Ist die Gleichberechtigung mit der Schwangerschaft dahin?

Blog Gastartikel: Stadt Land Mama

04.Dez 2018
Deutsch

Muss bei der Familienplanung immer einer zurückstecken? Das fragt sich unsere Gastbloggerin Lisa vom Blog Stadt Land Mama heute einmal ausführlich – und kommt zu dem Schluss: Nein, Familie kann auch gleichberechtigt funktionieren. Aber dafür braucht es nun mal gute Planung und offene Gespräche…

Ist die Gleichberechtigung mit der Schwangerschaft dahin?

Foto: Shutterstock

Seit einem Jahr hatten wir uns auf diese Einladung zur Hochzeit gefreut. Freunde von uns wollten sich das Ja-Wort geben, mit Freunden organisierten wir den Junggesellinnenabschied, planten Aktionen für die Feier nach der Trauung – und dann wurde ich schwanger.

Natürlich planten wir weiter und freuten uns auch immer noch. Aber als ich dann zum Stehempfang den Sekt ablehnen musste, zum Essen den Wein und zum Absacker das Schnäpschen, fühlte es sich schon so an, als sei ich aus meinem alten Leben kurzfristig hinauskatapultiert worden. Ich konnte keine stundenlangen Tänze aufs Parkett legen, wie ich es sonst so gern machte, ich musste immer mal wieder sitzen – und ich war müde. Es war der Moment, in dem ich zum ersten Mal dachte: Okay, während mein Mann jetzt also genau so weitermachen kann wie zuvor, beginnt bei mir bereits der Verzicht. Dabei wird er doch genauso Vater wie ich Mutter!

Er hatte keine Übelkeit, keine dicken Füße, kein schmerzendes Kreuz. Er musste sich nicht beim Arbeitgeber anhören, dass der befristete Vertrag dann leider nicht verlängert wird. Und er musste sich auch nicht mit dem körperlichen Respekt vor der Geburt auseinandersetzen.

Ich könnte jetzt sagen: Ha! Aber dafür hat er auch nicht die ersten Tritte gespürt, hat nicht hautnah das Wunder eines lebenden Menschen im Bauch erlebt, hat nicht diese einmalige neun Monate dauernde Symbiose mit einem kleinen Lebewesen mitmachen dürfen. Und das stimmt ja auch!

Aber wir können schon hier die Weichen legen, für das, was kommt. Wir können uns als Paar schon in dieser Zeit zusammensetzen und überlegen, wie gleichberechtigt wir in unserer Familie leben wollen. Sobald die ersten „Unfair, ungerecht, verdammt“-Gedanken da sind, sollten wir sie nicht einfach wegschieben, sondern ernst nehmen. Sonst staut sich einfach zu viel Frust an.

Natürlich bringt es nichts, zu sagen: Wenn ich hier jetzt neun Monate zurückstecken muss, dann musst du das aber auch. Wir leben nun einmal mit körperlich anderen Voraussetzungen. Mein Credo war eher: Wenn ich schon verzichten muss, dann soll wenigstens er Spaß haben und mich dann mit seiner guten Laune mitreißen (oder für mich kochen, neue Bettwäsche aufziehen und mal wieder richtig aufräumen).

Aber: Das sollte auch heißen, dass er später dafür sorgt, dass sie wieder losziehen kann, sobald es die körperlichen Umstände zulassen. Und es geht ja nicht nur um das Amüsieren mit Freunden am Abend, es geht ja auch um Arbeit und Geld. Wenn sie karrieretechnisch erstmals zurücksteckt – vielleicht wäre ein finanzieller Ausgleich durch ihren Partner möglich? Wenn sie nach der Elternzeit gern wieder mehr Stunden arbeiten möchte, vielleicht kann ihr Partner dann ja Stunden reduzieren?

Wir glauben viel zu oft, dass sich das schon irgendwie alles so ergibt. Mit meiner Erfahrung als Dreifachmutter glaube ich aber vielmehr, dass die wichtigsten Weichen schon in der Schwangerschaft gestellt werden… und darum: Redet miteinander. Setzt euch hin. Schaut, was für euch passen kann, damit am Ende niemand frustriert ist. Denn das Leben mit Kindern kann noch so viel schöner sein, wenn sich alle Parteien mit der Organisation drum herum wohl fühlen und sich vor allem niemand dabei zurückgesetzt fühlt.

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