Kann Muttermilch ausgehen?

Die große Angst: zu wenig Milch

22.Jun 2020
Deutsch

Stillen mag die natürlichste Sache der Welt sein – dennoch tauchen bei den meisten Stillenden jede Menge Fragen auf. Manchmal auch Ängste, denn schließlich geht es darum, ein kleines Wesen gut zu ernähren und gesund zu halten. Neben wunden Brustwarzen ist eine Sorge, ob genug Milch da ist. Warum fühlt sich die Brust plötzlich leer an? Und kann das Baby die Brust „austrinken“?


Foto: Shutterstock

Der Milcheinschuss

Bis die Milchproduktion sich eingespielt hat, dauert es einige Wochen. Eine ganz besondere Phase ist gleich der Beginn der Stillbeziehung: der Milcheinschuss. In diesem Artikel erfährst du mehr dazu. Die Brust produziert anfangs nur wenige Tropfen Milch, doch das ist nicht schlimm: termingerecht geborene Babys kommen für gewöhnlich mit den nötigen Fettreserven auf die Welt. In den ersten Tagen schlafen Neugeborene ohnehin sehr viel und erholen sich von der Geburt und gewöhnen sich an das neue Leben außerhalb der Fruchtblase. Stillende müssen nur darauf achten, den Säugling immer wieder saugen zu lassen – denn das ist das Zeichen für die Brust, die Milchproduktion hochzufahren. Eine Regel gilt nämlich beim Stillen in jeder Phase:

Die Nachfrage regelt das Angebot - je öfter gesaugt wird, desto mehr Milch wird produziert.

 

Eine stillende Brust ist niemals leer

Eine Milch bildende Brust ist für gewöhnlich nicht leer bzw. kann nicht „ausgetrunken“ werden.* Das ist auch der Fall, wenn sich die Brust ganz weich anfühlt! Milch wird laufend nachproduziert. Die weibliche Brust ist ein Wunder und „lernt“: sie wird mit der Zeit immer effizienter bei der Milchproduktion. Wenn du anfangs also ganz pralle Brüste hattest und plötzlich nicht mehr, bedeutet das nicht unbedingt, dass du weniger Milch hast!

 

Stillen nach Bedarf

Stille, wenn es dein Kind verlangt. Es ist völlig „normal“ wenn dein Baby alle 2-3 Stunden stillen möchte – und zwar vom Beginn der Stillmahlzeit gerechnet, egal wie lange diese gedauert hat. Auch hier gibt es individuelle Unterschiede. Manche Säuglinge trinken tagsüber öfter als alle 2 Stunden und machen dafür nachts eine längere Pause, andere trinken lieber regelmäßig alle 4 Stunden – es gibt keine Regel, wie häufig du stillen solltest. Teilweise gibt es wohl auch kulturelle Unterschiede. Die Ureinwohnerinnen Neuguineas tragen die Babys zum Beispiel immer am Körper und stillen im Schnitt alle 24 Minuten, dafür nur ganz kurz.**

Wenn du die Milchmenge steigern willst, ist es nicht ratsam, starre Abstände von z.B. 4 Stunden einzuhalten. Manchmal entsteht der Eindruck, dadurch mehr Milch zu haben, weil sich die Brust voller anfühlt – in Wirklichkeit wird auf diese Art die Produktion aber reduziert. Die Brust ist nur anfangs praller, nach einiger Zeit geht die Menge zurück. Genau das Gegenteil wird also erreicht.

In Wachstumsphasen kann es dir vielleicht so vorkommen, als hättest du das Kind rund um die Uhr an der Brust. Das Kind steigert damit selbst die Milchmenge, denn je öfter es angelegt wird, desto mehr Milch wird gebildet. Nach dieser Phase folgt vermutlich wieder eine Zeit, in der scheinbar weniger getrunken wird. Wie groß die Portion tatsächlich ist, lässt sich beim Stillen aber einfach nicht sagen – da sowohl Kind als auch Brust immer „besser“ werden, sagt die Dauer und Häufigkeit wenig über die getrunkene Menge aus.

 

Wechselstillen

Dein Baby ist ein Genießer bzw. eine Genießerin und nuckelt nur vor sich hin oder schläft beim Stillen ständig ein? Dann kannst du es mit Wechselstillen zum effizienteren Trinken animieren. Nach 10 Minuten oder wenn das Baby einschläft wechselst du dazu die Seite. Du kannst es zwischendurch auch aufstoßen lassen, um es wieder etwas munterer zu machen.

 

Bekommt mein Baby genug Milch?

Wünscht du dir vielleicht eine Milliliter-Anzeige für die Brust wie auf einer Flasche oder eine Füllstandanzeige für das Baby, um Sicherheit zu haben? Dann bist du nicht die Einzige! Wieviel Milch das Kind beim Stillen bekommt, lässt sich nur durch das Wiegen vor und nach dem Stillen mit einer sehr genauen Waage feststellen. Eine alltagstauglichere Möglichkeit ist das Zählen der vollen (nassen) Windeln.

Pro Tag sollten es 5-6 nasse Windeln (6-8 Stoffwindeln) sein.***

In den ersten 6 Wochen haben gestillte Kinder außerdem ca. 2-5 Mal/Tag Stuhlgang.

Weitere Anzeichen für genug Milch:

  • das Kind ist lebhaft und wach
  • die Haut ist rosig und prall
  • das Kind nimmt zu (hier gibt es große individuelle Unterschiede – sprich am besten mit einem Kinderarzt/einer Kinderärztin, wenn du dir unsicher bist)

 

Fazit: Die weibliche Brust ist ein Wunderwerk. Nicht nur die Menge, sondern auch die Zusammensetzung der Milch wird exakt auf den aktuellen Bedarf des Kindes angepasst. Solltest du Probleme oder Fragen zu eurer speziellen Situation haben, helfen Hebammen und Stillberaterinnen weiter. Auch Stillgruppen sind nicht nur eine tolle Gelegenheit, sich zu informieren, sondern auch andere Mütter kennenzulernen und sich auszutauschen.

 

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Quellen:

* Das Handbuch für stillende Mütter, La Leche League Schweiz, 3. Auflage 2008, S. 48

** Das Handbuch für stillende Mütter, La Leche League Schweiz, 3. Auflage 2008, S. 61

** Das Handbuch für stillende Mütter, La Leche League Schweiz, 3. Auflage 2008, S. 64

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