Leichter schwanger durch Zyklusbeobachtung?

Wie gut kennst du dich und wie geht’s?

01.Nov 2019
Deutsch

28 Tage lang, an Tag 14 ist der Eisprung – fertig ist der Bilderbuchzyklus. Oder? „Normal“ sind Zykluslängen von etwas über 20 bis über 30 Tage. Die Bandbreite ist also relativ hoch. Und auch der Eisprung findet nicht immer in der Mitte statt. Viele Frauen können Schwankungen bei der Zykluslänge beobachten, die sich auf Hormonumstellungen in verschiedenen Altersphasen, Stress, Umgebungswechsel oder andere Umstände zurückführen lassen. Das ist grundsätzlich alles kein Problem, möchte man aber unbedingt schwanger werden, wäre es schön zu wissen, wann Sex am erfolgversprechendsten ist. Die meisten Schwangerschaften treten schließlich bei Geschlechtsverkehr am Tag des Eisprungs oder an den beiden Tagen davor auf. *


Foto: Essentialliving on Unsplash

Wer seinen Körper und gewisse Eisprungzeichen kennt, hat es demnach etwas leichter. Und nicht nur das: stellt sich nach einiger „Bastelzeit“ keine Schwangerschaft ein, kann die Zyklusbeobachtung sogar helfen, dem Grund schneller auf die Spur zu kommen. Aber zuerst einmal zum Idealfall: irgendwann im Zyklus findet ein Eisprung statt. Woran kann man das erkennen?

Was ist ein Eisprungzeichen?

Nach der Menstruationsblutung fängt der Körper an, die Gebärmutterschleimhaut erneut aufzubauen und das „Nest“ für den Embryo anzulegen. In diesem Zeitraum vor dem Eisprung steigt die Konzentration des luteinisierenden Hormons oder kurz LH an. Zusammen mit dem FSH (follikelstimulierendes Hormon) bewirkt es die Reifung der Eibläschen (Follikel), in denen sich die Eizellen befinden, und die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. Letztere sorgen wiederum für die Veränderungen, die Frau während ihres Zyklus bemerken kann. Besonders wichtig ist der „Zervixschleim“. Die Scheidenflüssigkeit während des Zyklus spielt eine wesentliche Rolle bei der Fruchtbarkeit: sie soll die Spermien schützen und den Weg zur Eizelle erleichtern. Dazu verändert der Zervixschleim seine Konsistenz. In der unfruchtbaren Zeit ist meist wenig davon bemerkbar oder er ist eher dickflüssig und weiß. Je fruchtbarer die Frau ist, desto flüssiger und/oder eiweißartiger wird er. Kannst du den Zervixschleim, den du am Scheidenausgang findest, zwischen den Fingern wie rohes Eiweiß auseinanderziehen und bleibt er ganz elastisch, sind das die besten Voraussetzungen für die Spermien, um in die Gebärmutter und zur Eizelle zu gelangen. Die Scheidenflüssigkeit liefert den Spermien nicht nur Energie, sondern schützt sie auch vor dem sauren – und damit eigentlich Spermien-feindlichen – Scheidenmilieu. Die Menge der Scheidenflüssigkeit variiert von Frau zu Frau genauso wie die Konsistenz: von der beschriebenen spinnbaren Eiweiß-Form bis hin zu fast Wasser-artiger Flüssigkeit gibt es verschiedene Varianten.

Manche Frauen sehen auch fast nichts, haben aber eine Art „rinnendes“ Gefühl um die Eisprungzeit. Notiere die Veränderungen, die du siehst und spürst und beobachte, ob du einen Rhythmus bei dir feststellen kannst. Helfen kann auch ein Fruchtbarkeitskalender.

Verschiedene Methoden der Zyklusbeobachtung

Zur Zyklusbeobachtung gibt es verschiedene Methoden. In den 1920er Jahren erkannten die Ärzte Ogino und Knaus den Zusammenhang zwischen Eisprung und dem Zeitpunkt der nächsten Periode - die Basis für die Kalendermethode war gelegt. Auf Grund der oben beschriebenen Schwankungen in der Zykluslänge können damit aber schwer Vorhersagen getroffen werden. Etwas später wurde der Zusammenhang zwischen der Körpertemperatur und dem Stattfinden des Eisprungs entdeckt und ab ca. 1930 zur Feststellung der unfruchtbaren Zeit herangezogen. Ein großer Vorteil der Beobachtung des Zervixschleims ist, dass damit bereits die fruchtbare Zeit festgestellt werden kann. Zu dem Schluss, dass eine Schwangerschaft leichter eintritt, wenn die Scheidenflüssigkeit besonders flüssig ist, kam man übrigens bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Ärzte John Billings und Josef Rötzer erkannten dann 100 Jahre später, in den 1950er Jahren, dass Frauen so selbst beobachten konnten, wann ihre fruchtbarste Zeit war. Der österreichische Arzt Rötzer entwickelte Temperatur- und Zervixschleimmethode weiter zur sogenannten „symptothermalen Methode“. Hier werden beide Zeichen zur Bestimmung der fruchtbaren und unfruchtbaren Zeit herangezogen. Im Verlauf des Zyklus ändert sich jedenfalls die Körpertemperatur der Frau ganz leicht. Durch Thermometer mit 2 Nachkommstellen und einem regelmäßigen Messen direkt nach dem Aufstehen kann der Zyklus der Frau und so auch der Eisprung - zumindest im Nachhinein - festgestellt werden: kurz nach dem Eisprung steigt die Temperatur leicht an. Die fruchtbare Phase kann aber bereits anhand der Zervixschleimbeobachtung eingegrenzt werden. Frauen, die ihren Zyklus so genau beobachten, bekommen mit der Zeit meist auch ohne das Messen ein gutes Gefühl für ihre Körpersignale.

Wie Zyklusbeobachtung bei Problemen helfen kann.

Besonders hilfreich ist diese genaue Darstellung des Zyklus im Rahmen der symptothermalen Methode, wenn sich keine Schwangerschaft einstellen mag. Mit Hilfe der Temperaturkurve und anderen Notizen lässt sich zum Beispiel feststellen, ob überhaupt ein Eisprung stattfindet und wie lang die beiden Zyklushälften sind.

Für das erfolgreiche Einnisten des befruchteten Eis ist nämlich entscheidend, dass die Zeit nach dem Eisprung bis zur Menstruationsblutung (die sog. Luteal- oder Hochlagenphase) lang genug ist. Nicht jeder Zyklus, der 28 Tage lang ist und scheinbar perfekt ist, muss ein Zyklus sein, in dem man schwanger werden kann: es könnte zum Beispiel sein, dass der Eisprung erst sehr spät stattfindet und die zweite Zyklushälfte zu kurz ist. Stellt man fest, dass die Zeit nach dem Eisprung weniger als 10 Tage beträgt, kann der Arzt oder die Ärztin in diesem Fall konkret nach einem Progesteronmangel im Blut suchen.

Eine genaue Zyklusbeobachtung kann also bei Problemen mit dem Schwangerwerden helfen, die Ursache und richtige Behandlung schneller zu finden.

Aber auch ganz ohne Probleme ist es einfach ein schönes Gefühl, seinen Körper ganz genau zu kennen!

 

*Quelle: Natürliche Familienplanung heute, Raith-Paula, Frank-Hermann, Freundl, Strowitzki, 4. Auflage, S. 21 ff

 

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