Kinder-Auszeit

Blog-Gastartikel Stadt, Land, Mama

27.Okt 2016
Deutsch

Gastbloggerin Katharina von Stadt, Land, Mama widmet sich dem Thema "Kinderloses Wochenende". Viel Vergnügen beim Lesen!

Kinder-Auszeit

Foto: Shutterstock

Ich gestehe: Wenn das Söhnchen seiner Schwester beim Abendessen das Brot an den Kopf schmeißt, wenn ich mal wieder im Keller vor Bergen dreckiger Wäsche stehe, wenn die Nacht mal wieder um 5.30 Uhr vorbei ist – dann träume ich von einer Kinder-Auszeit. „Mach das doch mal wieder“, sagt mein großartiger Gatte und kurz darauf buche ich einen Flug von Berlin nach München.

Das war im Juni und wochenlang hatte ich mich nun auf dieses kinderlose Wochenende gefreut. Als es jetzt soweit war, hatte ich plötzlich einen dicken Kloß im Hals, drückte und knutschte die Kinder immer und immer wieder. „Jetzt geh endlich, Mama“, sagte meine Tochter irgendwann genervt und schmiss die Tür zu. Da stand ich nun. Bepackt nur mit einem Köfferchen (statt wie sonst mit Monster-Tasche, Kindersitz und Buggy), bereit für ein Wochenende ohne Familie.

Mein Plan: Mit Freundinnen ausgehen, shoppen, ausschlafen, Wellness. Doch anstatt mich mit freudigem Indianergebrüll in das Wochenende zu stürzen, fühlte ich mich plötzlich irgendwie amputiert. So, als wäre ich ohne ständiges „Maaaaamaaaa“ nicht mehr ich. Hatte ich etwa tatsächlich verlernt, allein zu sein? Dazu kam die Sorge: Funktioniert das zu Hause überhaupt ohne mich? „Du kannst noch so cool sein, als Mutter bleibst du immer mit einer Arschbacke zu Hause“, sagte meine Freundin mal zu mir. In meinem Fall hatte sie zu 100 Prozent recht. Und das ärgerte mich.  

„Ich genieße jetzt diese 50 kinderfreien Stunden“, sagte ich mir mehrmals laut vor und legte gedanklich den Schalter um. Ich genoss im Flugzeug einen Kaffee, ohne dass ich ein Kind ermahnen musste, nicht gegen den Vordersitz zu trampeln. Ich las ohne Unterbrechung eine ganze Klatschzeitschrift, ich döste kurz vor der Landung sogar mal kurz weg. In München angekommen, war ich gedanklich tatsächlich schon weiter als nur eine Flugstunde von Windeln und Kinderrotznasen entfernt. Das Wochenende war dann genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Mit Freundinnen ausgehen, shoppen, ausschlafen, Wellness. Ich habe nur einmal zu Hause angerufen und gefragt, wie es läuft. Natürlich lief es gut – wieso auch nicht?

Deshalb: Ab jetzt gönn ich mir so ein Wochenende öfter!

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