Konsequent inkonsequent

Blog-Gastartikel: Familianistas

12.Jul 2016
Deutsch

Gastautorin Andrea von Familianistas widmet sich in dieser herrlichen Kolumne heute der Konsequenz in Sachen Kindererziehung. 

Konsequent inkonsequent

Foto: Shutterstock 

Da ist die Sache mit dem Kissen. Mein Zweijähriger schleppt es ständig mit sich rum. Kaum aufgestanden, greift er es sich aus dem Bettchen und schleift es hinter sich her. Bis zum Frühstückstisch, wo er es hinter seinem Rücken platziert. Fertig mit dem Müsli, nimmt er es mit in seine Leseecke und setzt sich drauf. Ist er müde, legt er sich mitten in der Wohnung auf den Boden, den Kopf selig auf dem Kissen. Tut er sich weh, muss das Ding als Trostspender her. Und zwar sofort!

Andere Kinder haben ein Lieblings-Stofftier, mein Kurzer hat sein Kissen. So weit, so gut. Nun möchte er das Ding aber gerne auch mit nach draußen nehmen. Wenn wir uns für den Spielplatz oder zum Einkaufen bereit machen, umklammert er es und rückt das Kissen nur unter lautstarkem Gebrüll wieder raus. In diesen Momenten gebe ich gerne nach und lasse ihn gewähren. Damit endlich Ruhe einkehrt. Einen Teddybären dürfte er ja schließlich auch mitnehmen. Denke ich. Mein Mann hingegen ist da konsequent. „Ein Schlafkissen gehört nicht nach draußen! Wir gehen ja auch nicht im Pyjama raus. Punkt.“

Der Kurze weiß nun also genau, was zu tun ist, damit die Mama schwach wird. Beim Papa versucht er es ebenfalls mit einer dramatischen Showeinlage, die jedoch stoisch ignoriert wird. Spätestens, wenn die Wohnungstür ins Schloss fällt und das Kissen aus dem Blickfeld rückt, hat sich der Kurze beruhigt. End of the story. Was aber bleibt, sind die elterlichen Diskussionen zum Thema Konsequenz. Denn egal ob es nun das Kissen ist, Süßigkeiten bei der Supermarktkasse oder das Smartphone, das verlangt wird: Als Eltern muss man sich immer wieder aufs Neue kindlichen Forderungen stellen. Und vor allem deren Handhabung.

Während nun mein Mann der Meinung ist, dass wir beide am selben Strick ziehen sollten, also in bestimmten Situationen stets gleich reagieren, denke ich – selber beim Schokoladekonsum äußerst inkonsequent! -  dass ein Kind sehr wohl in der Lage ist, akzeptieren zu können, dass es gewisse Dinge bei Mama darf und bei Papa halt nicht. So wie sie etwa bei Oma und Opa länger aufbleiben dürfen, als zuhause. Oder Süßigkeiten in der Schule nix verloren haben, während sie zuhause im Schrank stehen. Es gibt sie einfach nicht vor dem Essen. Übrigens eine der Regeln, die sowohl von Papa als auch von Mama durchgesetzt wird. Und von denen gibt’s ja dann doch noch einige.

Denn Kinder brauchen bekanntlich ein paar Regeln. Sie geben Halt und sind Orientierungshilfen. Natürlich haben wir beim ersten Kind viel gelesen, unter anderem zum Thema Konsequenz. Besonders geblieben sind mir die Worte von Jesper Juul, der in diesem Zusammenhang für klare „Neins!“ plädiert. Der bekannte dänische Familientherapeut rät in bestimmten Situationen zu klaren Ich-Botschaften. Und davon ab, dem Kind zu viel erklären zu wollen oder sich gar in Diskussionen mit ihm einzulassen. Also anstatt „Nein, Mama möchte Dir jetzt keine Schokolade kaufen. Die ist nämlich ganz ungesund für Deine Zähne“ besser so: „Nein, ich kaufe Dir jetzt keine Süßigkeiten!“

Tönt ganz einfach, nicht wahr? Aber wie anfangs geschildert, klappt’s bei mir im Alltag in Punkto Konsequenz immer noch nicht so ganz. Auch beim zweiten Kind noch nicht. Im Gegenteil. Ich finde, es ist sogar noch schwieriger geworden. Während wir beim Erstgeborenen schon ein paar strikte Regeln hatten, mussten wir diese mit dem Kurzen neu überdenken. Respektive gänzlich über den Haufen schmeißen. Weil sie einfach nicht durchsetzbar sind in unserem neuen Alltag zu viert. Oder erklären Sie mal einem Zweijährigen, dass er sich jetzt bitte nicht neben seinen achtjährigen Bruder vor den Fernseher setzen soll, wenn dieser „The Simpsons“ schaut. Dann möchte das der Kurze natürlich auch. Und – räusper! - wenn Mama dann gerade Abendessen kochen sollte, ist das ja irgendwie auch ganz praktisch so. Aber vor dem Essen müssen sie Hände waschen. Da bin ich ganz konsequent!

PS. Ich habe übrigens im Internet kürzlich einen Konsequenz-Test gemacht. Anscheinend bin ich der „diplomatische Typ“. Will heißen: Nicht alles ist Verhandlungssache, aber vieles. Während gewisse Sachen für die Kids einfach so sind, wie ich sage, können sie bei anderen gerne mit mir drüber reden. Tönt doch nicht schlecht, oder?

 

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