Perzentilen: Wer will schon Durchschnitt sein?

Blog Gastartikel von „Einer schreit immer“

17.Jul 2018
Deutsch

Perzentilen sind Durchschnittswerte. Sie können wichtige Indikatoren für Krankheiten sein. Trotzdem sollte man sich als Mutter nicht davon verrückt machen lassen. Gastbloggerin Christina von „Einer schreit immer“ erzählt pointiert, warum sich Mütter nicht von Zahlen und Tabellen einschüchtern lassen sollten.

 

Laut Statistik leben im Vatikan aktuell pro Quadratkilometer vier Päpste. Die Durchschnitts-Österreicherin ist im Schnitt 12 Jahre verheiratet und lässt sich mit 41,9 Jahren scheiden. Sie geht jährlich etwa 1,8 Mal ins Kino und trinkt 107 Liter Bier. Manchmal sind Statistiken ganz schön überflüssig: Warum lassen wir Mütter uns dann von Perzentilen verrückt machen?

„Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast“, soll schon Winston Churchill gesagt haben. Was er damit meinte? Man kann Zahlen eben verschieden auslegen. Man kann Messwerte vergleichen und optimieren. Man kann damit evaluieren und optimieren. Und man kann vor allem eines: Messwerte eben richtig oder auch falsch auslegen und damit Menschen mit einem durchschnittlichen Hausverstand überdurchschnittlich verrückt machen. Das passiert gerade dann, wenn es um Kinder und die berühmt berüchtigten Perzentilen geht.

Ich möchte kurz aus dem Nähkästchen plaudern:  Denn ich war neulich bei der Kinderärztin zur Routineuntersuchung. Als pflichtbewusste Mutter macht man so etwas, auch wenn man als denkender Mensch dabei vieles hinterfragt. Denn wenn wir uns die Statistiken anschauen, so wissen wir: Eine Fachärztin hat laut wissenschaftlichen Messungen im Prinzip 11,5 Minuten Zeit für einen Patienten. Aber da ich weiß, dass Statistiken nichts über den Einzelfall aussagen, ging ich trotzdem hin. Wir sprechen ja immerhin nur von einem Durchschnittswert. Und der muss ja in Wahrheit gar nicht so sein.  
 

Perzentilen sind eben nur Durchschnittswerte

Meine statistisch gesehen 1,4 Kinder (Zwillinge) wurden gewogen, gemessen und mussten ihre gelernten Tricks vorführen. Insider-Mütter wissen: Wir sprechen dabei von dem Mutter-Kind-Pass oder eben U-Untersuchung. Während die Kinderärztin die Stirn runzelte und rechnete, dachte ich an ein paar Statistiken, die ich kürzlich gelesen hatte: 23 Prozent aller Fotokopierer-Schäden werden von Leuten erzeugt, die ihren Hintern kopieren wollen. Ich dachte daran, dass laut Statistik ein Millionär und ein Bettler jeder eine halbe Million Euro besitzen. Gedankenversunken beachtete ich gar nicht, dass die Ärztin immer stiller wurde. Und schließlich sagte sie: „Zwilling 1 ist laut Statistik zu klein. Und Zwilling 2 zu groß. Man könnte da was mit Hormonen machen.“

Obwohl die Zwillinge ja laut Messung zusammen ganz toll im Durchschnittswert liegen, wurde ich ein wenig unentspannt. Und schließlich sagte ich: „Ich glaube nur noch zu 10 Prozent an Statistiken, zu 80 Prozent an Erfahrungswerte und Hausverstand und in 10 Prozent aller Fälle verlasse ich mich auf das Bauchgefühl ....“

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