Schadet Stress der Fruchtbarkeit?

Mit Entspannung schneller schwanger werden

02.Jul 2020
Deutsch

Stress ist nicht nur psychisch unangenehm, er kann auch körperliche Beschwerden verursachen – so viel ist bekannt. Wie sehr Stress sich aber auf die Fruchtbarkeit auswirkt, war lange Zeit nicht klar. Eine amerikanische Studie brachte etwas Licht ins Dunkel. Das spannende Ergebnis liest du hier!


Foto: Unsplash

Was ist Stress eigentlich?

Unter Stress versteht man eine geistige und körperliche Anspannung, die durch äußere Reize verursacht wird. Biologisch gesehen hat das durchaus auch positive Effekte: so ermöglicht der Stress bzw. die dadurch ausgelösten körperlichen Reaktionen Menschen und andere Lebewesen zu besonderen Leistungen. Belastungen können besser ertragen werden und/oder akut zusätzliche Kräfte in Gefahrensituationen mobilisiert werden.1

Unter „Eustress“ versteht man diesen positiven, leistungssteigernden Stress. „Disstress“ ist die negative Variante, bei der Probleme zu überwältigend und unlösbar erscheinen.

Stress kann aber nicht so einfach als positiv oder negativ bewertet werden, da jeder Mensch auf Grund unterschiedlicher psychischer und physischer Voraussetzungen anders damit umgeht. Manche spornt Stress zum Beispiel an, andere verdrängen ihn lieber und wieder andere werden gar aggressiv. Stressfaktoren werden außerdem oft erst negativ empfunden, wenn sie über einen längeren Zeitraum bestehen.

Bei Stress werden bestimmte Hormone und Enzyme freigesetzt. Diese lassen sich messen – Stress ist darum auf verschiedene Arten nachweisbar. Genau hier setzt die amerikanische Studie an.

 

Wie Stress die Fruchtbarkeit beeinflusst

Schon länger bekannt ist, dass dauerhafter Disstress das Immunsystem schwächt und das Herz-Kreislauf-System belastet. Stress in der Schwangerschaft kann sich negativ auf das Kind auswirken.2 Aber wie ist das vor der Schwangerschaft?

Ein hoher Wert des Stress-Enzyms alpha-Amylase reduziert die Chance auf eine Schwangerschaft um ca. 30%.3

Unklar war bisher, ob der Stress nicht eine Folge der Unfruchtbarkeit war. Bei der aktuellen amerikanischen Studie wurden jedoch Paare untersucht, bei denen nichts auf Fruchtbarkeitsprobleme hindeutete. Auch andere Faktoren wie Alkoholkonsum oder Alter wurden berücksichtigt. Unter Einbeziehung all dieser Punkte konnte dennoch nachgewiesen werden, dass die Furchtbarkeit bei hohem Stress-Level sank.

Frauen, bei denen im Speichel ein bestimmtes Stress-Enzym (alpha-Amylase) in hoher Konzentration festgestellt wurde, hatten im entsprechenden Zyklus eine um 29% geringere Chance schwanger zu werden. Außerdem war die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch, dass es auch innerhalb eines Jahres zu keiner Schwangerschaft kommen würde.3

Für einen weiteren Stressmarker, das Hormon Cortisol, konnte der Zusammenhang übrigens nicht festgestellt werden.

Um sich in der „Hibbelzeit“ nicht unnötig zu stressen, hilft vielleicht auch folgende Erkenntnis: Stress ist nicht der einzige und wichtigste Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Wenn du schwanger werden möchtest, achte mehr auf deine Bedürfnisse. Meistens weiß man selbst am besten, was Stressfaktoren minimiert oder – wenn diese einfach nicht vermeidbar sind – bei der Entspannung hilft.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem richtig schönen, langen Urlaub? Das kann auf keinen Fall schaden!

 

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Quellen:

1) https://de.wikipedia.org/wiki/Stress

2) https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4nataler_Stress

3)

https://www.researchgate.net/publication/261069012_Preconception_stress_increases_the_risk_of_infertility_Results_from_a_couple-based_prospective_cohort_study-the_LIFE_study

Lynch, Courtney & Sundaram, Rajeshwari & Maisog, José & Sweeney, A.M. & Louis, Germaine. (2014). Preconception stress increases the risk of infertility: Results from a couple-based prospective cohort study-the LIFE study. Human reproduction (Oxford, England). 29. 10.1093/humrep/deu032.

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