Ist Stillen in der Öffentlichkeit immer noch ein Tabu?

Blog Gastartikel: Evelyn von Little Paper Plane

06.Apr 2020
Deutsch

Eigentlich ist es eine der normalsten Sachen auf der Welt. Die Rede ist vom Stillen. Denn die meisten Säuglinge bekommen ihre Nahrung und ihre Kraft von der Muttermilch. Warum also, ist das Stillen in der Öffentlichkeit überhaupt noch so ein großes Thema? Bloggerin und Zweifachmama Evelyn von Little Paper Plane hat sich diese Frage gestellt.

Evelyn vom Blog Little Paper Plane mit ihrem Baby

Stillen ist etwas, dass manchen Müttern leichtfällt und anderen weniger. Manche genießen die Zeit mit ihrem Baby, andere würden es gerne, leiden aber unter Schmerzen oder setzen sich selbst zu sehr unter Druck. Aber egal ob das Stillen einem zusagt oder nicht: Es ist eigentlich total normal. Also für die Säuglinge. Und auch für deren Eltern. Denn gleich nach der Geburt fangen Babys an zu nuckeln, suchen nach der Brust und nach den ersten Tropfen des Kolostrums. Es ist ein Instinkt, mit denen die Babys und auch die Neo-Mütter geboren werden.

Und wenn die frischgebackene Mama es möchte und es auch klappt, dann steht einer gesunden Stillbeziehung nichts im Wege. Nichts, außer bigotte Passanten, die sich vom Anblick einer stillenden Mama auf der Straße, im Lokal, im Park, im eigenen Auto, ... verärgert und beleidigt fühlen.

Schlagzeilen wie Stillende Mutter aus Café geworfen oder Stillende Mutter auf Kindergartenfeier beschimpft lassen mich einerseits mit dem Kopf schütteln, andererseits ärgert es mich, dass wir in einer Gesellschaft leben, die Frauen in Unterwäsche auf riesengroßen Leinwänden auf der Straße toleriert, aber eine stillende Mutter (die kaum Haut zeigt) als eklig empfindet. Oder sogar als beleidigend.

Und generell sollten Wörter wie „Ekelhaft“, „Anzüglich“ oder Seltsam“ nicht mit Stillen assoziiert werden. Denn der einzige Begriff, der mit Stillen sinnvoll in Verbindung gebracht werden sollte, ist „HUNGRIG“.

Wenn ein Baby schreit, es unruhig ist und man gerade in einem Lokal sitzt, dann ist es ganz und gar nicht verwerflich, den Säugling anzulegen. Das hat nämlich nichts damit zu tun, dass man in der Öffentlichkeit gern seine Brüste auspackt, sondern vielmehr mit der offensichtlichen Tatsache, dass das Baby hungrig ist.
Bei Argumenten wie: Ja, aber dann sollte man sich eben kurz auf die Toilette zurückziehendenke ich mir nur eines: NEIN. Denn:
Ich möchte mein Essen nicht auf der Toilette konsumieren.
Man ist ja selbst um zu Essen im Restaurant.
Babys sind nicht bekannt für ihre Geduld.
Stillende Frauen gehören zu unserer Gesellschaft genauso dazu, wie lachende Kinder. Ich möchte nicht, dass es Mütter da draußen gibt, die das Gefühl haben, sie müssten die gesamte Stillzeit in ihrer Wohnung versitzen, um niemanden zu „stören“. Um keine unangenehmen Blicke auf sich zu ziehen.
Wer sich von stillenden Mamas gestört fühlt, hat nämlich verdrängt, dass er (oder sie) selbst auch einmal fünf Kilo gewogen und an den Brüsten der eigenen Mutter gehangen hat.
Und Wegschauen ist immerhin auch noch eine Option.
In Zukunft sollten also die Assoziationen zum öffentlichen Stillen wie folgt lauten:

Eigentlich.
Total.
Normal.

Und nun verrate ich euch noch gerne 9 weitere Hacks, die jeder Erstlings-Mama das Leben erleichtern in diesem Artikel.

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