Leihmutter – der neue Trend in der Familienplanung?

Wenn ein Tabuthema an die Öffentlichkeit gelangt

31.Jan 2018
Deutsch

Wenn ein Kinderwunsch da ist und alle Möglichkeiten für eine Schwangerschaft erschöpft sind, scheint der letzte Ausweg eine Leihmutter zu sein. Die richtige Frau zu finden, wäre vielleicht gar nicht mal so schwer. Aber zum Bedauern vieler Paare verbietet die Gesetzeslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Leihmutterschaft nach gängiger Rechtsauslegung.
Selbst bei einer Vereinbarung mit einer Leihmutter aus anderen EU Ländern oder aus Übersee kann es zu Gesetzkonflikten kommen. Einziger Ausweg kann letztlich eine Adoption des so gezeugten Kindes sein. Zu einer Umgehung der Landesgesetze sollte es aber nicht kommen.

Leihmutter – der neue Trend in der Familienplanung?

Foto: Shutterstock

Einwände gegen eine Leihmutterschaft

In den DACH Ländern (Deutschland, Österreich und Schweiz) gibt es Bedenken, wenn es um Leihmutterschaft geht. Dem Gesetz nach, ist hier, selbst, wenn die genetischen Bedingungen von den Auftragseltern stammen, die Leihmutter die leibliche Mutter. Dabei ist eine Insemination mit dem Sperma des Sorgevaters möglich, oder das Einsetzten einer bereits befruchteten Eizelle. Die Rahmenbedingungen sind hochkompliziert. Deshalb gibt es in Ländern wie den USA eigene Vermittlungsagenturen für Leihmütter. Ebenso in Kanada. In der EU sind bisher nur in den Länder Großbritannien, Belgien und Griechenland Leihmütter gesetzlich vollkommen anerkannt.

Kritisiert wird, dass dadurch ein dem Menschenhandel gleichkommender Wunschbabytourismus entsteht. Selbst seriösen Agenturen wird pure Geschäftemacherei mit Eizellenspenderinnen und Leihmüttern vorgeworfen. Denn das Ganze ist ja immerhin mit dem Aufwand von mehrstelligen Eurobeträgen verbunden.

Hinzu kommt, dass die psychische Belastung der Leihmutter in Frage gestellt wird.
Es gibt immer wieder Fälle, in denen die Leihmutter das Baby nach der Geburt nicht mehr weggeben möchte. Die erste Bindung zum Kind entsteht oftmals bereits während der Schwangerschaft. Wenn zusätzlich auch eine Eizellenspenderin involviert ist, hat das Kind am Ende drei Mütter. So die Kritik. Und weil die psychischen Konsequenzen für das Kind noch unerforscht sind, wird geraten, dass vorsichtshalber der Kontakt zu allen Beteiligten bestehen bleibt. Dass das in vielen Fällen nicht der Fall ist, sei verantwortungslos.

 

Ein Star brachte letztes Jahr das Tabuthema Leihmutter prominent auf den Tisch.

Die zweifache Mutter Kim Kardashian kann durch eine Verletzung an der Gebärmutter keine weiteren Kinder bekommen. So plante sie in aller Öffentlichkeit die Geburt von Geschwisterkindern durch eine Leihmutter. Man mag von Boulevard-Klatsch halten, was man will, aber das Gute an der bereitwilligen Offenlegung war wie schon oft, dass dadurch ein Tabuthema neu debattiert wird.

Dass Leihmütter immer nur ausgebeutet werden, wurde bereits durch enge Freundschaften mit den Sorgemüttern widerlegt. Wie Kinder mit ihrer Entstehungsgeschichte umgehen, ist noch unklar. Studien über eine höhere Anfälligkeit von psychischen Störungen gibt es allerdings über Erwachsene, die mit Hilfe einer Fertilitätstherapie gezeugt wurden. Woran das aber genau liegt, ist noch ungeklärt. Das Thema ist also vielschichtig, und eine eingehende Auseinandersetzung damit, kann somit auch nur von Vorteil sein.

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