Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft

Wirklich nötig oder Geldverschwendung?

26.Nov 2019
Deutsch

Glaubt man den Broschüren in gynäkologischen Ordinationen, der Werbung in diversen Eltern-Magazinen und den Regalmetern von Vitaminpräparaten im Drogeriemarkt, kann Frau unmöglich ohne Supplemente gesund durch eine Schwangerschaft kommen. Oder ist schon eine Rabenmutter, bevor das Baby noch geboren wird.


Foto: Brandless on Unsplash
 

Die gute Nachricht vorweg: gesunde Babys kommen auch ohne Zusatzstoffe auf die Welt. Und auch Mütter müssen im Normalfall nicht mit gesundheitsbedrohlichen Zuständen rechnen, nur weil sie auf Nahrungsergänzungsmittel verzichten.

Wie so oft ist das Thema aber durchaus komplexer: wiewohl man sich durch eine ausgewogene Ernährung ohne Probleme mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen kann, ist es in speziellen Phasen der Schwangerschaft vielleicht doch einfacher, zu Hilfsmitteln zu greifen. Der Grund: der Bedarf ist einfach dermaßen erhöht, dass die empfohlenen Richtwerte schwer zu erreichen sind.

Trotz der sich ständig ändernden Empfehlungen und einer ungenauen Studienlage scheint sich der Großteil der Experten und Expertinnen bei 2 Nährstoffen einig zu sein:

  • Folsäure
    Sie ist schon vor der Schwangerschaft anzuraten, da viele Frauen an einem Mangel leiden und sie wesentlich für die Zellteilung und Blutbildung ist. Außerdem kann sie verhindern, dass es zu einer Fehlbildung beim Fötus im Bereich des Neuralrohres kommt. Auch das Risiko für Herzfehler und Harnröhrenmissbildungen soll bei ausreichender Gabe reduziert werden.* Der Folsäure-Bedarf verdoppelt sich in der Anfangsphase der Schwangerschaft. Eine Deckung über Nahrungsmittel ist dann schon eine Herausforderung. Folsäure steckt z.B. in frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Kartoffeln und Eiern.
     
  • Jod
    Der Bedarf steigt in der Schwangerschaft. Eine Unterversorgung kann das Risiko von Fehlgeburten und Fehlbildungen erhöhen.
     

Eine zusätzliche Gabe dieser beiden Supplemente kann also – teilweise schon VOR bzw. ganz zu Beginn der Schwangerschaft – also durchaus sinnvoll sein.

 

Aber was gibt es sonst noch?

  • Fischöl
    Es gibt Meinungen, dass eine gute Versorgung die Hirnentwicklung fördert und das Allergierisiko vermindert. Man geht aber davon aus, dass 2 Fischmahlzeiten pro Woche ausreichend sind, um den Bedarf zu decken. Isst du allerdings nicht gerne Fisch, kann eine Einnahme per Tablette sinnvoll sein.

 

  • Vitamin D
    Viele Menschen in unseren Breitengraden leiden an einem Vitamin-D-Mangel. Eine gute Versorgung in der Schwangerschaft scheint aber auch Einfluss auf die Knochengesundheit des Kindes bis ins Schulalter zu haben.*

 

  • Eisen
    Eine Unterversorgung sollte jedenfalls ärztlich untersucht werden, bevor in Eigenregie Supplemente genommen werden. Bei einem starken Eisenmangel kann eine zusätzliche Gabe nötig sein. Aber Achtung: nicht jede(r) verträgt Eisentabletten gut. Durchfall oder Verstopfung können als Nebenwirkung auftreten.

 

  • Magnesium
    Eventuell sinnvoll bei häufigeren Wadenkrämpfen am Ende der Schwangerschaft oder vorzeitiger Wehentätigkeit. Der Bedarf kann aber oft schon durch Bananen oder andere Magnesium-reiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte oder Nüsse ganz gut gedeckt werden. Auch Magnesium-Tabletten können nämlich Magen-/Darmprobleme zur Folge haben.

 

  • Kalzium
    Eigentlich sind wir durch Gemüse, Vollkorn- und Milchprodukte ausreichend mit dem Mineralstoff versorgt. Gefahr besteht allerdings, wenn wir gleichzeitig viele „Kalziumräuber“ zu uns nehmen: reduziere Kochsalz, viel Zucker sowie Fertigprodukte und Wurst, da sie oft viel Phosphat enthalten.

 

Vorsicht ist bei Vitamin A geboten! Die meisten Präparate aus der Apotheke oder dem Drogeriemarkt enthalten unbedenkliche Mengen des Stoffes. Da aber immer mehr Supplemente über das Internet und damit teilweise aus nicht vertrauenswürdigen Quellen bestellt werden, ist eine genaue Kontrolle der enthaltenen Werte angeraten. Zu viel Vitamin A kann nämlich zu Fehlbildungen beim Fötus führen.

Gerade bei diesem Thema kann darum nicht oft genug betont werden: sprich jedenfalls mit einem Arzt oder einer Ärztin über Supplemente. Nimm niemals ein Produkt auf eigene Faust, denn viel hilft nicht immer viel – es kann dir und deinem Baby sogar schaden.

 

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*Quelle (Stand 10/2019): https://www.netdoktor.at/familie/schwangerschaft/nahrungsergaenzung-13838

**Quelle (Stand 10/2019): https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/nahrungsergaenzungsmittel-in-der-schwangerschaft-welche-vitamintabletten-werdende-muetter-brauchen-1.1310044-3

 

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