Mama Auszeit: Unverhofft kommt oft

Blog Gastartikel An Ordinary Miracle

13.Sep 2017
Deutsch

Gastbloggerin Susann von An Ordinary Miracle war kürzlich mit einer äußerst „Mama-untypischen“ Situation Konfrontiert: Sie hatte frei. Vollkommen unverhofft. Wie sie ihre Mama Auszeit genutzt hat und welche Erkenntnis sie dabei gewonnen hat, erfährt ihr hier.

Mama Auszeit: Unverhofft kommt oft

Foto: © Fräulein Zuckerwatte | www.fraeuleinzuckerwatte.com

Unverhofft kommt oft. Und so stand ich vor zwei Wochen plötzlich da, völlig ungeplant mit einer anderthalb Stunde kinderfreien Zeit konfrontiert. Die Sonne schien, an jeder Ecke lockte ein Eis, das geschleckt werden wollte. Aber bei mir brannten nur alle Sicherungen durch. Was zum Geier soll ich denn jetzt am effektivsten mit der Zeit anfangen? Welches To Do auf der langen Liste als erstes abarbeiten? Bloß keine dieser wertvollen Sekunden verschwenden! Gedanken mit Scheuklappen nennt sich das wohl.

Doch die Realität holte mich schnell ein. Ich hatte nichts dabei, nach Hause fahren war aus zeitlichen Gründen keine Option. Es nützte alles nichts: Ich musste mich dem Zwang hingeben, nichts Sinnvolles tun zu können. Dabei war es das einzig Sinnvolle, vielmehr das Allerwichtigste einfach mal nichts zu tun. Am späten Abend wenn ich nach einem Tag voller Alltag wie ein Stück Brett bewegungsunfähig im Bett liege, schleicht sie immer öfter um mich herum. Die Erkenntnis, dass die wahre Kunst nicht darin liegt, den Balanceakt zwischen Familie, Job und Haushalt zu meistern sondern vor allem darin, Kraft im bloßen Nichtstun zu tanken.

Wolkenschäfchen zählen statt Wäsche legen.

Nachmittagsnickerchen statt Überweisungen.

Lieblingslektüre statt E-Mail-Postfach.

Woher kommt das nur, dass uns die unliebsamen Tätigkeiten so im Griff haben? Dass wir uns so getrieben fühlen? Dass man immer alles gleichzeitig macht, aber nirgends 100% dabei ist. Faul sein ist eben seit jeher negativ behaftet. Stattdessen muss es immer mehr sein - irgendwie geht es doch auch immer. Doch was macht dieses „irgendwie“ aus uns? Die Ruhephasen, das faul sein, dass ist es doch was uns neuen Antrieb verschafft. Was uns zur Basis, zu uns zurückbringt. Der Helikopterblick auf alles eben.

Ich habe diese kurze Auszeit übrigens mit einem Kaffee auf der Parkbank verbracht. Das hat sich angefühlt wie sich ein kalter Entzug anfühlen muss. Von 100 auf 0 sozusagen. Aber es tat unheimlich gut es zu zulassen und ich habe mich umso mehr auf meinen kleinen Wirbelwind gefreut. Jetzt muss ich nur noch lernen, mir bewusst Auszeiten zu schaffen und sie nicht dem Zufall zu überlassen.

Vielleicht schreib ich mir es direkt in Spiegelschrift groß auf die Stirn: Die Pflicht ist immer da, aber das Leben wartet nicht. 

Sende diese Seite an einen Freund