Negative Gefühle bei Kindern

Wie die Kleinen lernen, damit umzugehen

24.Apr 2020
Deutsch

Der Tobsuchtsanfall im Supermarkt ist das klassische Horror-Szenario für Eltern. Wie man den Kleinen helfen kann, die großen Gefühle in den Griff zu bekommen und wie Kinder den Umgang mit Emotionen lernen, schauen wir uns hier an!   


Foto: Sharon Mccutcheon via Unsplash
 

Emotionale Entwicklung von Kindern

Kinder müssen nicht nur das Gehen, Sprechen und Essen lernen, sondern auch, wie man mit Gefühlen umgeht. Das klappt natürlich nicht von heute auf morgen – es ist ein jahrelanger Prozess, den die Eltern mit ihrem Verhalten maßgeblich beeinflussen.

 

1. Lebensjahr

Babys entwickeln erst einmal Bindungen und brauchen Bezugspersonen, um eigene Stimmungen zu regulieren. Beruhigend wirkt hier auch noch eine rein physische Methode: das Nuckeln. Nicht umsonst werden Schnuller auch als „Beruhigungssauger“ bezeichnet. Diese gibt es schon für die Kleinsten und können die Brustwarzen entlasten.

Mit ca. 6-9 Monaten setzt das Fremdeln (die Trennungsangst) ein. Erleichternd für alle Beteiligten ist es, wenn das Kind ausreichend Zeit hat, andere Betreuungspersonen wie Babysitter in Ruhe kennenzulernen. Eltern sollten sich für eine Verabschiedung Zeit lassen. Das heißt nicht, dass man das Zeremoniell unendlich in die Länge ziehen muss, gemeint ist vielmehr, dass das Kind sich noch im Beisein der Eltern an die andere Betreuungsperson gewöhnen kann und im Idealfall schon spielt, wenn die Eltern sich verabschieden. Für schöne Abende zu zweit ist es also ratsam, auch für die „Übergabe“ genug Zeit einzuberechnen.

 

2.-3. Lebensjahr

Die Ich-Entwicklung ist voll im Gange und das Kind möchte seinen Willen vermehrt durchsetzen. Wie stark das Kind reagiert, wenn ihm das nicht gelingt, hängt vom Charakter ab. Heftige Trotzreaktionen gehören aber zur „normalen“ Entwicklung.

 

Wie reagiert man bei einem Tobsuchtsanfall?

Trösten schlägt bei heftig „trotzenden“ Kindern oft fehl. Dem akuten Bedürfnis bzw. Wunsch des Kindes (z.B. das Spielzeug im Laden) nachzugeben, ist aber auch keine gute Idee. Sehr wahrscheinlich führt das lediglich dazu, dass das Kind in Zukunft weiter versuchen wird, mittels Schreikrampf seinen Willen durchzusetzen. Empfohlen wird, stattdessen ruhig zu bleiben und das Kind „austoben“ zu lassen. Eltern sollten aber jedenfalls (!) beim Kind bleiben – auch um gefährliche Situationen mit Verletzungsgefahr im Auge zu behalten. Die Botschaft ist damit klar:

Ich bin bei dir, ich bleibe bei dir, aber ich gebe dir nicht nach.

Am Schwierigsten ist es mitunter, die gut gemeinten Ratschläge aus der Umgebung zu ignorieren. Und ganz wichtig ist, die Wut nicht persönlich zu nehmen oder als „Versagen“ zu empfinden. Der Zorn des Kindes ist kein Vorwurf oder Aggression gegenüber Mama oder Papa, sondern pure Verzweiflung wegen eines bestimmten Sachverhalts. Selbstregulation in Frust-Situationen muss man eben erst lernen. Dass die Wut nicht persönlich gemeint ist, merkt man bei den Kindern meist unmittelbar nach dem Anfall, wenn ur plötzlich alles wieder so ist, als wäre nichts gewesen.
 

Kinder brauchen Jahre, um zu lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen. Und manchen gelingt das bis ins hohe Alter nicht wirklich gut. Kinder lernen außerdem viel über das Nachahmen von Bezugspersonen: wie man selbst auf Frust reagiert, hat also enormen Einfluss auf das Verhalten der Kinder.

 

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Quellen:

https://www.psychotherapie.at/spari/Regina-Spari-Umgang-mit-kindlichen-Emotionen.pdf

https://kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/psychologie/1944

Remo H. Largo, Babyjahre, Auflage 4, 2017, S. 98 ff

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