weiterentwicklung bietet. Ich musste mein Zeitmanagement stark verändern und vor allem lernen Prioritäten zu setzen. Dennoch hat sich natürlich mein Stresslevel verändert. Schließlich trage ich nun viel Verantwortung für meine Familie und für die Running Clinic. Aber ich habe keine Angst mehr davor, dass private Veränderungen mein berufliches Leben einschränken könnten.

 

4. Wie sind die Reaktionen auf eure Trainingseinheiten? Was war das herzerwärmenste Feedback, das ihr jeweils von euren Teilnehmerinnen erhalten habt und wie seid ihr damit umgegangen?

Franziska Malle: Gänsehautfeeling pur ist für mich jedes Mal der Start beim Wings for Life World Run! Mein Herz macht Sprünge, wenn ich sehe wie stolz und aufgeregt unsere Mütter mit ihren Kinderwägen im Startbereich stehen.

Franziska Severino: Ich freue mich oft darüber, wenn sich Mamis als wirklich tot müde outen und trotzdem kommen, weil sie wissen, dass es ihnen „danach so gut geht“.

 

5. Wie erkennt man, ob der eigene Körper überhaupt schon wieder bereit für sportliche Aktivitäten ist? Und vor allem wie findet man anschließend die nötige Motivation, um sich nach einer womöglich längeren Ruhephase tatsächlich wieder dem Sport hinzugeben?

Franziska Severino: Es ist wichtig, auf seinen eigenen Körper zu achten und sich nicht von seinem Umfeld stressen zu lassen. Wenn man sich wieder bereit fühlt aktiv zu werden, sollte man auf jeden Fall erstmal mit Rückbildungsübungen starten und später zu anderen sportlichen Aktivitäten übergehen.
Mich persönlich motiviert es am meisten, wenn ich mir realistische, kleine Ziele setzte, gleich am Morgen zusammen mit einer Freundin Sport mache und dabei etwas trage, in dem ich mich richtig wohlfühle.

Franziska Malle: Die goldene Regel ist: Jeder Körper ist – wie jede Schwangerschaft – individuell! So auch die Regeneration!
Gerade in Zeiten von „Afterbabybodys“ und #Bodyshaming ist der Druck von außen sehr hoch. Vielen fehlt das Bewusstsein den eigenen Körper wieder richtig wahrzunehmen. Ist das der Fall, würde ich jeder Mama einen Check bei der Physiotherapeutin empfehlen. Es gibt schließlich gewisse Parameter, die für den Sportantritt erfüllt sein sollten. Ist die Bauchdecke wieder fest? Haben sich die Bauchmuskeln regeneriert? Hält die Blase bereits Erschütterungen stand? Usw.
Um sich anschließend immer wieder aufs Neue zu motivieren, hilft es besonders, sich zusammen mit anderen sportliche Ziele zu setzen.Dann lautet die Devise: Mitgehangen – Mitgefangen.

 

Also, los geht´s, werde auch du Mitglied der Running Clinic, oder gründe selbst eine kleine Gruppe mit Freunden, um fit zu bleiben oder es zu werden.

Weitere Sport- und Ernährungstipps für die Schwangerschaft und nach der Geburt findest du hier.

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