Neustart mit Neugeborenem

Wie du zur neuen Routine findest

20.März 2020
Deutsch

Die Geburt eines Kindes würfelt erst einmal alles ordentlich durcheinander. Nichts ist mehr, wie es vorher war. Das ist schön, aufregend – und mitunter auch anstrengend. Aber wie bewältigt man den neuen Alltag mit Baby?


Foto: Vincent Delegge via Unsplash
 

Ausnahmezeit Wochenbett

Vor allem das frühe Wochenbett ist eine absolute Ausnahmesituation. Mutter und Baby müssen erst einmal die körperlichen Strapazen und Umstellungen schaffen, bevor es an das Finden einer neuen Alltagsroutine geht. Also keine Sorge, wenn hier noch alles irgendwie passiert. Stillen, Wickeln, Essen, Einkaufen etc. müssen und dürfen sich langsam einspielen.

Sehr sinnvoll ist es darum, schon vor der Geburt genug Hilfe für die ersten 2-3 Wochen zu organisieren. Folgende Tätigkeiten kann man oft relativ einfach delegieren:

  • (Vor-)Kochen
  • Einkäufe/Besorgungen machen
  • mit dem Hund spazieren gehen
  • Geschwister vom Kindergarten abholen oder nachmittags spielen
  • Wäsche machen/bügeln
  • Putzen

Egal welche Form von Erleichterung verfügbar ist – hab keine Scheu davor, sie anzunehmen!

 

Langsam zur Routine finden

Sobald vor allem Mama wieder so fit ist, kleine Spaziergänge zu machen und das Stillen bzw. Fläschchen-Geben klappt, kann es losgehen: ein strukturierter Tag hilft nicht nur den Eltern, sondern auch vielen Babys damit, sich im neuen Leben besser zurecht zu finden.

Kinder lieben verlässliche, sich wiederholende Abläufe – das gibt ihnen Sicherheit und Vertrauen.

Wie genau euer Ablauf am besten aussieht, hängt allerdings von vielen individuellen Faktoren ab:

  • Schlafrhythmus und -länge: sie sind zum einen altersabhängig, zum anderen aber auch individuell unterschiedlich. Ein Tag-/Nachtrhythmus entwickelt sich erst im Lauf von mehreren Wochen. Es ist also ganz normal, dass Babys nachts munter sind.
  • Stillrhythmus und -länge:. Es gibt Babys, die gern öfter schnell und kurz trinken und langsame Nuckler.
  • Berufstätigkeit: manchmal bestimmen auch die Umstände den Rhythmus – das muss aber kein Nachteil sein, manchmal klappt eine Routine auf Grund des „Zwangs“ besser als ohne.
  • familiäre Konstellation: je nachdem, wie viel Hilfe wann zur Verfügung steht, kann sich auch eine eigene Routine entwickeln. Z.B.: Oma geht immer vormittags mit dem Baby spazieren.
  • Wohnsituation: Hat das Baby von Anfang an ein eigenes Zimmer oder schläft es in einem Raum mit den Eltern? Auch das kann die Familien-Routine beeinflussen.

 

Hilfe, wie finde ich unseren Rhythmus?

Du musst den Tag nicht auf die Minute durchplanen und diesen Ablauf stur wiederholen.

Hilfreich sind fixe Abläufe zu bestimmten Gelegenheiten. Statt also den kompletten Tag festzulegen, fällt es manchmal leichter, einzelne Fixpunkte immer ähnlich zu gestalten:

  1. Aufwachen: wie beginnt der Tag? Z.B.: Stillen/Frühstück – Wickeln – Anziehen – Spazierengehen/Einkaufen
  2. Wickeln: Wie läuft das Wickeln ab? Gibt es ein bestimmtes Lied oder kleines Spielchen, das immer eingebaut wird – auch das ist eine schöne Routine, die dem Kind Sicherheit gibt.
  3. Stillen/Flasche geben: Habt ihr immer einen bestimmten Platz, Polster, Musik und eine Abfolge von Trinken – Aufstoßen – wieder trinken?
  4. Baden: hier lässt sich ebenfalls mit einer Reihenfolge beim Waschen einzelner Körperteile oder z.B. einem bestimmten Bade-tauglichen Spielzeug ein fixer Ablauf und eine verlässliche Wiederholung einbauen.
  5. Einschlafen: Essen, Wickeln, Gute-Nacht-Lied, Nachtlampe – ein Einschlafritual hilft allen Babys beim Abschalten.

Viele Mütter gehen vormittags nach dem Frühstück erst einmal eine längere Runde mit dem Kinderwagen oder dem Baby im Tragetuch spazieren – das bringt nicht nur frische Luft und Licht, sondern auch etwas Bewegung und ist eine tolle Gelegenheit für ein langes Schläfchen.

Besonders bei Schreibabys ist ein geregelter Tagesablauf eine wichtige Stütze und im Idealfall sogar „Therapie“. Vor allem ausreichender Schlaf ist für sensible Neugeborene wichtig. Regelmäßige Abläufe bzw. Reihenfolgen von Mahlzeiten und Ruhephasen helfen ihnen dabei, zur Ruhe zu kommen.

Bei aller Routine darf man aber auch entspannt bleiben: nichts ist in Stein gemeißelt und je nach Entwicklungsstand können sich die Abläufe von Woche zu Woche ändern. Mit etwas Hausverstand und Achtsamkeit gegenüber den Bedürfnissen aller Beteiligten gelingt es mit der Zeit, eine gute Balance zwischen konsequenter Struktur und alltagstauglicher Flexibilität zu finden.

 

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Quellen:
https://www.remo-largo.ch/assets/uea_61_remolargo.pdf

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