Risikoschwangerschaft mit 35?

Immer mehr Frauen werden „Last-Minute-Mamas“

14.März 2017
Deutsch

Sei es um Ausbildung und Karriere nicht vorzeitig zu unterbrechen, oder weil schlichtweg der Partner dazu fehlt. Es gibt viele individuelle Gründe, die dazu führen, dass immer mehr Mamas spätgebärend sind. Statistiker erklären es auch mit der immer höher werdenden Lebenserwartung, die eine späte Mutterschaft begünstigt. Es gibt allerdings unterschiedliche Angaben zum Prozentanteil der Spätgebärenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Tendenz ist jedoch in allen drei Ländern steigend: Es wurde ein klarer Trend zur Erstgeburt ab dem 35. Lebensjahr festgestellt. „Postponement“ ist Teil unseres soziokulturellen Wandels geworden.

 

Risikoschwangerschaft mit 35? Fotos: Shuttrerstock

Spätgebärend – eine Sache der Definition

Sind die Begriffe „Spätgebärende“ oder „Risikoschwangere“ im Jahre 2017 nicht völlig veraltet? In den 70igern waren Erstgebärende im Durchschnitt 25 Jahre alt. Dementsprechend galt man damals mit 30 bereits als spätgebärend. Heutzutage bezahlen gesetzliche Krankenkassen werdenden Müttern ab einem Alter von 35 auch gewisse Untersuchungen des Ungeborenen, welche über die übliche Schwangerschaftsvorsorge hinausgehen. Demnach gilt man im Allgemeinen mit 35 als spätgebärend.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Vermutlich gibt es so etwas wie „den richtigen Zeitpunkt“ in Bezug auf Mutter- oder Elternschaft nicht. Durch aufgeklärte Verhütung und auch durch fortlaufende Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin wurde es aber während des letzten halben Jahrhunderts möglich, eine Schwangerschaft immer konkreter zu planen. Viele Paare lassen sich ganz einfach Zeit, um erst mal den wirtschaftlichen Boden für eine Familie zu ebnen. Die Planung der beruflichen Auszeit spielt dabei keine unwesentliche Rolle.

Und während ihrer Ausbildung wollen viele junge Frauen ihr Leben genießen, und nicht gleich in die Pflicht genommen werden. Ab etwa dem 30. Lebensjahr beginnt dann allmählich die „biologische Uhr“ lauter zu ticken. Frauen werden zunehmend bereiter für den Nestbau und sehnen sich nach der einzigartigen Erfahrung von Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft. Ein Instinkt, der durchaus auch bei den Männern vorhanden ist. Denn in der Regel geht es bei ihnen ja um die Bereitschaft als Partner und Vater präsent zu sein. Nachdem die biologische Uhr des Mannes etwas anders tickt, ist die Abstimmung aufeinander aber nicht immer einfach. Und Frauen, die grundsätzlich alleinerziehend sein wollen, sind dann doch eher selten. Der Entscheidungsweg kann letztlich sehr herausfordernd sein.

Risikoschwangerschaft mit 35?

Risiko oder Chance?

In der Medizin wird die Schwangerschaft bei einer Frau ab 35 als „Risikoschwangerschaft“ bezeichnet. Das heißt nicht, dass du mit Komplikationen rechnen musst. Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 ist das Risiko für einen komplizierten Schwangerschaftsverlauf bei älteren Mehrgebärenden höher als bei einer späten Erstgebärenden. Besonders wichtig ist hier die Beratung durch Hebammen und behandelnde Ärzte. Natürlich ist jede Schwangerschaft eine Belastung für Organe und Herz-Kreislaufsystem. Wenn du aber gesund bist und während der Schwangerschaft gut auf deine Körpersignale achtest, sollte das nicht bedenklicher sein, als bei jüngeren Frauen. 

Ein weiterer Trugschluss: Trotz höherem Geburtsalter besteht kein zwingender Anlass für eine Kaiserschnitt-Entbindung. Eine vaginale Geburt ist auch bei Frauen mit Vierzig gut möglich. Die Entscheidung wann du ein Kind bekommst, liegt natürlich ganz bei dir. Aber die biologischen Vorteile, die jüngere Frauen haben, müssen dir nicht unbedingt ab 35 fehlen.

So sehr es auch eine Herausforderung sein kann, ein Kind auf seinem Lebensweg zu begleiten, so bleibt es doch letztlich ein kostbares Geschenk. Das wohl kostbarste der Welt. 

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