Probier doch bitte wenigstens davon!

Blog Gastartikel: Familianistas

15.Sep 2016
Deutsch

In der Kolumne von Gatautorin Andrea vom Blog Familianistas dreht sich alles um einen Satz, den wohl jede Mama schon einmal gesagt hat: "Probier doch wenigstens bitte davon!"

Probier doch bitte wenigstens davon!

Foto: Shutterstock 

Die Szene wiederholt sich bei jedem Essen: Der Kleine kriegt einen Teller mit Liebe gekochter Köstlichkeiten vorgesetzt – und er pickt sich nur das Fleisch raus. Am liebsten in Wurstform. Und natürlich Nudeln, die gehen immer. Jeglicher Versuch, dem Zweijährigen die Zucchini, Kartoffeln oder den Salat schmackhaft zu machen, wird unter vehementem Kopfwegdrehen und Protestrufen verweigert.  Auch die üblichen Spiele à la „Ein Löffel für Mama, einer für Papa - einer für Dich!“ und das gute Zureden des großen Bruders – der übrigens in punkto Essen damals völlig easy war- nützen wenig. Ebenso, dass der Kleine beim Kochen tüchtig mitschnippeln durfte. Am Ende bleibt alles, was grün und gesund aussieht, kategorisch im Teller liegen, wird unauffällig über den Rand geschoben. Oder, noch besser: Er schmeißt es direkt der Mama in den Teller.

Diese Allüren halten den Kleinen allerdings nicht davon ab, nach dem Essen stinkfrech einen Dessert zu verlangen. Spätestens, wenn er sieht, wie sich sein großer Bruder ein Stück Schokolade aus dem Schrank holt. Und schon haben wir das Dilemma: Soll man als Eltern jetzt standhaft bleiben? So ganz nach dem Oldschool-Motto: Wer seinen Teller nicht leer isst, kriegt auch nix Süßes. Oder soll man nachgeben? Weil man sich keinem erneuten Gebrüll aussetzen will. Es ist und bleibt schwierig.

Mit Kindern ist die Ernährungsfrage ja eigentlich immer ein Thema. Von der Geburt weg bis ins Teeniealter. Isst das Kind genug? Trinkt es ordentlich? Hat es genügend Vitamine gekriegt heute? Zuviel Süßes? Fragen, die uns Eltern täglich beschäftigen. Gerade im Wissen, dass Ernährungsberater dazu raten, einem Kind pro Tag fünf Portionen (= 1 Kinderhand) Gemüse, Obst und Salat zu verabreichen und im Vergleich dazu gerade mal eine Portion Fleisch, Fisch oder Ei. Na, bravo! Funktioniert bei unserem Kleinen schon mal nicht. Müssen wir uns jetzt Sorgen machen, dass er übergewichtig wird und/oder Zahnprobleme kriegt?

Nein! Offenbar nicht. Denn das Zauberwort heißt – einmal mehr – Gelassenheit. Das liest man jedenfalls immer wieder in den unzähligen Artikeln, die von Ernährung im Zusammenhang mit Kindern handeln. Tja, zum Essen zwingen geht ja wirklich schlecht. Dann soll sich das Kind halt zwei Wochen lang von Pasta allein ernähren. Oder von kleinen Snacks tagsüber. Mit Vorliebe die vom Nachbarskind, denn die sind ja aus unerfindlichen Gründen immer spannender. Fakt ist: Irgendwann hat es sicherlich keine Lust mehr aufs ewig Gleiche und wird was Neues ausprobieren wollen. Wichtig ist, dass man nicht aufhört, andere Lebensmittel anzubieten. Das Kind soll immer wieder probieren können, auch wenn es beim ersten Mal noch das Gesicht verzieht – beim fünften Mal hat es sich vielleicht mit dem neuen Geschmack angefreundet. Und solange das Kind seine Eltern, Geschwister und Freunde beim gemeinsamen Kochen und Essen beobachten kann, hat es jedenfalls schon mal gute Vorbilder.

Übrigens: Seltsamerweise isst unser Kleiner ja Miesmuscheln total gerne.  Das hat uns letzthin beim Moules-et-Frites-Essen total überrascht. Es ist also definitiv noch nicht alle Hoffnung verloren! 

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