Kranke Kinder

Blog Gastartikel Familianistas

08.Nov 2016
Deutsch

Gastautorin Andrea vom Schweizer Familienblog Familianistas widmet sich in ihrer Kolumne heute einem Thema, das wir alle wohl zu nur gut kennen: Kranke Kinder.

Kranke Kinder

Foto: Shutterstock 

Der Anruf kommt im falschen Moment. Immer. Mitten im Abgabestress, vor einer wichtigen Deadline oder während einer intensiven Sitzung mit Kunden. „Entschuldige die Störung, aber Dein Sohn hat 39.7 Grad Fieber. Es geht ihm gar nicht gut. Kannst Du ihn bitte abholen?“, fragt die Kita-Frau am anderen Ende der Leitung.

„Nein! Das. Passt. Jetzt. Ganz. Schlecht!“, schreit es in mir. „Oh, der Ärmste! Ich mach mich sofort auf den Weg“, verspreche ich stattdessen am Telefon, schreibe noch kurz das Mail fertig und eile zu meinem glühenden Kleinen. Zuhause angekommen, gibt’s erstmals eine Ladung fiebersenkenden Sirup, ganz viele Umarmungen und dann ab ins Bett mit dem Fieberbündel. Ich klappe mein Laptop auf und arbeite weiter – bis eine Stunde später ein verzweifeltes „Mamaaaa!“ aus dem Bettchen schallt.

Kranke Kinder. Sie stellen den gewohnten Tagesablauf auf den Kopf, bringen den Alltag durcheinander, machen die Nacht zum Tag. Eltern wie wir, beide selbständig arbeitstätig, müssen immer wieder aufs Neue verhandeln, wer denn nun zuhause bleiben kann/muss. „Ich habe morgen diese ganz wichtige Sitzung!“ – „Und ich eine Presseveranstaltung, die ich nicht verpassen darf“. Schon haben wir den Salat. Anstatt mal einen Blick auf das kranke Würmchen zu werfen, steigern wir uns in eine Diskussion, wer von beiden nun wichtigere Termine hat. Schnell passiert, aber irgendwie auch krank.

„Keep cool“, raune ich mir dann mantramäßig zu. Das Beste ist es jetzt, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wenn möglich, das Laptop zuklappen und für die nächsten Tage ganz beiseite schieben. Und sich 100% auf den Patienten zu konzentrieren, sonst wird man nämlich kirre. Und nervt sich. Denn natürlich ist es nicht prickelnd, bei Kaiserwetter mit einem kranken Kind in der abgedunkelten Wohnung zu hocken, während draußen das Leben spielt. Und sich dazu noch anquengeln zu lassen.

Weil kranke Kinder können ja – so leid sie einem tun – richtige Nervensägen sein! Nichts ist recht. Sie bestellen Tee - schmeißen dann den Schoppen weg und schreien nach Orangensaft. Sie bekunden Hunger – haben aber am Tisch vor dem Teller eine hysterische Heulattacke und wollen sofort wieder zurück ins Bett. Sie wollen auf Mamas Schoss – kaum sind sie da, auf den von Papa. Oder sie schlagen im Fieberwahn wild um sich. Sie wissen einfach nicht wohin mit sich, die armen Knirpse. Alles was denken: Sie sind in diesem Moment die bedauernswertesten Kinder auf der Welt und beanspruchen deshalb gaaanz viel Aufmerksamkeit.

Gibt man sie ihnen und versucht gleichzeitig ihre aggressiven Ausbrüche nicht persönlich zu nehmen, scheint die Misere irgendwie schneller vorbei zu sein. Das habe ich zumindest bei der letzten Krankheit (Halsinfekt mit hohem Fieber) meines Kleinen so empfunden. Und das Beste daran ist ja, dass die Kinder danach nicht selten einen Entwicklungs-Sprung vollbringen. So bedürftig sie mit Fieber und Schmerzen waren, umso selbständiger und kecker treten sie auf, wenn endlich alles vorüber ist. 

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