Scheidung: Wenn Eltern sich trennen - Teil 2

Wie sagen wir es dem Kind?

21.Feb 2017
Deutsch

Eine Trennung oder Scheidung macht zum Beispiel Sinn, wenn Konflikte nicht mehr konstruktiv ausgetragen werden können oder natürlich auch, wenn die Liebe einfach erloschen ist. Für gemeinsame Kinder sind die anstehenden Veränderungen oft besonders schwer zu verstehen. Der Umgang mit der Trennung wird für beide Elternteile vermutlich sehr herausfordernd werden. Vor allem auch, wenn es darum geht, das Kind (oder die Kinder) richtig darauf vorzubereiten.

Scheidung: Wenn Eltern sich trennen - Teil 2

Fotos: Shutterstock 

Bei der schwierigen Frage, wie und wann ihr eurem Kind mitteilt, dass ihr zukünftig getrennte Wege gehen werdet, gilt es natürlich das Alter und den individuellen Reifegrad zu berücksichtigen. Auch der Charakter des Kindes spielt dabei eine Rolle.

Bei jüngeren Kindern beziehungsweise Babys, ist der verbale Erklärungsbedarf im Grunde nicht allzu hoch. Sie können sich auf veränderte Alltagssituationen relativ rasch einlassen. Solange das gewohnte Umfeld stabil bleibt und die primäre Versorgung gewährleistet ist, ist deren Welt in Ordnung. Dennoch sollte auf spielerische Art vermittelt werden, dass „Mami und Papi nicht mehr so viel Spaß miteinander haben.“ Besonders, wenn Konfliktsituationen öfters vor dem Kind ausgetragen wurden, sind Kleinkinder irritiert. Sie nehmen die Situation wahr, auch wenn sie nicht im selben Moment darauf emotional reagieren können.

Der Prozess des Verarbeitens

Wichtig ist, dass das Verarbeiten in vielen Fällen bei Kindern zeitverzögert passiert und sich womöglich in einem ganz anderen Zusammenhang äußert. Bettnässen zum Beispiel kann (muss aber nicht) eine Reaktion auf nicht bewältigte emotionale Konfliktsituationen hinweisen. Mit Hilfe von Experten kann rasch herausgefunden werden, ob überhaupt ein Zusammenhang besteht. Wenn ja, ist das aber ein lösbares Problem.

Scheidung: Wenn Eltern sich trennen - Teil 2

Um das ganze Thema dem Kind richtig näherzubringen, solltest du ein paar Dinge berücksichtigen, die dabei für alle Beteiligten unterstützend sein können:

1.  In jedem Fall solltet ihr es dem Kind gemeinsam sagen. Wichtig ist auch, dass ihr euch gemeinsam auf dieses Gespräch vorbereitet. Eurem Kind werden diese Minuten voraussichtlich sein ganzes Leben lang im Gedächtnis bleiben. Bewahrt dabei Ruhe und Haltung! Redet nicht lange um den heißen Brei herum, sondern teilt es dem Kind als eine Tatsache mit.

2. Sagt eurem Kind, dass es das Recht hat wütend und traurig zu sein. Und dass es mit jedem von euch beiden jederzeit darüber reden kann. Gebt ihm Zeit, alles sacken zu lassen. Versichert ihm aber nochmals, dass es keine Schuld an der Trennung hat!

3. Sucht euch einen ruhigen Moment ohne Streitigkeiten aus, um mit eurem Kind über die Trennung zu sprechen. Als Elternteil solltest du dabei stets authentisch bleiben! Es macht keinen Sinn, wenn du dich verstellst. Weder emotionale Selbstdisziplin noch verzweifelte Unehrlichkeit verbessern die Situation.

4. Im Lauf der Zeit werden sich die Umstände und Vereinbarungen zwischen den getrennten Partnern ändern. Sprecht darüber ruhig immer wieder mit dem Kind. Allerdings nur über jene Dinge, die das Kind direkt betreffen. Es sollte wissen, wann es von Papa für das Campingwochenende abgeholt wird. Hingegen muss euer Sprössling nicht wissen, wenn der Unterhalt ausbleibt.

5. Vereinbarungen müssen zuverlässig und wie geplant ablaufen. Ambivalente Vereinbarungen, die auf Machtspielchen zwischen den Ex-Partnern basieren, stellen für das Kind eine immense Belastung dar.

6. Nicht vergessen: Selbst Kleinkinder haben einen natürlichen siebten Sinn. Sie sind mit dir und deinem Partner zutiefst verbunden. Selbst die gutgemeinte Weihnachtslüge wird bei der Auflösung von manchen Kindern als Vertrauensmissbrauch interpretiert. Deshalb merken sie auch, wenn du ihnen etwas vormachst!

Sende diese Seite an einen Freund