Im Interview mit Tina vom Blog „Titantina“ über die Themen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein

Das kann man als Einzelperson alles bewirken

31.Jan 2019
Deutsch

Tina, Gründerin des Blogs „Titantinas_Ideen“ plaudert heute über ihre Erfahrungen bezüglich Familienleben, Nachhaltigkeit, Fair Fashion und Upcycling. Die gelernte Ethnologin und Werbefachfrau und Mama dreier Kinder erzählt aus dem Nähkästchen und teilt Anregungen für ein umweltbewussteres Familienleben.

Im Interview mit Tina vom Blog "Titantina" über die Themen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein

Foto: Little Big Heart

1. Wow! Drei Kinder und so umweltbewusst! Wie bringst du das alles mit einem nachhaltigen Lebensstil unter einen Hut? Denn wie man auch in deinen Blogbeiträgen lesen kann, bist du kein Fan von Fast Fashion, legst viel Wert auf natürliche Produkte und leistest mit vielen Tipps und Tricks deinen Beitrag zur Umwelt!

Ich muss sagen, dass ich von jeher sehr viel Wert auf Umweltbewusstsein gelegt habe. Ich konnte jedoch selbst beobachten, dass das Thema „Nachhaltigkeit“ sich erst im Laufe der Jahre mit meinen Kindern zu einer Lebenspraxis in allen Bereichen entwickelt hat. Es ist eine Bereicherung für uns alle, und ich persönlich finde, dass dieser Lebensstil mit Kindern sogar umso leichter fällt! 

 

2. Deine umweltfreundliche Einstellung versuchst du bestimmt auch an deine Kinder weiterzugeben. Wie genau stellst du das an?

Ich bin der Meinung, wenn man Kinder von Anbeginn an in die alltäglichen Tätigkeiten miteinbezieht, dann geschieht die Wertevermittlung ungezwungen und unbewusst, da sie Teil des Alltages ist. Und das Wichtigste dabei ist, dass es Freude bereiten soll. 

Angefangen beim Kochen, Basteln mit Naturmaterialien, die wir auf unseren Streifzügen sammeln, Einkaufen, das Bepflanzen des Hochbeets, das Jäten des Unkrauts, bis über die Ernte von unserem angebauten Obst und Gemüse, machen wir alles gemeinsam. Wenn man selbst Hand anlegt und den Pflanzen beim Gedeihen zusieht, ist der Bezug zur Natur sehr nahe. 

Und da haben wir natürlich den großen Vorteil, dass wir am Land, umgeben von viel Natur leben. Am Anfang wäre erstmal interessant, wie ihr nachhaltiger Lebensstil überhaupt aussieht.
 

3. Auf deinem Blog erfährt man, dass du eine begeisterte Flohmarktgeherin bist. Welche Tipps kannst du uns geben, damit man bei den unzähligen Ständen auch das Richtige für sich und seine Kleinen findet?

Ich glaube, ich habe einfach ein Händchen dafür, und vor allem viel Routine darin! Mit 15 hat es mich sozusagen erwischt. Ich bin extra wegen Second Hand Läden nach Wien angereist.

Es gilt, den Überblick zu bewahren. Ich suche z.B. bei Kinderkleidung immer nach Strickmode und halte Ausschau nach einem gewissen Stil, der mir gefällt. Oft orientiere ich mich auch an Trends, die ja immer wieder kommen und oft ihre Wurzeln in vergangenen Epochen haben.

Dasselbe gilt für Möbel und Haushaltswaren. Und neben der Optik ist mir natürlich auch die Materialzusammenstellung sehr wichtig. Ich suche zum Beispiel gezielt nach unbehandelten Vollholzmöbeln. Oft lohnt sich ein zweiter Blick. Dann wird vielleicht aus einem alten Polsterstuhl sogar ein Lieblingsteil mit Kultstatus.

 

4. Es ist auch kein Geheimnis, dass Babys und Kleinkinder sehr schnell aus ihrer Kleidung hinauswachsen, da ist zum einen die Ordnung beim Ausmisten im Kleiderkasten wirklich Gold wert. Zum anderen brauchen wir dann jedoch für das ein oder andere tatsächlich wichtige Kleidungsstück schleunigst Ersatz. Kannst du uns hierfür nachhaltige Babymode empfehlen?

Das stimmt! Vor allem in den ersten Lebensmonaten wachsen Babys unglaublich schnell aus den Kleidergrößen heraus. Hier findet man also die größte Auswahl an gebrauchten Kleidungsstücken in neuwertigem Zustand.

