Im Interview mit Elisabeth Noever-Ginthör über den Ideenwettbewerb „Kinder, Kinder!“

Anregungen für eine kinderfreundliche Stadt

12.Dez 2018
Deutsch

Elisabeth Noever-Ginthör, Abteilungsleiterin vom Departure, das Kreativzentrum der Wirtschaftsagentur Wien und Mama einer sechsjährigen Tochter erzählt heute über den Ideenwettbewerb „Kinder, Kinder!“. Im Interview plaudert sie darüber, wie sie sich eine kinderfreundliche Stadt vorstellt, und welche tollen Ideen der Wettbewerb bereits geliefert hat.

Im Interview mit Elisabeth Noever-Ginthör über den Ideenwettbewerb „Kinder, Kinder!“

 Foto: Little Big Heart

1. Wien ist ja bekanntlich die lebenswerteste Stadt der Welt. Doch kann diese auch in puncto Kinderfreundlichkeit mithalten? Und Was kann Departure diesbezüglich einbringen?

Dass Wien schon mehrfach in Folge als lebenswerteste Stadt der Welt ausgezeichnet wurde, hat sicher auch etwas mit den tollen Möglichkeiten für Familien mit Kindern zu tun – Spielplätze, große Grünflächen und Kindermuseen sind Beispiele dafür. Doch das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Darum haben wir 2017 den Ideenwettbewerb „Kinder! Kinder!“ ausgeschrieben und nach Projekten für eine tolle Stadt aus Kindersicht gesucht.
 

2. Der Ideenwettbewerb „Kinder, Kinder!“ wurde heuer juriert. Wo siehst du deine Rolle im Prozess von der Ausschreibung bis zur Nominierung?

Mit dem Wettbewerb hat die Wirtschaftsagentur Wien internationale Kreativschaffende zu einem Perspektivwechsel eingeladen. Gesucht wurden Design-Ideen zum Stadtleben. Unsere Fragen dabei waren: wo erfahren Kinder ihre Welt und wie eignen sie sich diese an – draußen in der Stadt oder zuhause, im Spiel, in der Begegnung und im Selber-Tun? Die Projekte wurden unter dem Vorsitz der Architektin Marie-Therese Hanoncourt und von einer Expertinnen- und Expertenjury ausgewählt. Derzeit arbeiten mein Team und ich daran, die ausgezeichneten Projekte in der Umsetzung zu begleiten.
 

3. Welche Ideen sind dir dabei in Erinnerung geblieben und welche würdest du am liebsten sofort umsetzen?

Wir hatten 92 Einreichungen – viele davon aus dem Ausland. Drei davon wurden ausgezeichnet und zwei mit einem Anerkennungspreis gewürdigt. An den Gewinnerprojekten sind wir besonders nah dran diese bei der Realisierung zu unterstützen. Die REMAKE Wohnstraße landete auf dem ersten Platz. Ein Prototyp ist kürzlich im 15. Wiener Gemeindebezirk fertiggestellt worden. Mit klaren und gleichzeitig phantasievollen Grafiken belebt das Siegerprojekt die Straßen neu und gibt den Kindern den Raum, den sie brauchen. Die REMAKE Wohnstraße wird hoffentlich bald auch auf weiteren Wiener Straßen verwirklicht. Auch für den zweitplatzierten Radspielplatz tuen sich gerade Möglichkeiten auf. Beim 10. Forschungsfest der Wirtschaftsagentur Wien war dieser beispielswiese der große Renner. Aktuell sind wir also dabei, die Designer dabei zu unterstützen, den ersten Wiener Radspielplatz in Aspern zu etablieren.

Im Interview mit Elisabeth Noever-Ginthör über den Ideenwettbewerb „Kinder, Kinder!“

 Foto: Little Big Heart

4. Was wären deiner Meinung nach außerdem gute Maßnahmen, um eine Stadt sicherer für Babys und Kleinkinder zu gestalten? Und worauf sollten Eltern besonders im Stadtleben mit ihren Kleinen achten?

Eine unserer Hypothesen für den Ideenwettbewerb war es, dass das was für Kinder gut ist, auch für die Stadt und für uns alle gut ist. Es gibt großartige Plätze für Kinder in Wien: den Prater, die öffentlichen Schwimmbäder, die Alte Donau, den Wienerwald u.v.m. Auch die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel ist toll ausgebaut. Man kommt überall bequem mit einem Kinderwagen hin.

Was meiner Meinung nach jedoch ausbaufähig ist, ist eine kinderfreundliche Haltung in Restaurants, Cafés, Supermärkten und im öffentlichen Raum. Da wird nach wie vor wenig bis gar keine Rücksicht auf die kleinen Bewohner genommen. Aber immerhin ist es in manchen Gastronomiebetrieben mittlerweile schon normal geworden, Kinder auch als Gäste zu behandeln und ihnen einen Kinderstuhl anzubieten oder sogar Speisen für Kids mitzudenken. Das sollte Standard werden.
 

5. Du hast selbst eine Tochter – hat sie dir auch schon mal von einer ihrer Ideen für ein kinderfreundlicheres Wien erzählt oder ihre persönlichen Sorgen, Wünsche und Vorstellungen diesbezüglich mit dir geteilt?

Die erste Frage meiner Tochter ist eigentlich immer: Sind dort andere Kinder? Ihr größter Wunsch war und ist es, Kinder als Nachbarn zu haben. Das kennt jeder: eigentlich kannst du dich mit den Kleinen aufhalten wo du willst. Wenn andere Kinder dabei sind, ist es immer viel spannender.
 

6. Worin besteht für dich der größte Unterschied zwischen Babys und Kleinkindern, die in ländlichen Gegenden aufwachsen und denjenigen, die in einer Stadt groß werden?

Ein wichtiger Aspekt bei unserem Ideenwettbewerb war es, möglichst hohe Selbstermächtigung bei größtmöglicher Sicherheit zu ermöglichen. In der Stadt ergeben sich naturgemäß ganz andere Herausforderungen und Fragestellungen als auf dem Land. Der größte Vorteil in ländlicher Umgebung ist, dass es noch Orte und Plätze gibt, die Kinder für sich selbst definieren, einnehmen und entdecken können. Davon gibt es in einer Stadt weniger. Genauso wie natürlich auch der Grünraum in einer Stadt begrenzt ist.
 

7. Möchtest du unseren LeserInnen bestimmte Plätze in Wien für Babys und Kleinkinder empfehlen, die du besuchst?

Den ersten Sommer mit meiner Tochter habe ich quasi im Bundesbad an der alten Donau verbracht. Wir sind das ganze Jahr über auch sehr viel im Wiener Wald unterwegs. Der Praterkasperl hat’s mir ganz besonders angetan, und das Figurentheater Lilarum sollte man ebenfalls unbedingt besuchen. Besonders beeindruckt hat Louisa eine Führung durch die Ausstellung von Olafur Eliasson im Winterpalais. Ich gehe generell gerne mit ihr in Ausstellungen, weil sie immer Dinge sieht, die ich selbst schon verlernt habe zu sehen.

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