Lügen haben kurze Beine - oder?

Blog Gastartikel: Familianistas

12.Apr 2017
Deutsch

Lügen haben kurze Beine! Nicole vom Schweizer Familienblog Familianistas über Fake-News, kleine Schwindeleien vor dem Kind und die Kluft zwischen Fantasie und Wirklichkeit. Must Read!

Lügen haben kurze Beine - oder?

Foto: Shutterstock 

Kürzlich auf dem Spielplatz erhitzten sich die Gemüter. Eva brachte die Kugel ins Rollen, als sie sich darüber wunderte, dass der Rest der Runde seine Kinder regelmäßig anschwindelt: „Ihr tischt euren Kindern dieses alte Märchen vom Nikolaus auf? Und das Christkind fliegt zum Fenster rein, schmückt den Baum und schmeißt mal eben eine komplette Skiausrüstung unter die Tanne? Und der Osterhase hat wahrscheinlich ein Abo im Fitnessstudio? Also bitte! Ich werde meine Tochter nie anlügen!“ So etwa ging die Rede. Ihre Tochter ist nebenbei erwähnt zehn Monate alt - viel zu schwindeln gibt’s da also ohnehin nicht. Noch nicht. Denn an ihrer Stelle wäre ich in Sachen „NIE“ vorsichtig.

In Zeiten von Fake-News und Co. ist es aber natürlich nicht besonders angesagt, Lügenstories zu verteidigen. Allerdings vertrete ich die Meinung, dass Schwindeleien zum Leben gehören. Zum Elternsein ebenso wie zum Kindsein. Hast du dir die Zähne geputzt? Wirklich? Meine Kids sind in der Regel ziemlich schnell überführt. Meist genügt ein etwas „intensiverer“ Blick und die Kleinen zotteln beschämt Richtung Badezimmer. Warum sollen meine Kinder nicht selber lernen, wie weit sie ihre Lügenbeine tragen? Wie sehr es auch schmerzen kann, wenn man als Lügner entlarvt oder selber fies angelogen wird? In der Regel sind solche Erfahrungen am wirkungsvollsten - und nachhaltig obendrein. Ich spreche aus Erfahrung. Denn ich selbst habe als Kind viel gelogen. Hausaufgaben schon gemacht? Klar doch! Dabei war ich meist stinkfaul, habe die Matheaufgaben regelmäßig vom Banknachbarn abgeschrieben und ein Dutzend blaue Briefe fürs Zuspätkommen erhalten. Diese habe ich dreisterweise im Namen meiner Mutter unterschrieben. Nach ein paar Monaten flog das Lügenkonstrukt dann auf. Meine Mutter hat geweint. Bitterlich! Den Anblick werde ich nie vergessen. Das Thema Unterschriftenfälschen war von da an für mich erledigt.

Das sich allerdings Fantasie und Wirklichkeit manchmal mischen, geht für mich voll in Ordnung. Zumindest was das alltägliche Familienleben betrifft. Von abgesandten Politvertretern erwarte ich bitteschön die Wahrheit. Punkt. Wenn sich allerdings mein Jüngster wünscht, dass sein imaginärer Freund Jack mit uns zu Abend isst, dann lege ich kommentarlos ein weiteres Gedeck auf und frage bei Jack nach, ober er die Spaghetti lieber mit oder ohne Parmesan mag. Denn gute Lügengeschichten sind für mich letztlich auch ein Zeichen blühender Fantasie. Sozusagen das Salz in der Suppe. Zu viel ist nie gut, aber zu wenig mach das Leben echt fade!

PS: Mit fortschreitendem Alter verlangen die Kids ohnehin nach vernünftigen Erklärungen. Da sollte man sich als Erwachsener warm anziehen -  billiges Geflunkere wird sofort enttarnt. 

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