Postpartale Depression

Wie erkenne ich sie und wie wird sie behandelt?

14.Apr 2020
Deutsch

Das Baby ist da und alle Welt ist glücklich – oder doch nicht? Es ist nicht ungewöhnlich, dass Mütter (aber auch Väter) nach der Geburt ein Stimmungstief erwischt. Woran das liegt und was man dagegen tun kann, erfährst du hier.


Foto: Kinga Cichewicz via Unsplash

Definition einer postpartalen Depression

Wikipedia beschreibt sie als „psychische Zustände oder Störungen, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit dem Wochenbett auftreten“.*

Dabei werden 2-3 Abstufungen unterschieden:

  • das Stimmungstief, auch „Baby blues“ genannt
  • die postpartale Depression
  • und teilweise auch die postpartale Psychose
     

Die Bandbreite reicht also von einer leichten Verstimmung bis hin zu einer ernsthaften, schweren, psychischen Erkrankung.

 

1. Der Babyblues

In der leichtesten Ausprägung der postpartalen Depression zeigt sich die Stimmungsveränderung meist in einigen „verheulten“ Tagen unmittelbar nach der Geburt. Manchmal ist der Spuk auch innerhalb weniger Stunden vorbei. Die Angaben schwanken, aber man geht davon aus, dass die Hälfte aller Gebärenden in irgendeiner Weise mit dieser Form von Gemütstief zu kämpfen haben.

Anzeichen:
Häufiges Weinen, Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Überforderung
Diese Verstimmung wird teilweise nicht als Erkrankung eingestuft, sondern gilt als „normal“.**

 

2. Die Depression

Sie ist eine Erkrankung, die sich im Gegensatz zum Baby blues erst nach einigen Wochen oder Monaten nach der Geburt zeigt. Man nimmt an, dass 10-20% der Mütter davon betroffen sind. Eine professionelle Beratung und Behandlung ist unbedingt notwendig, da dadurch nicht nur der Gesundheitszustand der Mutter verbessert wird, sondern auch die positive Entwicklung des Kindes gefördert wird. Einige Psychopharmaka sind auch stillverträglich.

Anzeichen: Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Schuldgefühle, innere Leere, Teilnahmslosigkeit, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Ablehnung des Kindes, Panikattacken, Selbstmordgedanken

 

3. Die Psychose

Die Wochenbettpsychose ist eine seltene Erkrankung, die plötzlich auftritt und schwere psychische Störungen bis zu Halluzinationen verursacht. Hier ist sofort professionelle, ärztliche Hilfe nötig, sowie meist ein Klinikaufenthalt unumgänglich.
 

(!) Eine postpartale Depression muss unbedingt behandelt werden.

 

Ursachen von Babyblues und postpartaler Depression (PPD)

#1 Biologische/körperliche Gründe

  • Anstrengung durch die Geburt/Erschöpfung
  • Hormonelle Umstellung: Progesteron und Östrogenlevel ändern sich schlagartig
  • Ungleichgewicht oder Störung bei der Funktion der Schilddrüse, einige Schilddrüsenerkrankungen wie Hashimoto können durch die Geburt ausgelöst werden
  • Frauen, die vor der Geburt an PMS litten, haben eine größere Wahrscheinlichkeit auch von einer PPD betroffen zu sein
     

#2 Soziale Faktoren

  • Überforderung im Alltag mit Baby
  • Viele Mütter sind bald nach der Geburt auf sich allein gestellt, fehlender Sozialkontakt
  • Verlust von gewohnten Strukturen wie z.B. Arbeitsplatz, Kollegen
     

#3 Psychologische Gründe

  • Zu hohe Erwartung an sich selbst, Versagensängste
  • Geburtstrauma
  • Druck von außen
  • Probleme mit der Umstellung des Alltags und Fokussierung auf das Baby
  • Aufbrechen bzw. Wiederaufkeimen von vergangenen Krisen, unbewältigten Problemen wie z.B. schwierige Familienverhältnisse oder sexuelle Übergriffe in der Vergangenheit

Eine postpartale Depression unterscheidet sich in vielen Punkten nicht von einer Depression, die auch sonst bei jedem Menschen auftreten kann. Anders sind lediglich die zusätzlich auftretenden Schuldgefühle, die Mütter mit Depression ihren Kindern gegenüber haben.

Sie sind tatsächlich oft nicht in der Lage, richtig auf das Kind einzugehen. Die Depression kann sich also auch beim Kind in einer Entwicklungsstörung zeigen – umso wichtiger ist eine sofortige professionelle Behandlung.

Ebenso wichtig: jede Menge Verständnis und Unterstützung aus dem Umfeld. Nicht umsonst heißt es, dass es für das Aufziehen eines Kindes ein ganzes Dorf braucht. Es ist absolut in Ordnung einzugestehen, dass man mit einem Neugeborenen und dem neuen Alltag nicht alleine zurechtkommt.

 

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Quellen:
*https://de.wikipedia.org/wiki/Postpartale_Stimmungskrisen
https://www.psychotherapie-gutmann.at/postnatale-depression/
https://www.hebammenzentrum.at/postpartale-depression
**https://www.netdoktor.at/krankheit/wochenbettdepression-6688572
https://www.gesundheitsinformation.de/depression-nach-der-geburt-was-kann-helfen.2686.de.html?part=nachdergeburt-kl

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