Intimpflege bei Babys

Worauf muss man achten?

24.Okt 2019
Deutsch

Wie bei allen Schwangerschafts- und Babythemen dauert es auch beim Thema Babypflege nicht lange, bis jede Menge gutgemeinte Ratschläge kommen. Aber was sagen denn die Profis heute? Verwendet man noch Babypuder? Was ist natürlicher Schutz der Haut und was ist Schmutz der weg muss? Wie säubert man Schamlippen richtig und worauf muss man bei der Vorhaut achten? Wir haben hier einige Infos für dich zusammengetragen!


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Das oberste Gebot: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. 

Soweit ist die Pflege bei Mädchen und Buben gleich: die Haut soll nicht überstrapaziert werden und es muss nicht alles übertrieben rein sein, denn manches Sekret wird vom Körper aus einem bestimmten Grund produziert. Deswegen – und auch um Verletzungen der noch sehr empfindlichen Region vorzubeugen – wird nur ganz vorsichtig und mit möglichst sanften Mitteln gereinigt. Am allerbesten nur mit Wasser und wenig Zusatzstoffen.

Hartnäckiger Schmutz kann zum Beispiel leichter mit Öl entfernt werden. Dabei muss es kein teures Marken-Babyöl sein: Mandelöl gibt es verhältnismäßig günstig in Fläschchen in der Apotheke zu kaufen (günstig, weil die Menge an Öl im Fläschchen lange reicht). Wattepads, die es übrigens auch im Großformat bei den Babypflegeprodukten gibt, oder klein geschnittene, weiche Moltontücher eignen sich gut zur Pflege. Es muss also nicht immer ein klassisches Feuchttuch sein. Diese enthalten zum Teil Zusätze wie Duft- und Konservierungsstoffe, die auf die Babyhaut reizend wirken können. Wie bei der Wäsche gilt: nicht alles, was toll duftet, bedeutet auch, dass es sauberer und damit „besser“ ist.

Wer Müll vermeiden will, kann umwelt- und hautfreundliche Feuchttücher selber machen.

Vorsicht ist beim Abtrocknen nach dem Waschen geboten: nicht fest rubbeln, lieber nur tupfen. 
 

Besonderheiten bei der Pflege von Mädchen.

Wichtig ist bei Mädchen die Richtung, in die gewischt wird: immer (!) weg von der Scheide zum Po. So stellst du sicher, dass keine Keime aus dem Darm in die empfindliche Scheide gelangen und für Entzündungen sorgen. Grundsätzlich werden nur die äußeren („großen“) Schamlippen gereinigt, die Vagina reinigt sich nämlich selbst. Aus der Scheide fließendes Sekret und eine weiße Schicht sind also kein Grund zur Sorge, sondern ganz normal und schützen die Haut. Da sich der oft flüssige Stuhl aber gern überall verteilt, ist dann natürlich auch hier für Sauberkeit zu sorgen. Mit großer Vorsicht! Am besten versuchen, nur sanft mit Wasser abzuspülen, niemals fest reiben und die Schamlippen möglichst wenig öffnen. Mit Öl lässt sich klebriger Schmutz oft leicht lösen.
 

Besonderheiten bei der Pflege von Jungen.

Die meisten Fragen bei Buben wirft der Umgang mit der Vorhaut auf. Dazu ein kurzer Ausflug in die Biologie:

In den ersten Lebensjahren ist die Vorhaut noch fest mit der Eichel verbunden. Versucht man, sie zurückzuschieben, können Verletzungen entstehen, die Narben bilden und die Vorhaut krankhaft verengen. Das Zurückziehen der Vorhaut sollte man also seinem Sohn selbst überlassen. Es hat demnach einen biologischen Vorteil, dass Buben ihren Penis früh zum Spielen entdecken: dadurch tragen die Kinder selbst zur (schmerzfreien) Dehnung bzw. Ablösung der Vorhaut bei. Erst wenn Vorhaut und Eichel voneinander gelöst sind, kann sich das sogenannte „Smegma“ bilden: eine weiße Substanz, die ab der Trennung täglich weggewaschen werden sollte.

Stuhlreste können sich in diversen Falten, unter den Hoden und in den Leisten sammeln - also immer genau schauen und vorsichtig reinigen. Am besten nur mit handwarmen Wasser. Wenn sich der Schmutz nicht lösen lässt, mit etwas Öl nachhelfen.
 

Babypuder und Creme - ja oder nein?

Früher war es üblich, Babypuder und -creme zu verwenden. Das war (vermutlich) sinnvoll, weil die einfachen Stoffwindeln nass waren und die Haut mit Puder & Co. möglichst trocken und geschützt blieb. Windeln heute – und zwar Wegwerfwindeln ebenso wie Stoffwindeln – sind aus neuen Materialien, die das Baby von sich aus trocken(er) halten. Darum sind Puder und Creme heute in der Regel NICHT nötig. Sie können die Haut zusätzlich austrocknen, verklumpen und zu Entzündungen führen.

Etwas Anderes ist es natürlich, wenn der Po schon rot ist – das muss kein Pflegefehler sein, die Rötungen können auch auf Grund eines Windelmarkenwechsels, der Ernährung oder einem allgemeinen Unwohlsein, wie es beim Zahnen manchmal der Fall sein kann, entstehen. Hier kann eine dünn auf die roten Stellen aufgetragene Wundcreme helfen. Bei Unklarheiten sind Hebammen und KinderärztInnen die besten Ansprechpartner.

Den aus unserer Sicht besten – und einfachsten – Pflegetipp geben wir dir am Schluss noch mit: lass dein Windelkind so oft wie möglich unten ohne strampeln bzw. herumlaufen. Frische Luft hilft der Haut, schön trocken zu bleiben und ihre ganze Schutzkraft zu entfalten bzw. zu regenerieren.

 

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