Lerche vs. Eule – der Schlafrhythmus

Angeboren oder anerzogen?

15.Mai 2020
Deutsch

Zahlreiche Funktionen in unserem Körper unterliegen einem biologischen Rhythmus. Dennoch gibt es Unterschiede. Manche Menschen sind hellwach, sobald die Sonne aufgeht, andere bleiben lieber nachts länger munter. Aber wie ist das bei Babys – können Frühaufsteher zu Nachtmenschen werden (oder umgekehrt)?


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Der Schlafrhythmus

Unsere Schlaf-Wach-Zyklen werden vom Tag-Nacht-Wechsel beeinflusst. Aber bei den meisten Menschen laufen diese Zyklen nicht streng nach der Uhr bzw. einem 24-Stunden-Ablauf. Wir leben vielmehr nach einem „zirkadianen“ Rhythmus, das heißt „so-ungefähr-ein-Tag-Rhythmus“ und dieser ist bei jedem Menschen verschieden lang. Je nachdem wie dieser zirkadiane Rhythmus ausfällt, bestimmt, ob wir uns morgens oder abends fitter fühlen.

  • Ausgeglichen: Menschen, die tatsächlich auf 24 Stunden „getaktet“ sind, werden abends zur ungefähr gleichen Zeit müde und morgens zur gleichen Zeit wach.
     
  • Eule (Nachtmensch): der zirkadiane Rhythmus dauert über 24 Stunden. Viele Menschen wollen abends länger wach bleiben und kommen morgens dafür nicht aus dem Bett. Für Eltern das klassische Szenario: Diskussionen und Schwierigkeiten, das Kind zum Schlafen zu bringen. Dafür kann man am Wochenende auch mal länger schlafen.
     
  • Lerche (Morgenmensch): der zirkadiane Rhythmus ist kürzer als 24 Stunden. Eher wenige Menschen sind abends sehr früh müde, stehen dafür aber auch gerne früh auf. Für Eltern am Abend sehr angenehme Kinder: sie gehen gern früh und manchmal sogar freiwillig schlafen. Nachteil: die Kinder sind im Morgengrauen wach.

Diese Neigung ist angeboren – „Schlafprogramme“ oder der Versuch, das Kind umzugewöhnen, sollten darum sehr kritisch hinterfragt werden.

Kinder kommen übrigens noch ohne zirkadiane Rhythmen auf die Welt, diese entwickeln sich im Lauf der ersten beiden Lebensjahre. Das betrifft nicht nur den Schlaf, auch die Körpertemperatur beginnt sich mit der Zeit im Tag-Nacht-Wechsel zu ändern, das Herz schlägt tagsüber anders als nachts und die Nieren stellen sich auf einen Rhythmus ein.
 

Der Schlaf-Wach-Rhythmus ist angeboren – Eltern können aus einer Lerche keine Eule machen (und umgekehrt).

 

Die Schlafdauer

Auch die Schlafdauer ist individuell unterschiedlich. Manche Neugeborene „verschlafen“ beinahe den ganzen Tag, andere sind stundenlang wach. Auch diese Eigenschaft bleibt oft erhalten, allerdings nimmt die Schlafdauer mit dem Alter bei den meisten ab.

 

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Quellen:

Babyjahre, Remo H. Largo, 2017, S. 184 ff.

 

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