Kindererziehung – gibt es ein Richtig oder Falsch?

Blog Gastartikel: Deborah von Mama Rocks

11.Jun 2019
Deutsch

“Was, du gibst deinem Kind Brei?” Die andere Mama schaut mich an, als würde ich meinem sechs Monate alten Baby Pommes mit Ketchup füttern. Ob ich denn noch nie von BLW (Baby led weaning) gehört habe? Und ob ich überhaupt wisse, dass mein Kind sämtliches Sättigungsgefühl verliere, wenn ich es einfach mit Brei vollstopfe?

Spielende Mama mit Baby

Foto: Shutterstock

Ich gebe zu, die Konversation ist etwas zugespitzt, fand in dieser Form aber statt. Und es war nicht das erste Mal, dass ich merken musste, dass Mutterschaft und Kindererziehung anscheinend Themen sind, die nur Schwarz oder Weiß zulassen. Und auf gar keinen Fall Grauschattierungen.

Es begann beim Thema Stillen oder Flasche. Meine erste Tochter bekam nämlich beides – Muttermilch und Pulvermilch. Ich sah kein Problem damit. Bis ich der Mutterberaterin beiläufig erzählte, dass mein Baby am Abend noch eine Flasche bekomme, weil meine Milch nicht ausreiche. Sie war entsetzt und hielt mir einen 30-minütigen Vortrag darüber, was ich denn alles falsch mache. Und nein, diese Situation ist nun nicht zugespitzt.

Weiter ging es mit eigenem Zimmer oder Familienbett, tragen oder Wagen, schreien lassen oder eben nicht. Die Mutterschaft schien mir ein Minenfeld, in dem ich mich zuerst zurechtfinden musste. Beide Seiten machten es einem nicht gerade einfach, seinen Weg zu finden: “Verwöhne dein Baby ja nicht zu sehr, sonst gewöhnt es sich noch daran, dass du es immer herumträgst!”, hieß es von der einen Seite. Von der anderen kam: “Ein Kinderwagen entspricht nicht der Natur des Menschen. Wie kannst du deinem Kind nur so etwas antun?”

Ich wünschte, ich hätte zu den Müttern gehört, die von Anfang an genau wussten, was sie wollten. Leider gehörte ich zur großen Mehrheit der unsicheren Erstlingsmütter. Und weißt du, was mir niemand sagte? Dass ich doch einfach die andere Meinung und unzähligen Bücher zum Thema ignorieren und auf mein Gefühl hören sollte.

Irgendwann tat ich dann auch genau das. Ich merkte nämlich, dass bei all den Erziehungs- oder auch Unerzogen-Dogmen, die da rumgeisterten, eigentlich nur eines für unsere Familie passte: Nämlich bedürfnisorientiert zu handeln. Bei meinem ersten Kind dachte ich noch, mich dafür rechtfertigen zu müssen. Bei meinem zweiten Kind hatte ich genügend Selbstbewusstsein, um zu sagen: “Das sind unsere Kinder! Und nur wir Eltern wissen, was das Beste für sie ist!”

Übrigens: In “Mein Tragebaby und ich” erfahrt ihr, weshalb mir mein zweites Kind beim Thema Kinderwagen oder Tragetuch gar keine Wahl ließ.

Sende diese Seite an einen Freund