Schlafstörung bei Babys und Kleinkindern

Ein Überblick zur Entwicklung des Schlaf-Wach-Rhythmus

17.Apr 2020
Deutsch

Der Schlaf – oder eher das Nicht-Schlafen – ist eines der größten Themen bei Eltern. Kein Wunder: schläft das Kind schlecht, fehlt auch den Eltern die erholsame Ruhephase in der Nacht. Die Probleme können weitreichend sein, schließlich kann Schlafentzug sogar zu Depressionen führen. Ab wann spricht man bei Babys und Kleinkindern aber von einer Schlafstörung? Und kann man überhaupt etwas dagegen tun?


Foto: Marcin Jozwiak via Unsplash

 

(!) In den ersten 12 Lebensmonaten spricht man noch nicht von Schlafstörungen.*

 

Der Schlaf von Babys

Neugeborene schlafen in den ersten 2-4 Wochen noch im selben Rhythmus wie im Bauch. Erst nach und nach stellt sich alles auf den Tag-Nacht-Wechsel um.

Das heißt: die Schlafperioden dauern anfangs nur 2-4 Stunden, wechseln sich mit kurzen Wachphasen ab und sind über den ganzen Tag verteilt.

 

So regelt sich der Schlaf langsam:

äußere Reize wie Tag- und Nachtwechsel, Still- bzw. Fütterzeiten, Windelwechsel und der Rhythmus der Familie (Alltag – nächtliche Stille) formen mit der Zeit auch den Rhythmus des Babys.

Wann das passiert ist von Kind zu Kind ganz unterschiedlich. Das hängt nicht nur vom Verhalten der Familie und einer Struktur des Alltags ab, sondern auch von biologischen Faktoren. Bestimmte Bereiche im Gehirn müssen erst reifen, um die Fähigkeit zu haben, durchzuschlafen und einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus auszubilden.

Das Schlafbedürfnis ist von Mensch zu Mensch verschieden – auch schon bei Neugeborenen. Die meisten Säuglinge schlafen 14-18 Stunden. Und die meisten Kinder haben mit 6 Monaten auf eine längere nächtliche Schlafphase umgestellt, d.h. der Tagschlaf ist weniger geworden.

 

NICHT empfohlen wird**:

  • Schreien lassen: es gibt keine Hinweise, dass Säuglinge dadurch schneller durchschlafen. Viele Säuglinge können sich nicht selbst beruhigen. Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus ist noch nicht entwickelt – sie können schlafen darum auch nicht „lernen“. Was sie brauchen: die Nähe der Eltern, das Gefühl von Geborgenheit und die Sicherheit, dass jemand da ist, der sich um ihre Bedürfnisse kümmert.
  • Die Gabe von Medikamenten zur Schlafförderung
  • Extra gehaltvolle Flaschenmilch oder Brei: Es stimmt, dass manche Stillkinder nachts häufiger wach werden, weil sie hungrig sind. Das liegt meist aber daran, dass sie tagsüber bei den Stillmahlzeiten weniger Milch zu sich nehmen als Flaschenkinder. Es kann also versucht werden, die Trinkmenge tagsüber zu steigern. Außerdem empfiehlt sich ein Einschlafritual, bei dem das Kind nicht an der Brust einschläft, damit es auch nachts ohne Brust wieder einschlafen kann.

 

Schlafstörungen bei Kleinkindern

Ungefähr ein Viertel der Kleinkinder hat Probleme mit dem Schlafen. Im 2. Lebensjahr wird der Schlafbedarf außerdem generell weniger – vor allem tagsüber. Auch später, im Alter von 3-4 Jahren kommen Einschlafprobleme noch sehr häufig vor. Außerdem halten Nachtschreck, Albträume und Reden im Schlaf die Kleinen wach und sind je nach Ausprägung für die ganze Familie eine Herausforderung.

Von Schlafstörungen spricht man aber erst, wenn sich ein bestimmtes Problem über einen längeren Zeitraum zeigt. Das kann zum Beispiel sein:
 

Einschlafstörung:

  • das Kind kann regelmäßig nur mit großem Aufwand wie z.B. Herumtragen einschlafen
  • das Kind braucht über 30 Minuten zum Einschlafen und zwar über einen Monat lang an 5 Tagen/Woche
     

Durchschlafstörung:

  • das Kind wacht oft auf: über einen Monat lang, mehr als 3x pro Nacht, in mindestens 5 Nächten/Woche
  • ist dann länger als 30 Min. wach
  • und braucht zum Einschlafen die Eltern

 

Behandlung von Schlafproblemen

  • Schlafprotokoll anlegen: so können Besonderheiten und deren Häufigkeit überhaupt erst festgestellt und die benötigte Schlafmenge des Kindes herausgefunden werden.
  • Tagesablauf strukturieren: Kinder lieben Routine. Auch der Körper stellt sich auf fixe Abläufe besser ein.
  • Einschlafritual pflegen: immer gleiche Abläufe signalisieren Kind und Körper, dass jetzt Schlafenszeit ist. Sicherheit gibt Ruhe und hilft beim Schlafen.
  • Geduld haben: Gewohnheiten ändern sich nicht von heute auf morgen.
  • Ruhig bleiben: Stress überträgt sich auch auf die Kleinen
  • Schlafsituation optimieren: die Schlafsituation ist optimal, wenn sich alle Familienmitglieder wohlfühlen. Wie das aussieht, ist aber individuell sehr unterschiedlich. Manche Eltern fühlen sich wohler, wenn das Kind im Schlafzimmer ist (z.B. im Beistellbett), andere wollen lieber ein eigenes Kinderzimmer. Hier gilt es, offen für die Wünsche aller zu sein und sich nicht von Ratschlägen aus dem Umfeld beeinflussen zu lassen. Jede Familie darf hier ihren eigenen Weg finden.

Beachte beim Thema Schlaf und Schlafumgebung aber auch immer die Empfehlungen zur Prävention des plötzlichen Kindstods (SIDS)

Fühlst du dich mit dem Schlafproblem überfordert, wende ich am besten an einen Kinderarzt bzw. eine Kinderärztin. In manchen Städten gibt es auch eigene Schlafambulanzen, die erschöpften Eltern Hilfe anbieten. Beliebt ist bei Eltern mit akutem Schlafentzug auch folgendes Mantra: „Es ist nur eine Phase!“.

 

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Quellen:

*https://www.kindergesundheit-info.de/themen/schlafen/schlafprobleme/haeufige-probleme/

**Remo H. Largo, Babyjahre, S.194 ff

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