Samenspende

Mama werden ohne Mann

03.März 2020
Deutsch

Der Kinderwunsch kann manchmal gewaltig sein und nimmt meistens keine Rücksicht auf die Umstände. Vor allem Frauen kann schlicht und einfach die Zeit davonlaufen, schließlich haben sie aus rein biologischen Gründen nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung, um schwanger zu werden. Doch was tun, wenn der Kinderwunsch da ist, aber kein Mann in Sicht?


Foto: Shutterstock 
 

Die rechtliche Situation bei Samenspenden
 

# In Deutschland

Das Embryonenschutzgesetz (ESchG) regelt, welche Art von Behandlung bei Kinderwunsch erlaubt bzw. verboten ist.

Unter Strafe stehen:
  • Eizellspende
  • Leihmutterschaft
  • kommerzielle Embryonenspende
  • sowie Entnahme eines Embryos vor Einnistung zur Übertragung auf eine andere Frau

Die Frauen, die Eizellen oder Embryonen spenden, sowie die Empfängerin werden zwar nicht bestraft, aber das beteiligte ärztliche Personal macht sich strafbar.

Samenspenden werden im ESchG nicht genannt und gelten als erlaubt. Es kann allerdings sein, dass Ärzte, Ärztinnen, Kliniken oder Samenbanken eine Samenspende nur unter bestimmten Voraussetzungen durchführen (z.B. nur bei Paaren). Teilweise gelten pro Bundesland unterschiedliche Regelungen der jeweiligen Ärztekammer.

Kinder haben jedenfalls immer das Recht zu erfahren, von wem die Samenspende stammt. Seit 1.7.2018 gilt in Deutschland ein Gesetz, das besagt, dass Kinder, die nach 1.7.2018 durch eine Samenspende gezeugt wurden, ab dem 16. Geburtstag das Recht auf Auskunft über die Identität des Spenders haben. Zuständig ist das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation (DIMIDI), welches das bundesweite Samenspenderregister führt.

Da das ESchG aus dem Jahr 1990 stammt, wird es viel kritisiert – vor allem wegen seiner veralteten Sicht auf die Reproduktionsmedizin im Allgemeinen und diskriminierende Bestimmungen.

 

# In Österreich

§2 des Fortpflanzungsmedizingesetzes (20.1.2020) sagt: „Eine medizinisch unterstützte Fortpflanzung ist nur in einer Ehe, in einer eingetragenen Partnerschaft oder in einer Lebensgemeinschaft zulässig.“

Das heißt: Alleinstehende Frauen und lesbische Paare ohne eingetragene Partnerschaft können in Österreicher keine Kinderwunschbehandlung an einer Klinik durchführen lassen.

 

Private Samenspende

Die einzige Möglichkeit für Single-Frauen und nicht „amtliche“ lesbische Paare ist auf Grund der rechtlichen Lage eine private Samenspende. Doch auch heterosexuelle Paare, bei denen der Mann unfruchtbar ist und die sich die hohen Kosten einer Kinderwunschbehandlung sparen wollen, greifen auf diese Möglichkeit zurück. Die private Samenspende ist allerdings rechtlich etwas heikel. In Österreich ist laut Fortpflanzungsmedizingesetz die Vermittlung von Sperma zu Fortpflanzungszwecken eigentlich nur unter bestimmten Voraussetzungen (siehe u.a. oben, §2) und in einer dafür zugelassenen Krankenanstalt erlaubt. Die Gründe sind einfach nachvollziehbar: auf diese Art werden gesundheitliche Risiken durch das Sperma möglichst geringgehalten und auch rechtliche Fragen im Vorfeld geklärt.

Ungeachtet der rechtlichen Grauzone beim Thema private Spermaspende gibt es in Österreich und Deutschland eigene Online-Plattformen, um einen privaten Spender zu finden. Sie funktionieren wie bekannte Dating-Seiten. Spender und/oder suchende Personen stellen sich vor, tauschen sich aus und treffen einander. Das Sperma wird entweder mittels „Bechermethode“ übergeben oder auf „natürliche Weise“ – also durch Geschlechtsverkehr. Rechtlich problematisch ist übrigens nur die Bechermethode – was auf natürlichem Wege zwischen einem Mann und einer Frau passiert, dürfen die beiden selbst klären.

Achtung, darum gilt auch: Vor einer privaten Samenspende sollte vorher unbedingt eine rechtliche Beratung stattfinden. Es gilt für alle Betroffenen unter anderem finanzielle und erbrechtliche Fragen zu klären, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden.

Auch der gesundheitliche Status von Spender und Frau sollte vorher geklärt und nachgewiesen sein. Viele Spender und Empfängerinnen verlangen darum einen aktuellen HIV-Test.

Eine weitere Möglichkeit ist, Sperma von ausländischen Samenbanken zu bestellen und mittels Spritze zur Zeit des Eisprungs selbst einzuführen oder die Insemination im Ausland durchführen zu lassen. Das deutsche Samenspendegesetz gilt übrigens auch für ausländische Spender, wenn der Samen von einer deutschen Frau verwendet wird. Das heißt, dass das Kind das Recht auf die Auskunft über die Identität hat.

Für alleinstehende Frauen in Deutschland bietet der Verein DI-Netz e.V. spezielle Info-Veranstaltungen. Mehr Informationen zum Thema Samenspende und Kontakt zu Selbsthilfegruppen hat auch der Verein Wunschkind e.V.

 

Samenspende über eine Kinderwunschklinik

Lesbischen Paaren in einer eingetragenen Partnerschaft steht der Weg offen, über eine Kinderwunschklinik schwanger zu werden. Der Vorteil: Hier gibt es bereits bestehende Spenderverträge, die im Vorfeld diverse Fragen klären.

Wichtig: nach Vollendung des 14. Lebensjahres hat das Kind aber auch bei einer anonymen Samenspende das Recht zu erfahren, wer der Vater ist (§20 FMedG). Die Daten müssen von der Kinderwunschklinik für eine bestimmte Zeit bzw. unter bestimmten Voraussetzungen aufbewahrt werden. Nach der Frist werden in Österreich die Daten an den Landeshauptmann übermittelt und dort auf Dauer aufbewahrt.

Mehr zu möglichen Kinderwunschbehandlungen findest du übrigens hier.

 

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Quellen:
https://www.dimdi.de/dynamic/de/weitere-fachdienste/samenspender-register/
https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10003046
https://www.gesetze-im-internet.de/eschg/BJNR027460990.html
https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/schwanger-durch-samenspende-ein-kind-auch-ohne-mann/23130392.html
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnstliche_Befruchtung

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