Nur keine Panik, Mama!

Blog Gastartikel: Familianistas

02.März 2018
Deutsch

Gastbloggerin Nicole vom Blog Familianistas über einen Kaltschweiß-Moment, in dem sie mit Schnappatmung verzweifelt um ihr Kind bangte. Schockstarre, Angstzustände und Panikattacken, wie sie eben nur Eltern kennen. 

Nur keine Panik, Mama!

Foto: Shutterstock

Der Moment steckt mir noch in den Knochen, als wäre er gestern gewesen. Und schon der bloße Gedanke daran, verleiht mir auf der Stelle Gänsehaut.

Meine Kleine war immer schon ein Mama-Kind wie aus dem Bilderbuch. Nie entfernte sie sich aus meinem Blickfeld, ohne vorher Bescheid zu geben. Wenn sie auf die Rutschbahn wollte, fragte sie. Wenn sie auf den Kletterturm wollte, wusste ich das. Es wäre ihr nicht im Traum in den Sinn gekommen, sich ungefragt zu entfernen.

Außer an jenem Samstagnachmittag im Juli. Am jährlichen Sommerfest im Quartier. Wir setzten uns am Rand des Getümmels auf eine Picknickdecke und mein Mann stürzte sich ins Gedränge, um was Essbares aufzutreiben. Die Kleine saß ganz brav auf der Wiese - in einem zehn Meter Radius zur Decke - und plapperte mit ihrer Puppe Hilda.

„Hey, schon lange nicht mehr gesehen!“ rief da plötzlich eine bekannte Stimme aus der Menge. Die Freude war riesig, denn ich hatte Maria, meine gute Freundin, seit der Geburt ihres Sohnes im Mai nicht mehr zu Gesicht bekommen. Sofort erhob ich mich von der Decke, um ihren jüngsten Spross von allen Seiten zu begutachten und mich mit ihr über schlaflose Nächte, gestaute Milchbrüste und Dammrissnarben auszutauschen.

Da gesellte sich auch schon mein Mann zu uns und sein fragender Blick war das Tor zur Hölle, die sich in den kommenden zwanzig Minuten vor uns auftun würde. „Wo ist die Kleine?“ - Ich konnte die Frage bereits in seinen Augen lesen, bevor auch nur ein Wort über seine Lippen kam.

Schüttelfrostartiger Kaltschweiß legte sich innerhalb von Sekunden über meinen ganzen Körper. Ich sah mich um, aber da lag nur die Puppe verweist im Gras. Wie auf dem Schauplatz eines Horrorfilms. „LIIIIVVVVVV!“ krächzte ich hysterisch. „Wir müssen logisch vorgehen.“ sagte mein Mann, der immer einen kühlen Kopf bewahrt, wenn es brenzlig wird. Ganz im Gegensatz zu mir. An meinem geistigen Auge zogen bereits Schlagzeilen vorbei: „Dreijährige spurlos am Quartierfest verschwunden!“ - Lead: „Mutter Nicole G. verzweifelt: „Sie hatte doch gerade noch mit ihrer Puppe gespielt!“. Schwarmartig verteilten wir uns in der Menschenmenge. Suchten hinter Wurst-Ständen, unter Festbänken, im Turm der Hüpfburg, im Klo. Nichts. Mein Herz raste mittlerweile als würde ich am Ironman um die Goldmedaille rennen. Atemlos erreichte ich schließlich die Rutschbahn, die vor lauter Kinder beinahe unter sich zusammenbrach. Und ganz zu Oberst entdeckte ich sie dann, meine Kleine. Seelenruhig wartend, bis sie endlich mit dem Rutschen an der Reihe war.

 Als ich sie danach fragte, warum sie ohne etwas zu sagen einfach weggelaufen sei, antwortete sie: „Mami, du hast dich doch so über die Maria und ihr neues Baby gefreut - da wollte ich dich nicht stören.“ Worauf ich natürlich auf der Stelle losheulte. 

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