Schlafen lernen

Ein Traum für Eltern, ein Alptraum für das Baby?

22.Nov 2019
Deutsch

Wenn man „Baby schlafen“ googelt, wird man von einer Fülle von Ratgebern zum Thema überschwemmt. Die Titel versprechen geplagten Eltern vollmundig „Jedes Kind kann schlafen lernen“, locken plakativ mit „Schlafen statt schreien“ und dem Ende eines Horrorszenarios oder legen den müden Eltern ein verständnisvolles „Schlaf gut, Baby“ mit in den Warenkorb. Was ist aber nun wirklich dran? Können Babys schlafen lernen? Oder sollte die Frage nicht vielmehr lauten: sollen sie überhaupt schlafen lernen?


Foto: Brytny on Unsplash

 

Schlaf - ein kostbares Gut

Wir brauchen Schlaf. Und verzichten als Eltern unseren Schätzen zuliebe im großen Stil darauf. Die Folgen sind nach einiger Zeit kaum noch zu übersehen: Augenringe sind zwar nicht schick, aber harmlos. Anders ist es, wenn man von einem Infekt in den nächsten stolpert und sich nur noch matt und kränklich fühlt. Es ist also leicht nachvollziehbar, warum allen Eltern viel am guten Schlaf ihrer Kinder liegt. Und das Umfeld scheint darauf jede Menge Antworten zu haben. Leider widersprechen sie sich manchmal. Vom dicken Abendbrei über eine Geburtstrauma-Verarbeitung bis zum mittelmäßig hilfreichen „du musst dich mehr entspannen“ prasseln unzählige Ratschläge auf Eltern ein. Eine objektive, wissenschaftlich fundierte Ansage scheint es nicht zu geben, stattdessen subjektive Erfahrungen und zeitgeistige Trend-Tipps. Versuchen wir es trotzdem einmal sachlich: worum geht es beim Schlafen-Lernen?

Wir wollen das Kind dabei stärken, sich selbst zu regulieren – also sich selbst zu beruhigen, sich selbst zu beschäftigen und selbst mit Frust umzugehen.*

Für das Schlafen braucht es 2 Grundkompetenzen:

  • alleine einschlafen und
  • sich trennen können

Keine leichte Sache – weder für Groß noch für Klein.

Ebenso schwierig ist aber die Beantwortung der entscheidenden Frage:

 

Was ist überhaupt ein Schlafproblem?

Es gibt Versuche, die Antwort wissenschaftlich einzugrenzen. Sie sind allerdings wenig praxistauglich. Maßgebend muss immer das Befinden der Familienmitglieder sein. Oft ist das bereits der Knackpunkt: seid ihr euch einig, wer wann wo und wie schlafen soll? Werdet euch also erst einmal über eure eigenen Elternbedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen klar, bevor ihr Änderungen bei eurem Kind anstrebt. Das klingt zunächst wenig überraschend, aber vielleicht ist einer von euch ein großer Fan davon, dass das Baby im gleichen Zimmer schläft, der andere würde insgeheim das Kind aber lieber im eigenen Zimmer sehen? Sprecht möglichst offen und ehrlich über eure Ansichten.

Wie „können“ Kinder in welchem Alter schlafen?

  • Neugeborene: schlafen im Schnitt 14-18 Stunden*
  • Mit 3 Monaten: ca. 10 Stunden nachts und 5 Stunden am Tag
  • Mit 6 Monaten: durchschnittlich 11 Stunden nachts und 3 Stunden tagsüber
  • Mit 1 Jahr: durchschnittlich 11 Stunden nachts und 1 Stunde tagsüber
  • Mit 2 Jahren: ca. 10 Stunden nachts, 1,5 Stunden tagsüber

Der Schlaf nachts bleibt bis ca. zum 8. Lebensjahr mit 11 Stunden relativ gleich. Ab dem 4. Geburtstag brauchen die meisten Kinder aber keinen Tagschlaf mehr.**

 

Was hilft beim Schlafen?

  • In diesem Punkt sind sich die meisten Ratgeber einig: ein klarer, strukturierter Tagesablauf hilft auch nachts beim Schlafen. Versuche Mahlzeiten und Tagesschläfe möglichst zur gleichen Zeit stattfinden zu lassen. Zeichne euren Tagesablauf gegebenenfalls auf – das kann helfen, Störfaktoren bzw. die für euch am besten passende Lösung für einen geregelten Rhythmus zu finden.
  • Schlechte Schläfer sind oft sensible Kinder: es kann sein, dass Geräusche sie eher stören – achte auf eine ruhige Umgebung. Das mag einfach klingen, ist es aber nicht, wenn ein Elternteil z.B. bevorzugt, dass das Baby im gleichen Zimmer schläft. Eventuell ist das Schlafen im eigenen Zimmer für dein Baby besser.
  • Einschlafrituale helfen, aber durch die Gewöhnung an Flasche, Brust oder Körperkontakt mit einem Elternteil kann es den Kindern schwerfallen, alleine wieder in den Schlaf zu finden. Überlege vielleicht, wie du ein kuscheliges, liebevolles Einschlaf-Prozedere gestalten kannst UND dein Kind trotzdem alleine einschläft. Das heißt nicht, dass du aus dem Zimmer gehen und dein Schatz alleine sein muss. Du kannst auch im Raum bleiben und beruhigend mit deinem Baby reden. Vermeide aber Herumtragen und Trinken als Einschlafhilfe.
  • Schnuller können helfen. Eine Saugverwirrung kann nach den ersten Wochen so gut wie ausgeschlossen werden. Es gibt leicht leuchtende Modelle, damit dein (schon größeres) Baby den Schnuller nachts auch alleine im Bett finden kann.
  • Wichtig ist nicht nur, was du für dein Baby tust, achte auch auf dein Wohlbefinden – übermüdet ist es viel schwieriger, ruhig zu bleiben. In anstrengenden Zeiten hilft es, sich abzuwechseln, damit der andere Schlaf nachholen kann – und zwar ohne schlechtes Gewissen! Zwei Eltern die um ein schreiendes Kind „helikoptern“ bringen niemandem etwas.

In diesem Sinne: Schlaft gut und träumt süß!

 

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*Quelle: Babyjahre, Remo H. Largo, S. 197 ff.
**Quelle und Lesetipp: Endlich durchschlafen von Christine Rankl, Mitbegründerin der Säuglingspsychosomatik am Wilhelminenspital Wien

 

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