Kinderwunsch und Regenbogenfamilien

Ein Balanceakt für LGBTs

29.Jul 2018
Deutsch

Wie bedeutend ist es, sich vorsichtig ausdrücken, wenn es um die sexuelle Orientierung bei bi- oder homosexuellen Paaren, Inter- und Transsexualität geht? Wordings wie queer, schwul oder lesbisch können je nach Zusammenhang verächtlich wirken und blitzschnell zu Missverständnissen führen. Denn etwas tiefer geschürft geht es doch vielmehr um die gesellschaftliche Akzeptanz vielfältiger Partnerschafts-Konzepte und um einer politischen Inkorrektheit bei der Geschlechtervielfalt den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der Einfachheit halber, haben wir uns im folgenden Artikel für die Kurzform LGBT entschieden, die für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender steht. 
 

Kinderwunsch und Regenbogenfamilien
Foto: Shutterstock

In diesem Beitrag geht es um den Kinderwunsch von LGBTs. Um die Erfüllung jenes Traumes, eine Regenbogenfamilie zu gründen. Denn Familie ist schließlich da, wo Liebe Menschen verbindet.

Einige LGBT-Paare haben bereits eigene Kinder aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen. Bei anderen wird das Thema erst nach einer Weile der Absicherung in der Partnerschaft spruchreif. Ist die Entscheidung für ein/mehrere Wunschkind(er) gefallen, tauchen viele Fragen rund um biologische Elternschaft, Adoption, künstliche Befruchtung (Insemination) oder Leihmutterschaft auf. Auch Co-Elternschaft zwischen zwei homosexuellen Paaren ist eines der neuen Familienkonzepte. Der anwachsende LGBT Kinderwunsch hat in den vergangenen Jahren einen wahren Baby-Boom ausgelöst. Und langsam lockern sich die Gesetze in mehreren Ländern. Viele Themen rund um die Regenbogenfamilie werden zunehmend offener diskutiert.

Laufende Untersuchungen haben erfreulicherweise ergeben, dass sich Kinder von LGTBs hinsichtlich ihrer emotionalen Entwicklung, ihrer Beziehung zu Gleichaltrigen oder Erwachsenen nicht von Kindern heterosexueller Paare unterscheiden. 

Ein gutes Stück Achtsamkeit in der Erziehung ist also für alle Eltern gleichwertig erforderlich und das ist sowieso eine große Herausforderung. Aber eine zusätzliche Challenge liegt für LGBTs in der oftmals unausweichlichen Alltags-Diskriminierung durch Verständnislosigkeit im unmittelbaren Umfeld, wo mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Ängste vor der Unterschiedlichkeit im Geschlechter-Rollenverhalten der LGBTs mitspielen. 

Aber der dickste Brocken ist, den lange gereiften Kinderwunsch in die Realität umzusetzen. Die allerersten Schritte werden dabei bei lokalen Beratungs-Stellen und auf Online Plattformen begleitet. Denn der Wunsch vom eigenen Kind soll auch für LGBTs Wirklichkeit werden, und das unabhängig von den biologischen Voraussetzungen oder der sexuellen Orientierung. Transgender Paare zum Beispiel, stehen vor einem medizinischen Problem. Aber auch dafür gibt es Lösungen. Deshalb sollten sich LGBT Familien bei den zuständigen Jugendbehörden und Partnerorganisationen genau über alle möglichen Wege informieren. Denn das Prozedere, rechtliche Fragen und emotionale Aspekte sollten auf alle Fälle zusammen mit qualifizierten Experten angesprochen werden. 

Natürlich handelt es sich dabei um einen Balanceakt, der die LGBT Partnerschaft strapazieren kann. Aber das bringt prinzipiell jedes Kinderglück mit sich. Es beginnt mit der Anspannung vor einer erfolgreichen Befruchtung, bei komplizierten Adoptions-Ansuchen, oder eben noch vielen anderen Themen für werdende und frischgebackene Eltern. Die unterschiedlichen Möglichkeiten in allen Belangen Unterstützung zu finden nehmen zum Glück aber laufend zu. Und die Vernetzung unter LGBTs gelingt situationsbedingt in vielen Fällen effektiver, als zwischen heterosexuellen Eltern. 

Filmtipp: „Invisible Parents“
Kurzfilm von Mike Buonaiuto für eine Same-Sex Eltern Kampagne

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