Es gibt auch viele kleinere Labels, die besonders hochwertige BIO Babykleidung fair produzieren. Einige meiner Lieblingslabels sind Mama Ocllo, Frieda Frei, Van Beren,  Tiralahilacha, Engel, petitestellou  u.v.m.

Inzwischen wird Babybekleidung in Bioqualität aber auch von den konventionellen Handelsketten angeboten. Jedoch hat meine Erfahrung gezeigt, dass die Qualität weit hinter den genannten Labels liegt, da diese mitunter auch auf die Art der Färbung (Eco-Dyes) und die Art der Baumwolle berücksichtigen, was sich wiederum auf Langlebigkeit und den Tragekomfort auswirkt.

 

5. Jede Mama kennt das Problem: Erst gewaschen, und schon ist all die Babykleidung wieder voller Flecken. Hast du Tipps, wie man den Wäscheberg reduzieren oder diesen zumindest umweltfreundlich für die sensible Babyhaut gestalten kann?

Ich unterteile die Kinderkleidung in Alltagskleidung, die schmutzig werden darf, und Kleidung, die für „besondere Anlässe“ angezogen wird.

Die Kleidung für den Alltag behandle ich gerne vor der Wäsche in einem Wasserbad mit Backpulver oder Gallseife. Für die Maschinenwäsche verwende ich auch immer wieder Efeublätter aus dem Garten, die aufgrund der Saponine eine sehr gute Reinigungskraft besitzen. Dazu gibt es übrigens einen Artikel auf meinem Blog!

 

Im Interview mit Tina vom Blog „Titantina“ über die Themen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein Foto: Little Big Heart

6. Plastikverbrauch ist gerade ein viel diskutiertes Thema. Wie kann man Abgesehen vom Upcycling dieser Produkte seinen Plastikverbrauch am besten einschränken?

Mir wurde erst mit den Jahren bewusst, dass unser Plastikverbrauch ein immenser ist, und welch tragische Auswirkungen dieser mit sich bringt. Ich gehe nun viel bewusster durchs Leben und vermeide Plastik, indem ich für den Einkauf nur mehr Körbe und Stofftaschen verwende.

Außerdem versuche ich gerade, von den Vorratsdosen und Behältern aus Plastik wegzukommen und Alternativen zu finden, entweder aus Edelstahl oder aus Glas. Denn wenn man sich mit dem Thema wirklich auseinandersetzt, erkennt man plötzlich, dass es für vieles umweltschonende Alternativen gibt.

 

7. Auch mit den Wegwerf-Windeln fällt einiges an Müll an. Kannst du außer Stoffwindeln gute Alternativen empfehlen, die umweltfreundlich sind, aber bei denen man bei der Qualität dennoch keine Abstriche machen muss?

Ich habe in Punkto Wegwerfwindeln einige Marken getestet, die auch ohne chemische Zusatzstoffe und Duftstoffe auskommen und habe so auch meine Lieblingsmarke bereits gefunden. Aber auch hier gilt so wie überall, dass das was ich für gut empfinde, nicht zwangsweise für andere gelten muss. Mein Tipp: ausprobieren! Denn jedes Baby reagiert unterschiedlich.

 

8. Upcycling – den Dingen einen zweiten Sinn geben. Hast du besonders tolle DIY-Ideen, die du unseren Mamas mitgeben willst? 

Auf meinem Blog findet man unter der Kategorie „Upcycling“ ein Sammelsurium zum Thema Upcycling. Angefangen bei Baby-und Kinderkleidung bis hin zu vielen weitere Materialien, die ich im Laufe der letzten Jahre upgecycelt habe.

Aktuell organisiere ich gemeinsam mit Daniela vom Blog „die kleine Botin“ eine #upcycling19 Challenge, zu der alle eingeladen sind, jeden Monat ein Material wie Glas, Keramik, Papier, etc. upczucyceln. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, ein Zeichen zu setzen, dass aus „Altem“ in einem kreativen Prozess „Neues“ entstehen kann.

 

9. Nun zu guter Letzt, ist dieser umweltfreundliche Lebensstil auch tatsächlich als Blogger umsetzbar, oder hat man oft mit Werbepartner zu kämpfen, die der Nachhaltigkeit vielleicht nicht die gleiche Wichtigkeit zuschreiben. 

Ausschlaggebend ist, wie ich mich in meiner Nische positioniere, und welche Werte für mich höchste Priorität haben. Wenn ich authentisch bin und das worüber ich schreibe echt ist, dann wird das auch auf meinem Medium spürbar. Und das Positive am Bloggen ist, dass ich immer selbst darüber entscheide, welchen Themen ich mich widmen möchte. 

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