Letzte Rettung künstliche Befruchtung?

Methoden, um mit Nachhilfe schwanger zu werden

31.Jan 2020
Deutsch

Wenn die natürlichste Sache der Welt auf natürlichem Weg nicht klappen mag, kann das zu einer großen Belastung für Paare werden. Zum Glück bietet die moderne Medizin zahlreiche Möglichkeiten sich den Traum vom eigenen Kind trotzdem zu erfüllen. In Deutschland ist immerhin jedes 10. Paar ungewollt kinderlos, in Österreich sind es 7-9% aller Paare. Grund genug, sich einmal diverse Möglichkeiten anzusehen.

Verschiedene Arten der künstlichen Befruchtung

Welche Methode gewählt wird, hängt von der Ursache der Kinderlosigkeit ab. Oft ist schon das Feststellen des Grundes eine langwierige Angelegenheit. Als erster Schritt empfiehlt sich darum in jedem Fall eine genaue Zyklusbeobachtung und eventuell eine Hormonbehandlung, falls ein Ungleichgewicht bei Bluttests festgestellt wurde. Helfen diese einfachen Mittel nicht, kann auf folgende Arten nachgeholfen werden:

 

#1 Intrauterine Insemination

Die intrauterine Insemination ist für die Frau die schonendste Methode der künstlichen Befruchtung und kommt meistens zum Einsatz, wenn das Problem beim Mann liegt. Zum Beispiel, weil die Spermien nicht beweglich genug oder zu wenige vorhanden sind. Eine Hormonbehandlung bei der Frau unterstützt eine optimale Entwicklung der Eizellen. Das meistens speziell aufbereitete Sperma des Partners wird dann direkt in die Gebärmutter übertragen.

Erfolgschancen: 5 bis 10 % pro Versuch. Nach mehreren Übertragungen: 10-30%

Förderung: gesetzliche Krankenkassen beteiligen sich in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen an den Kosten.

 

#2 IVF (In-vitro-Fertilisation)

Zuerst wird bei der Frau eine Hormonbehandlung durchgeführt, damit möglichst viele „gute“ Eizellen produziert werden. Diese werden dann bei einem kleinen Eingriff aus den Eierstöcken entnommen und in einem Reagenzglas mit dem Sperma des Mannes vermischt. Wenn dieser Vorgang erfolgreich ist, d.h. mindestens eine befruchtete Eizelle entstanden ist, wird diese in die Gebärmutter übertragen. Da sich die so gewonnenen Embryonen nicht immer einnisten, werden nach Möglichkeit gleich mehrere befruchtete Eizellen in die Gebärmutter gebracht. Bei IVF-Behandlungen erfüllt sich der Kinderwunsch darum manchmal gleich mehrfach: Mehrlingsschwangerschaften sind relativ häufig.

Erfolgschancen: 25-30% pro Behandlung

Förderung: gesetzliche Krankenkassen beteiligen sich in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen an den Kosten. Teilweise gibt es auch Förderungen in einzelnen Bundesländern.

 

#3 Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) werden der Frau wie bei der „normalen“ IVF nach einer Hormonbehandlung Eizellen entnommen. Danach wird allerdings nur je ein einziges Spermium direkt in die Eizelle injiziert. Ist der Vorgang erfolgreich, werden wie bei der IVF mehrere Embryonen in die Gebärmutter übertragen. Die ICSI eignet sich also vor allem für Paare, bei denen die Qualität der Spermien für eine IVF nicht ausreicht und eventuell auch bei der Frau keine optimalen Bedingungen vorhanden sind, so dass eine intrauterine Insemination nicht erfolgreich ist. Sie ist die häufigste Methode bei künstlichen Befruchtungen.

Erfolgschancen: 15-20% pro Behandlung

Förderung: gesetzliche Krankenkassen beteiligen sich in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen an den Kosten. Teilweise gibt es auch Förderungen in einzelnen Bundesländern.
 

Testikuläre Spermienextraktion (TESE) und Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration (MESA)
Wenn sich zum Beispiel auf Grund einer Krankheit oder OP keine Samenzellen in der Samenflüssigkeit befinden, können Samenzellen in manchen Fällen direkt aus den Hoden (TESE) oder Nebenhoden (MESA) entnommen werden. Danach erfolgt die eigentliche künstliche Befruchtung durch eine ICSI. 
 

So läuft eine ICSI ab:

  • Hormonbehandlung der Frau: sieht man bei der Untersuchung, dass die Eizellen reif sind, wird der Eisprung ausgelöst. Ca. 36 Stunden danach werden die Eizellen in einem kurzen Eingriff ambulant entnommen. Nach einigen Stunden kann die Frau nach Hause gehen.
  • Mehrere Eizellen werden noch am selben Tag der Entnahme per ICSI befruchtet.
  • Die verwendeten Spermien können entweder frisch sein, d.h. der Mann muss meistens direkt in der Klinik masturbieren, oder alternativ mittels TESE oder MESA gewonnen worden sein.
  • Nach der Injektion der Spermien in die Eizellen kommen diese in einen Brutschrank.
  • Entwickelt sich eine befruchtete Eizelle weiter, werden 2-6 Tage nach der Eizellentnahme die Embryonen in die Gebärmutter übertragen. Das geschieht für gewöhnlich schmerzlos mit einem dünnen Katheter.

Achtung, für alle Methoden gilt: die Erfolgschancen sind individuell sehr unterschiedlich. Nicht nur die Ursache der Unfruchtbarkeit spielt hier eine Rolle, sondern vor allem auch das Alter. Natürlich beeinflussen – wie bei Schwangerschaften auf natürlichem Weg – auch die Ernährung und der Lebensstil das Ergebnis.

In Deutschland gibt es ein eigenes Informationsportal für kinderlose Paare, auf dem auch eine Beratung in der Nähe gesucht werden kann.

 

Rechtliche Informationen zu in Deutschland nicht erlaubten Behandlungen, die aber im Ausland angeboten werden, findest du hier.

 

Das könnte dich auch noch interessieren:

Natürliche Fruchtbarkeitsbooster

Leichter schwanger durch Zyklusbeobachtung?

 

Quellen:
https://www.netdoktor.at/therapie/arten-der-kuenstlichen-befruchtung-6887442
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnstliche_Befruchtung
https://www.familienplanung.de/kinderwunsch/recht-und-finanzen/was-erlaubt-ist/
https://www.familienplanung.de/kinderwunsch/behandlung-im-ausland/gesetzliche-bestimmungen-im-ueberblick/
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/familie/schwangerschaft-und-kinderwunsch/ungewollte-kinderlosigkeit
https://www.familienplanung.de/kinderwunsch/behandlung/icsi/#&panel1-1

Foto:Shutterstock

 

Sende diese Seite an einen Freund