Oh Mann: Ist er unfruchtbar?

Was tun, wenn sich beim Schwanger-Werden nichts tut?

23.Dez 2019
Deutsch

Wenn sich der lang ersehnte Kinderwunsch nicht erfüllt, ist guter Rat nicht immer teuer, aber umso verzweifelter gesucht. Die Erforschung der Ursache von Unfruchtbarkeit ist manchmal nämlich gar nicht so leicht. Schließlich können sowohl im Körper der Frau zum Beispiel Zyklusprobleme, Stoffwechselstörungen oder Myome vorhanden sein als auch beim Mann Probleme vorliegen. Welche das sind und wie man der Fruchtbarkeit auf die Sprünge helfen kann, schauen wir uns in diesem Artikel an.

Wann spricht man eigentlich von Unfruchtbarkeit?

Die WHO definiert Unfruchtbarkeit so: Es kommt nach einem Jahr mit regelmäßigem, ungeschützten Geschlechtsverkehr rund um den Eisprung (!) zu keiner Schwangerschaft.  
 

Allgemeine Ursachen für Unfruchtbarkeit

Einige Ursachen der Sterilität, also der Unfruchtbarkeit, sind nicht vom Geschlecht abhängig. Dazu zählen:

  • Übergewicht/Untergewicht
  • schlechte Ernährung
  • Nikotin
  • Alkohol
  • Drogen
  • Stress
  • Pestizide, Insektizide
  • und andere Schadstoffe bzw. Umweltgifte
  • Alter
  • Medikamente

Da in den Industriestaaten die Spermienqualität laufend abnimmt, ist davon auszugehen, dass diverse Umweltfaktoren einen enormen Einfluss auf die Fruchtbarkeit der Menschen (und anderer Lebewesen) haben. Zahlreiche in der Landwirtschaft aber auch in Privathaushalten erlaubte und eingesetzten Mittel werden deswegen vor allem von Umweltschutzorganisationen sehr kritisch gesehen. Dazu zählen zum Beispiel auch diverse Unkrautvernichter und „Schädlingsmittel“, wie die in den Medien oft im Zusammenhang mit dem Bienensterben erwähnten Neonicotinoide und das berühmt-berüchtigte Glyphosat. Bei vielen Mitteln gibt es Hinweise darauf, dass sie sehr langfristige Nebenwirkungen haben, auf den Hormonhaushalt und sogar das Erbgut wirken. Achte darum darauf, was du in deinem Garten oder im Blumenkästchen auf Balkon und Terrasse verwendest: im Zweifel lieber die Blattläuse und den Klee im Rasen leben lassen und dafür keine Sorgen um deine Gesundheit und die deiner Kinder machen.
 

Das Spermiogramm

Während der Zyklus der Frau ein hochkomplexes System mit einigen „Fehlerquellen“ darstellt, ist beim Mann die Ursachenforschung im ersten Schritt relativ einfach: es wird ein Spermiogramm gemacht. Schließlich ist einer der Hauptgründe für Sterilität beim Mann, dass zu wenige gesunde Spermien in der Spermienflüssigkeit (dem Ejakulat) enthalten sind. Ein Samenerguss hat durchschnittlich bis zu 6 ml Volumen. 1 ml enthält dabei in der Regel mindestens 20 Millionen Spermien. Und diese teilen sich bei einem normal fruchtbaren Mann wie folgt auf:

  • mehr als 50 % lebende Spermatozoen
  • mehr als 50 % normal geformt
  • mehr als 30 % normal beweglich
  • mehr als 20 % mäßig beweglich

Was unter anderem sonst noch im Ejakulat enthalten ist: Dopamin, Noradrenalin, Tyrosin, das Bindungshormon Oxytocin, Östrogene, Pheromone, ß-Endorphin und Wasser.
 

Weitere Untersuchungen

Der Urologe kann des Weiteren einen Hoden-Ultraschall und/oder eine Hodenbiopsie durchführen. Ein Blutbild mit Hormonstatus ist ebenfalls sinnvoll.
 

