Schmerztherapie bei der Geburt

Welche Möglichkeiten gibt es gegen Wehenschmerzen?

16.Apr 2020
Deutsch

So sehr sich die meisten Schwangeren auf die Geburt freuen – vor den Geburtsschmerzen fürchten sich mindestens ebenso viele Frauen. Welche Möglichkeiten gibt es, den Schmerz zu bewältigen oder gar auszuschalten?


Foto: Shutterstock

Begleitung/professionelle Betreuung

Ob Mann, Freundin, Mama, Hebamme oder Doula – eine liebevolle Begleitung bei der Geburt kann Schmerzen tatsächlich lindern. Tatsache ist, dass gut vorbereitete und betreute Frauen weniger Schmerzmittel brauchen.

 

Wärme

Vor allem in der Anfangsphase der Geburt hilft Wärme z.B. mit einem Vollbad in der Badewanne gut gegen Schmerzen. Auch ein Wärmekissen im Kreuz empfinden viele Frauen als angenehm. Aber auch während der Geburt kann Wärme helfen und vor allem die Wehenpausen erholsamer gestalten. Einige Frauen fühlen sich im warmen Wasser so wohl, dass sie die Wanne auch in der Geburtsklinik oder im Geburtshaus wählen. Hier hilft oft nur ausprobieren: nicht jeder Kreislauf reagiert gleich auf ein Vollbad. Sei also nicht enttäuscht, wenn es sich für dich nicht so toll anfühlt wie erhofft.

 

Massage

Es muss gar keine ausgeklügelte Heilmassage sein – meistens reicht gleichmäßiger, leicht kreisender Druck im unteren Kreuz für eine spürbare Entlastung. Eine perfekte Aufgabe für den Partner!

 

Akupunktur

Das „Nadeln“ ist auch in der Schwangerschaft eine beliebte Methode um diverse Beschwerden zu bekämpfen. Herausforderung bei der Geburt ist allerdings, dass durch die Nadeln die Bewegungsfreiheit eingeschränkt sein kann. Und auch hier gilt: nicht jede Frau verträgt die Akupunktur gleich gut.

 

Lachgas

Eines der ältesten Analgetika – und aktuell wieder hochmodern. In einigen Ländern wird Lachgas heute standardmäßig angewandt bzw. angeboten. Es ist vor allem als kurzfristige Schmerzlinderung gedacht und braucht ein wenig Wissen, um richtig angewandt zu werden: die Gebärende muss nämlich schon vor der Wehe das Lachgas einatmen, damit es währenddessen wirkt. Die kurze Wirksamkeit ist aber auch einer der großen Vorteile des Lachgases: eine schädigende Wirkung auf das Kind konnte nicht festgestellt werden* und auch die Mutter ist nach der Geburt nicht beeinträchtigt.

 

Spasmolytika

Sie wirken krampflösend und helfen bei der Öffnung des Muttermundes. Sie werden also hauptsächlich in der Eröffnungsphase eingesetzt. Vorteil: keine Nebenwirkungen für das Kind.

 

Hypnobirthing

Spezielle Entspannungs- und Atemtechniken, die schon vor der Geburt gelernt werden, können die Wahrnehmung des Geburtsschmerzes stark beeinflussen. Die Gebärende versetzt sich durch Atmung, Visualisierung, Laute und/oder eingeprägte Affirmationen (Mantra-artige Sätze) in einen Trance-ähnlichen, Hypnose-artigen Zustand. Dadurch erreicht sie nicht nur eine maximale Erholung während der Wehen, sondern auch eine Schmerzlinderung währenddessen. Die Techniken des Hypnobirthings werden in eigenen Kursen – oft von speziell ausgebildeten Hebammen – in Gruppen oder Einzelstunden vermittelt.

 

Tönen und Gebär-Positionen

Einen wesentlichen Einfluss auf die Geburt haben ganz natürliche, automatische Reaktionen der Gebärenden, die in Geburtsvorbereitungskursen auch geübt werden: das „Tönen“ und Einnehmen verschiedener Positionen. In Kursen sind viele Schwangere erst einmal sehr schüchtern und peinlich berührt, wenn es ums Tönen – also das bewusste „Schreien“ – geht. Mit echtem Schreien hat das Tönen aber eigentlich nichts zu tun. Man kann es sich vielmehr als ein bewusstes Öffnen und Hingeben betrachten. Einige Hebammen verwenden auch das Bild der sich öffnenden Blume zur Visualisierung des sich öffnenden Muttermundes. Die Lockerung des Kiefers und Öffnen des Mundes soll auch die Lockerung des Beckens und des Muttermundes fördern. Das kann man nun glauben oder nicht – eine Schmerzerleichterung ist das „Mitsingen“ aber ganz bestimmt.

Auch verschiedene Positionen bzw. Lagen der Gebärenden beeinflussen den Geburtsweg des Kindes, den Durchtritt im Becken und damit auch den Schmerz. Welche Position „die richtige“ ist, ist aber ganz individuell und hängt nicht nur von der Anatomie der Mutter, sondern auch der Lage des Kindes ab. Die Hebamme kann dir hier am besten Anweisungen und Hilfe geben.

 

Die PDA

Der Klassiker bei der Schmerztherapie. Wie in diesem Artikel schon beschrieben, werden Nerven dabei medikamentös durch einen Stich ins Kreuz betäubt.

Vorteil: absolut keine Schmerzen.

Nachteil: eventuell sind die Beine und damit die Beweglichkeit beeinträchtigt. Die Geburt kann langsamer vorangehen. Oft sind zusätzliche Wehenmittel nötig. Am nächsten Tag können Kopfschmerzen auftreten.

Schmerzen sind eine subjektive Empfindung – eine Geburt fühlt sich für jede Frau anders an.

Das Schmerzempfinden ist sehr individuell und auch situationsabhängig: Sorgen und Anspannung können Schmerzen verstärken. Ein Mittel dagegen: Entspannung gelingt oft besser, wenn man den Raum, in dem das Kind zur Welt kommt, schon vorher kennenlernen und sich mental darauf vorbereiten kann. Neben einer vertrauten Umgebung helfen auch vertraute Personen. Eine eigene Hebamme kann viele Ängste nehmen und für mehr Wohlbefinden bei „ihrer“ Frau sorgen.

 

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Quellen:

https://www.hebammenblog.de/schmerzmittel-alternativen-geburt/

*https://www.oegari.at/web_files/dateiarchiv/editor/schmerztherapie_waehrend_der_geburt_wmw_2017.pdf

https://www.netdoktor.at/therapie/schmerzmittel-geburt-6798232

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