Mit Kindern verreisen - Ferien, in denen du alles vergisst?

Blog Gastartikel: Familianistas

10.Mai 2017
Deutsch

Mit Kindern verreisen. Gastbloggerin Nicole vom Schweizer Familienblog Familianistas widmet sich heute einem Thema, das viele von uns jetzt - wo der Sommer so kurz bevorsteht – beschäftigt. Wie immer äußerst lesenswert!  

Mit Kindern verreisen - Ferien, in denen du alles vergisst?

Foto: Shutterstock 

„Und, wie wars?“ - „Schön.“ Was soll man auf die Frage nach Familienferien auch anderes antworten? Hätte ich vielleicht davon erzählen sollen, wie unser Ältester irgendwo auf der Autobahn zwischen Mailand und Triest plötzlich von Windpocken befallen worden ist und wie wir deshalb die ersten Tage damit verbrachten im beengten Apartment zu sitzen und den Grossen zu trösten und zu bepudern, anstatt im Meer zu plantschen? Oder hätte ich davon berichten sollen, wie sich unsere Kinder während zwei Wochen von fettigen Fritten ernährt haben, weil sie weder Meeresgetieren noch Cevapcici was abgewinnen können?

Oder natürlich wäre auch die Ferienwohnung an sich bereits eine Story wert gewesen. Die Ferienwohnung, nach der wir unglaublich lange gesucht haben. Stundenlang vor dem Computer gesessen sind, anfangs zu zweit, bis man sich entzweite, dann jeder für sich. Gefühlte tausend Angebote geprüft, verglichen und dann wieder verworfen haben. Bis wir schließlich mühsam einen Kompromiss geschlossen und unglaublich viel Kohle ausgegeben haben - weil man ja mit Kindern zur überteuerten Hauptreisezeit verreisen muss. Und nein, die Wohnung hat dann vor Ort natürlich nicht so ausgeschaut wie im Internet. Und wir sagen auch nicht, dass die familiäre Nähe, nach der wir uns im Alltag so unglaublich sehnen, einem im Urlaub quasi auffrisst. Nein, von alledem sagen wir nichts.

Warum auch? Schließlich können kinderlose Menschen ohnehin nicht nachvollziehen, von was man spricht und Eltern mit einigen Erfahrungswerten wiederum wissen nur zu gut, dass Familienferien nicht dazu da sind, um sich zu erholen. Nicht? Nein. Punkt. Macht euch keine Illusionen, ihr Frischlingseltern. Der Familienurlaub dient lediglich dazu sich für den Alltag fit zu machen. Für das echte Leben die Nerven zu stählen, um dann nach den Ferien heim zu kehren und zu merken: Hey, zu Hause ist es doch am schönsten!

Wieso also überhaupt mit Kindern verreisen? Gute Frage. Man könnte es sich ja zu Hause easy einrichten. Hätte keinen Packstress, keine stundenlangen Autofahrten, kein nerviges Rumgesitze an Flughäfen vor sich. Wir könnten endlich erledigen, was wir schon lange haben in Angriff nehmen wollen. Was war das gleich nochmal? Ah, stimmt den Keller vom Chaos befreien. Altlasten entsorgen, um wieder neuen Mist anzuschaffen. Oder die Wände des Schlafzimmers endlich petrolfarben streichen, so wie man es kürzlich in einer dieser unglaublich coolen Wohn-Zeitschriften gesehen hat. Das könnte alles durchaus befriedigend sein.

Bestimmt. Aber deshalb gleich ganz aufs Verreisen verzichten? Das würde dann trotzdem zu weit führen. Vielleicht sollten wir ganz einfach anstatt zweimal jährlich unglaublich viel Kohle für wenig Erholung auszugeben - und obendrein die Umwelt schändlich zu belasten - lieber unser hart verdientes Geld auf einem Ferienkonto anlegen und uns alle zwei, drei Jahre eine richtige Auszeit gönnen. Also mindestens vier, oder lieber grad fünf Wochen verreisen. Dafür aber so richtig: Ferne Kulturen kennen lernen oder endlich Europa mit dem Camper durchqueren. Durch schwedische Schären tuckern oder die schottische Seenlandschaft bewandern. Die Welt ist groß. Aber hey, schon klar, erholsamer wird auch das nicht werden. Eines aber bestimmt: Spannend. Und das wäre dann eine sexy Antwort auf die Frage, „Und wie wars?“. Nicht wahr?

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