Ursachen für Unfruchtbarkeit

  • Obstruktive Azoospermie: gestörter Transportweg
    Neben der Qualität der Spermien ist auch ein „freier Weg“ eine Voraussetzung für eine Schwangerschaft. Das heißt, dass die Samenflüssigkeit problemlos von Hoden, Nebenhoden und Samenleiter hinausgelangt. Ursachen für Störungen können sein: Infektionen, Entzündungen, Harnröhrenverengung, Operationen, Zystische Fibrose, angeborene Fehlbildungen 
  • Schlechte Spermienqualität
    Bei der Oligozoospermie sind zu wenige Spermien im Ejakulat, weil entweder die Produktion oder der Transport nicht funktioniert. Das OAT-Syndrom (Oligo-Astheno-Teratozoospermie) bezeichnet das Problem, dass zu wenige, zu viele langsame und zu viele fehlgebildete Samenzellen im Ejakulat sind.
  • Gen-Defekte: Scheinbar gesunde und bewegliche Spermien sind nicht befruchtungsfähig, da sie auf Grund eines Gen-Fehlers nicht durch den Gebärmutterschleim gelangen.
  • Hodenprobleme
    Ist das Hodengewebe gestört, kann die Spermienproduktion leiden. Ursachen sind: bestimmte Krankheiten (Mumps), Infektionen (Chlamydien), Fehlbildungen wie Hodenhochstand, Hormonstörungen, genetische Defekte, Tumore (Hodenkrebs), Operationen (Prostata), Verletzungen und dauerhafte Überhitzung.
  • Stress
  • Anabolika
  • Immunologische Sterilität:
    Es werden Antikörper gegen die eigenen Spermien gebildet.
  • Erektionsprobleme
  • Hormonmangel (Testosteron)
  • Schilddrüsen-Störungen
     

Möglichkeiten der Therapie

Lässt sich beim Arzt oder bei der Ärztin ein konkretes physisches Problem feststellen, wird das entsprechend behandelt. Also z.B. eine Verklebung der Samenleiter gelöst oder eine Hormontherapie gestartet. Ist die Ursache nicht so leicht auszumachen kann jedenfalls ein Blick auf die Ernährung und psychische Faktoren nicht schaden:
 

Gute Ernährung – Bessere Spermien

Es ist eigentlich nichts Neues, aber dennoch kann man es nicht oft genug erwähnen: eine ausgewogene, abwechslungsreiche, vollwertige, frische Ernährung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln aus biologischem Anbau hat einen enormen Einfluss auf die Gesundheit – und damit auch auf die Fruchtbarkeit. Bei Männern stehen vor allem Fertigprodukte, bestimmte Fleisch- und vor allem Wurst-Waren im Verdacht, einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit zu haben.

Im Gegensatz dazu scheint die Wirkung von sogenannten „Phyto-Östrogenen“ – also pflanzlichen Stoffen, die Östrogen-artig sind – überschätzt zu werden. Oder anders gesagt: Männer müssen sich beim Konsum von Soja-Produkten keine Sorgen um ihre Fruchtbarkeit machen.

Generell kann starkes Übergewicht sowohl bei Frauen als auch bei Männern der Fruchtbarkeit schaden.
 

Anti-Stress-Programm

Lässt sich der Stress nicht durch naheliegende Methoden wie Arbeitsreduktion, aktive Entspannung, Sport oder (Kurz-)Urlaub erreichen, kann auch eine therapeutische Begleitung hilfreich sein. Das muss nicht heißen, dass tiefgreifende psychische Probleme behandelt werden: mit professioneller Hilfe lassen sich auch Methoden erlernen, mit Stress besser umzugehen und Burn-outs schon im Vorfeld zu verhindern.

Ein nicht unwesentlicher Faktor beim Thema Stress: es ist für eine Schwangerschaft nicht nötig, jeden Tag Geschlechtsverkehr zu haben. Im Gegenteil: die Menge und Qualität der Spermien nimmt dann mitunter ab.

Genießt lieber alle 3 Tage ganz entspannten Sex und Zeit zu zweit!

 

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Quellen:

https://www.netdoktor.de/kinderwunsch/unfruchtbarkeit/des-mannes/

https://de.wikipedia.org/wiki/Sperma

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130524_OTS0049/aerztin-dr-gimborn-nennt-gefaehrliche-auswirkungen-der-insektizide-auf-den-menschen

https://flexikon.doccheck.com/de/Unfruchtbarkeit

Foto: Shutterstock

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