PDA bei der Geburt – Na sicher? Nein, danke?

Vorteile, Nachteile und Meinungen

22.Okt 2019
Deutsch

Wieso sollte man sich freiwillig Schmerzen antun? Geht es um eine OP, wird schließlich auch niemand überlegen, ob man eine Narkose möchte. Was auf den ersten Blick wie eine rhetorische Frage klingt, verdient in Zusammenhang mit einer Geburt sehr wohl eine genauere Betrachtung. Wir versuchen, euch eine gute Wissensbasis für eine Entscheidung mitzugeben. Denn wie so oft gilt: kein Mensch ist gleich. Schmerzempfinden ist subjektiv. Babys sind unterschiedlich. Und diverse körperliche Zusammenhänge können bei jeder Frau anders sein.


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Aber fangen wir beim Einfachsten an:

Was ist eine PDA überhaupt?

Die Periduralanästhesie ist eine Form der Regionalanästhesie nahe dem Rückenmark – eine medizinische Methode um eine Empfindungslosigkeit bzw. Schmerzfreiheit in einem bestimmten Bereich herzustellen, während die Patientin bei vollem Bewusstsein ist. Sie wird in Österreich auch „Kreuzstich“ genannt, da sie an der Lendenwirbelsäule durchgeführt wird. Zuerst wird die Haut örtlich betäubt. Während die Schwangere sitzt oder seitlich liegt, wird mit einer speziellen Nadel zwischen zwei Wirbelkörper gestochen. Die Nadel wird vor dem Rückenmark platziert. In diesen „Periduralraum“ (oder „Epiduralraum“) wird in weiterer Folge ein dünner Plastikschlauch geschoben, über den das Betäubungsmittel eingespritzt wird. Im Idealfall spürt die Patientin jetzt keine Schmerzen mehr, sondern höchstens noch einen Druck. Über den Schlauch kann das Schmerzmittel während der Geburt nachdosiert werden.

Vorteile:

  • Die Schmerzfreiheit und dadurch bedingte Entspannung. Wenn die Dosierung passt, kann das Schmerzmittel auch so eingestellt werden, dass die Presswehen noch als Druck spürbar sind. Das ist insofern wichtig, als dass die Gebärende dadurch aktiv bei der Geburt mithelfen kann.
  • Wenn weitere Eingriffe nötig sein sollten (wie z.B. ein Dammschnitt oder eine Saugglocke), sind diese schmerzfrei.
  • Sollte ein (Not-)Kaiserschnitt nötig sein, sind alle Vorbereitungen für eine stärkere Betäubung bereits getroffen.
  • Es gibt mittlerweile kombinierte Methoden aus verschiedenen Mitteln, die nur die „Spitzen“ der Schmerzen kappen, d.h. eine entspanntere Geburt möglich machen, ohne dass sie die Frau zu sehr in der Bewegung und Empfindung einschränken. Das kann Vorteile für den Geburtsverlauf haben.

Nachteile:

  • Durch das Ausschalten des Geburtsschmerzes kann die Produktion bestimmter Hormone ausbleiben, die für den Geburtsverlauf und danach wichtig sind – zum Beispiel Glückshormone oder das „Still- und Bindungshormon“ Oxytocin.
  • Der Geburtsverlauf kann sich verlängern, weil die Wehen nachlassen.
  • Dadurch kann es notwendig werden, Wehenmittel zu spritzen, um die Geburt für das Kind stressfreier zu halten.
  • Wenn die Qualität der PDA nicht passt und die Dosierung falsch gewählt wurde, kann die Frau eventuell nicht mehr mitpressen, was eine Geburt mit der Saugglocke zur Folge haben kann. Das kann wiederum den Damm verletzen.
  • Es muss der Frau ein Harnkatheter gelegt werden, da auch der Harndrang nicht mehr gespürt wird.
  • Katheter und die stärkere Überwachung vom Gesundheitszustand der Mutter und des Kindes bedeuten diverse Klebeelektroden und Kabel am Körper, die die Bewegungsfähigkeit einschränken. Die Beine können ebenso von der Betäubung betroffen sein, so dass die Frau nicht mehr in der Lage ist, eine bestimmte Position einzunehmen. Das kann für den weiteren Geburtsverlauf von Nachteil sein.
  • Die PDA kann Nebenwirkungen auf den Kreislauf haben und Kopfschmerzen verursachen.

 

Fazit:

Eindeutig ja oder nein gibt es nicht. Auch in Fachkreisen gibt es Menschen, die PDAs kritisch gegenüberstehen und solche, die die Wirkung einer guten PDA schätzen. Wie so oft hängt vieles vom Können und der Erfahrung des Anästhesie-Teams ab. Und wie immer findet man im Internet Horrorgeschichten ebenso wie Loblieder – das macht eine persönliche Entscheidung natürlich nicht leichter. Fakt ist, dass Frauen seit sehr, sehr langer Zeit Kinder auf die Welt bringen. Und dass der Geburtsschmerz mit anderen Schmerzen nicht zu vergleichen ist. Für manche bedeutet das etwas Negatives, für andere etwas sehr Positives. Es gibt viele Methoden das Empfinden von Wehen positiv zu beeinflussen wie z.B. durch die Atmung oder aktive Entspannung in den Wehenpausen. All das kann man in der Geburtsvorbereitung lernen oder spezielle Kurse dazu suchen. Es lohnt sich jedenfalls, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Achte darauf, von welchen Quellen welche Informationen kommen – ein alternatives Geburtshaus wird vielleicht eine andere Sichtweise haben als eine Uni-Klinik. Aber das oberste Gebot ist: hör auf deinen Bauch und „spürt rein“ womit ihr euch wohlfühlt, denn das ist das Wichtigste für dich und dein Baby.

Tatsache ist jedenfalls: das Baby kommt so oder so raus.
 

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